Aachen: Deniz Naki kehrt nach Angriff auf der A4 nicht in die Türkei zurück

Aachen : Deniz Naki kehrt nach Angriff auf der A4 nicht in die Türkei zurück

Der in Düren geborene deutsch-türkische Fußballprofi Deniz Naki wird wegen „massiver Sicherheitsbedenken” nicht in die Türkei zurückkehren. Der 28 Jahre alte Fußballer, der als Kritiker des türkischen Regimes gilt und auf den zuletzt in Deutschland ein Anschlag verübt worden war, will seinen Vertrag beim kurdischen Drittligisten Amed SK in Diyarbakir auflösen.

„Letztlich sorgten seine Familie und sein Umfeld für diese Entscheidung”, sagte sein Frankfurter Anwalt Stephan Kuhn dem Magazin „Der Spiegel”.

Am 7. Januar zwischen 22 und 23 Uhr war Naki zwischen den Anschlusstellen Weisweiler und Langerwehe auf der Autobahn A4 in Richtung Köln aus einem fahrenden Wagen beschossen worden. Vermutlich stammten die Schüsse aus einem dunklen Kombi, der Nakis Porsche Cayenne überholte. Das Fahrzeug, das mit nicht erkennbaren oder abmontiertem hinteren Kennzeichen unterwegs gewesen sein soll, habe nach der Tat seine Fahrt in Richtung Köln fortgesetzt.

Deniz Naki blieb bei dem Angriff unverletzt. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt. Hinweise zu möglichen Tätern nimmt die Polizei Aachen weiterhin unter den Telefonnummern 0241/9577-31101, 0241/9577-34210 sowie in jeder Polizeidienststelle entgegen.

Der ehemalige U21-Nationalspieler mit kurdischen Wurzeln sieht sich wegen pro-kurdischer Äußerungen bereits seit längerer Zeit als „Zielscheibe” und geht von einer politisch motivierten Tat aus. Am 6. April 2017 wurde er in der Türkei wegen „Terrorpropaganda“ von einem Gericht zu 18 Monaten und 22 Tagen auf Bewährung verurteilt.

Naki stand bereits im November 2016 vor Gericht, weil er für die PKK in sozialen Medien geworben haben soll und sich mit den kurdischen Opfern von türkischen Militärangriffen solidarisierte. Er hatte die Vorwürfe stets bestritten. Damals wurde er vom Gericht freigesprochen mit Hinweis auf die Meinungsfreiheit. Im Februar 2017 ging die Staatsanwaltschaft jedoch in Revision und Naki musste sich erneut vor Gericht verantworten.

(dpa/red)