Köln: Der Bauplan für die neue Rheinbrücke steht

Köln: Der Bauplan für die neue Rheinbrücke steht

Architektonisch spektakulär sei sie nun nicht gerade, aber eben ziemlich groß, sagt Christoph Jansen. Und ja, das könne man wohl so sagen, das vermutlich größte Projekt seiner Karriere. Der Aachener arbeitet beim Landesbetrieb Straßenbau und ist dort Projektleiter des derzeit wohl aufwendigsten Autobahn-Bauvorhabens in Nordrhein-Westfalen: des Neubaus der Leverkusener Rheinbrücke.

Wer sein Büro in Köln-Deutz betritt, sieht das sofort: Auf einer Planungsskizze von etwa zwei Metern Breite prangt die neue A1-Brücke an der Wand. Ab 2017 soll das Verbindungsstück zwischen Leverkusen und Köln parallel zur maroden alten Brücke gebaut werden. Kostenpunkt für den Bund: mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Der erste Blick auf die Karte verrät selbst Laien: Genau genommen sind es zwei Brücken, die bis 2023 gebaut werden. Jede Fahrbahnseite mit jeweils fünf Spuren bildet ein eigenes Brückenbauwerk. Zwischen den beiden Hälften wird es sogar einen Spalt geben. „Das ist natürlich der größte Unterschied zur alten Brücke“, sagt Jansen. „Zweihüftig“ nennt man diese Bauweise. Dabei werden insgesamt vier Pylone mit einer Höhe von etwa 50 Metern in den Rhein gesetzt. Daran sind starke Metallseile angebracht, die die Fahrbahndecken halten werden.

Warum diese Variante und nicht etwa eine schmucke Bogenbrücke, wie sie anfänglich ebenfalls im Gespräch war? „Auch das wäre möglich gewesen. Letztlich entschieden Faktoren wie die Unterhaltungsfreundlichkeit, Flugsicherheit und statische Erwägungen“, sagt Christoph Jansen.

Zwischen 2017 und 2020 wird zunächst die nördliche Straßenseite Richtung Köln fertiggestellt. Der spektakulärste Moment dürfte sein, wenn die einzelnen Fahrbahndeckenabschnitte in die Metallseile angehängt werden. „Wie diese angeliefert werden, etwa über den Rhein, steht noch nicht fest“, sagt Jansen. Sobald diese erste Hälfte des Bauwerks steht, wird der gesamte Verkehr darauf umgeleitet und die alte Metallbrücke demontiert, um Platz für die zweite Fahrbahnhälfte zu schaffen, die bis 2023 fertiggestellt werden soll.

Vorausgesetzt, der Zeitplan wird eingehalten. Jansen sagt: „Bislang hatten wir Glück und sind im Plan geblieben. Puffer sind allerdings nicht eingebaut. Jeder Tag, den wir früher fertig werden, ist ein Segen für die Autofahrer.“ Für Lastwagenfahrer und Anwohner bedeutet das: Der Schwerlastverkehr wird mutmaßlich erst wieder in fünf Jahren über die A1-Brücke rollen — wenn die alte Brücke nicht mehr gebraucht wird. Schon seit 2012 ist die marode Brücke für Lkw über 3,5 Tonnen gesperrt, weil die Standfestigkeit gefährdet ist.

Aber nicht nur der A1-Brückenneubau ist geplant, zusätzliche Vorhaben sorgen rund um Leverkusen für Zündstoff. Denn was bislang kaum im Fokus stand: Nicht nur die Autobahnbrücke wird für eine jahrelange Großbaustelle sorgen. Parallel dazu will der Landesbetrieb Straßenbau auch das angrenzende Kreuz Leverkusen West (A1 und A3) — bekannt als „Spaghetti-Knoten“ — sanieren. Diese alte Stelzenautobahn sei ebenfalls derart marode, dass sie in Teilen neu gebaut werden müsse, sagt Jansen. Das hat Folgen: Autofahrer müssen sich ab 2017 auf weitere Umwege einstellen.

Wer etwa von der A1 aus Richtung Burscheid kommend in Leverkusen abfahren will, muss bis zur Anschlussstelle Rheindorf weiterfahren, über eine Kreuzung auf die Gegenseite wechseln und zurückfahren. Der Landesbetrieb geht von einer Mehrbelastung in der Größenordnung von wenigen Hundert Fahrzeugen am Tag aus. Die Bürgerliste Leverkusen, die die Mega-Baustelle ablehnt, rechnet mit bis zu 3000 Autos.

Ein weiteres Problem: Die neuen Verbindungsstücke der Stelzenautobahn werden auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie gebaut. Diese wurde Ende der 90er Jahre versiegelt, um Ausdünstungen durch Chemikalien zu verhindern. „Entscheidende Fragen sind für uns, wie wir die Abdichtung der Deponie auch in Zukunft sicherstellen und welche Materialien wir bei dem Untergrund verwenden dürfen“, sagt Jansen. Bodenproben sollen Klarheit bringen. Zudem wolle man verhindern, dass Autofahrer während der Bauphase mit möglichen Ausdünstungen in Kontakt kommen.

Die Stadt Leverkusen kritisiert, dass der Bund wie bei der Rheinbrücke ein beschleunigtes Verfahren anstrebt: Der Klageweg wäre dann eingeschränkt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ein Koloss hängt am Tropf: Dauerbaustelle Rheinbrücke