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Denkmal auf dem Aachener Westfriedhof ehrt Körperspender

Aachen : Körperspenden: Ein letztes Kapitel noch nach dem Tod

„Mortui prosumus vitae.“ Der Satz ist auf dem Denkmal aus schwarzem Kalkstein zu lesen, das ein Gräberfeld im hinteren Teil des Aachener Westfriedhofs überragt. Frei übersetzt: „Noch im Tod dienen wir dem Leben.“ Ein Spruch, der auf die Menschen, die hier bestattet sind, in besonderem Maße zutrifft.

Es sind Körperspender, Personen, die sich dazu bereiterklärt haben, ihren Leichnam dem Aachener Uniklinikum zur Verfügung zu stellen — als Objekt der Lehre, der Forschung und der Weiterbildung. Das Denkmal in Form eines Obelisken, das Studierende am Lehrstuhl für bildnerische Gestaltung der RWTH konzipiert haben, soll sie in besonderer Weise ehren. Am Montag wurde es offiziell eingeweiht.

80 bis 100 Körper pro Jahr

Nicht wenige Menschen wollen ihren Körper spenden. Sie melden sich bei den Unikliniken an und unterschreiben eine Vermächtniserklärung, in der das Prozedere gerichtsfest definiert ist. Ansprechpartner in Aachen ist das Institut für molekulare und zelluläre Anatomie unter Leitung von Prof. Rudolf Leube; Leiter der Prosektur, der pathologisch-anatomischen Abteilung, ist Prof. Andreas Prescher. Wer mit ihnen über das Thema spricht, der bekommt einen Eindruck von dem großen Respekt, der den Körperspendern hier entgegengebracht wird.

80 bis 100 Körper braucht die Uniklinik pro Jahr. Rund 20 stehen für die berüchtigten „Präpkurse“ zur Verfügung, in denen Medizinstudenten mit dem Skalpell die Anatomie des Menschen bis in tiefste Schichten kennenlernen. Rund 30 Körper werden für die Forschung verwendet, der Rest für die Weiterbildung von Ärzten, etwa im Rahmen der Facharztausbildung. Dem gegenüber stehen jährlich rund 200 Anfragen von Menschen, die bereit sind, ihren Körper zu spenden. Sie tun dies aus ganz unterschiedlichen Gründen — etwa weil sie alleinstehend sind oder weil sie sich der Medizin verpflichtet fühlen. Nicht zuletzt spielt auch das Geld eine Rolle. Denn das Klinikum kommt für die Bestattung auf. Dafür zahlen die Spender einen Unkostenbeitrag von 500 Euro, also wesentlich weniger, als eine Beerdigung im Normalfall kostet. Andere Unikliniken wie etwa in München verlangen einen wesentlich höheren Betrag. Wer nicht bestattet werden will, was nicht selten vorkommt, dessen Körper wird weiter genutzt — bis zu zu den Knochen des Skeletts.

Die Aachener Anatomen nehmen Körper jeden Alters an. Auch Krankheiten spielen keine Rolle — bis auf schwerwiegende Infektionskrankheiten. Um die Überführungskosten zu deckeln, sollte der Wohnort des Spenders in einem Umkreis von 30 Kilometern zum Uniklinikum liegen. Da die Lebenserwartung der Menschen stetig wächst, sind die Leichname im Schnitt über 80 Jahre alt, wenn sie auf den Seziertischen landen.

In der Anatomie werden die Leichname, die den Studierenden zur Verfügung gestellt werden, mittels eines Gemischs unter anderem aus Alkohol, Wasser und Formaldehyd konserviert. Das Verfahren dauert ein halbes Jahr. Für Forschung und Weiterbildung werden die Leichname hingegen eingefroren und kurz vor Verwendung wieder aufgetaut. Das Klinikum versucht, die Zeitspanne zwischen Tod und einer Bestattung so kurz wie möglich zu halten, um die Angehörigen nicht zu sehr zu belasten. Das zeugt von einem sensiblen Umgang. Dazu gehört, dass die Bestattungsfeiern, die einmal im Jahr stattfinden, von den Studenten mitgestaltet werden. Mit dem Obelisken haben sie und die Angehörigen der Spender dafür nun eine besondere Anlaufstelle.