Aachen: Der Aachener Koch, der in Syrien ein TV-Star war

Aachen: Der Aachener Koch, der in Syrien ein TV-Star war

Allzu viel scheint Fadi Alauwad nicht von dem guten Leben geblieben zu sein, das er in seiner Heimat Syrien gelebt hat. Wer „gutes Leben“ über Statussymbole oder Besitz definiert, könnte so denken. Der 48-Jährige sieht das anders.

„Ich habe meine Frau und meine Kinder um mich, und ich darf wieder kochen. Mein Leben ist gut“. Alauwad lächelt, wenn er das sagt. In seiner Heimat war er ein bekannter Fernsehkoch, vor anderthalb Jahren verließ er sie mit seiner Familie.

In seiner Heimat Syrien war Fadi Alauwad (links) ein bekannter Fernsehkoch. Foto: Screenshot Youtube

Seit einem Jahr lebt er in Aachen, kocht in einem Restaurant im urbanen Frankenberger Viertel und hat einen Deutsch-Intensivkurs begonnen. Sein wertvollster Besitz, sagt Alauwad, ist mit ihm nach Deutschland gekommen: seine Rezepte. Er hat sie aufgeschrieben und jetzt gemeinsam mit Aachener Ehrenamtlern ein Kochbuch veröffentlicht. Der Erlös fließt über den Verein Syrienhilfe direkt in seine vom Krieg erschütterte Heimat.

„Das Buch ist eine Hommage an mein Land und seine wunderbare Küche“, sagt Alauwad. Tatsächlich ist es mehr als eine Rezeptsammlung. „Fadi kocht syrisch“ erzählt vom Leben in Syrien, von Kultur und Traditionen. „Aber vor allem will ich damit etwas Gutes tun.“ Das sagt ein Mann, der selbst alles aufgegeben hat, um sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen.

„Es wurde einfach zu gefährlich“, berichtet er. „Ich wusste, dass ich meine Frau und vor allem meine Kinder schützen musste. Es hat mich zerrissen, wenn sie aus der Schule kamen und von anderen Kindern erzählten, deren Eltern ums Leben gekommen sind.“

Die Gedanken an traumatisierte und hilflose Kinder beschäftigen ihn bis heute. „Ich wünsche mir, dass die Kinder in Syrien wieder lächeln können.“ Um seinen eigenen Kindern ein Leben ohne Gefahr zu ermöglichen, hat der Syrer eine glänzende Karriere als Chefkoch aufgegeben. Seit 1990 ist er Koch, hat sich vom vielzitierten Tellerwäscher zum Chef hochgearbeitet, Engagements im mondänen Dubai inklusive. „Kochen ist für mich Kunst“, sagt der 48-Jährige, „so wie Musik und Malerei.“

In der Küche seiner Mutter wurde die Leidenschaft geweckt, die sein Beruf wurde und ihm in der arabischen Welt den Status eines Johann Lafer einbrachte. „Ich mag aber Horst Lichter lieber“, sagt Alauwad lächelnd. Moment, Horst Lichter? „Ihn kannte ich schon, als ich noch in Syrien lebte. Ich habe mir Videos auf Youtube angeschaut. Seine Art kommt auch rüber, wenn man die Sprache nicht versteht. Es wäre toll, einmal mit ihm zu kochen.“

Gesund und lecker, viele frische Zutaten — das sind die Attribute von Alauwads Kochkunst, die er auch in Deutschland teilen möchte. „Ich habe mir damals in Syrien ein Leben aufgebaut, das will ich jetzt auch hier schaffen“, sagt er. Seine Kinder gehen zur Schule, er ist stolz auf ihre Leistungen — „viele Einsen“.

Seine Aufenthaltserlaubnis gilt für drei Jahre. Eine Rückkehr nach Syrien kann er sich derzeit kaum vorstellen. „Ich würde gern bleiben“ — und dann womöglich bald mit Horst Lichter am Herd stehen? „Er könnte sicher noch etwas von mir lernen“, sagt Fadi Alauwad — und lächelt wieder.

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