Aachen/Köln: Den Narren lacht die Sonne

Aachen/Köln: Den Narren lacht die Sonne

Karneval im Frühling! So lange wie dieses Jahr mussten die Narren schon ewig nicht mehr auf die tollen Tage warten - bis in den März. Aber es hat sich gelohnt, denn dafür fiel Weiberfastnacht mit dem ersten richtig schönen Frühlingstag zusammen.

Unter wolkenlosem Himmel genossen am Donnerstag ab 11.11 Uhr Hunderttausende den Auftakt des Straßenkarnevals. Auf dem Aachener Markt gab sich die Oecher Penn mit einem attraktiven Programm die Ehre, anschließend stieg eine Jugendfete, die quasi nahtlos übergeht in die legendäre Penn-Party im Festzelt auf dem Katschhof überging.

Auch in Eschweiler, Düren und den vielen anderen Orten der Region lockte der Straßenkarneval bei tollem Wetter tausende Jecken auf die Straßen.

Kostümtrends in diesem Jahr sind Glitzer-Disco-Queen und Flower Power. In Köln gingen auch viele als Lebensmittel, zum Beispiel als Chipstüte, Pommes frites, Broccoli, Möhre oder Maggiflasche. Fernsehserien standen ebenfalls hoch im Kurs: Viele verkleideten sich als Teilnehmer vom „Dschungelcamp” oder „Bauer sucht Frau”. Auch ausgefallene Kostüme wie Handy oder Nadelkissen - mit einem mit bunten Nadeln bestickten Hut - waren zu sehen.

Dazwischen nörgelte der eine oder andere Karnevalsmuffel herum. Oliver Albrecht (47) aus Wanne-Eickel fragte in Köln: „Ist hier ein Kostümfest oder was?” Leon (13) ging demonstrativ in Zivil zur Schule und meinte zur Verkleidung seiner Mutter kopfschüttelnd: „Ihr seid ja alle krank!”

Große Teile Deutschlands erwiesen sich als nicht karnevalisierbar. Im Rostocker Rathaus reagierte ein Pressesprecher auf eine Nachfrage nach Karnevalsaktivitäten mit den Worten: „Wir machen ernste Dinge und nicht so einen Quatsch.” Und während die Weiber anderswo ihre Scheren zückten, blieben Männerschlipse in Berliner Büros unversehrt. Allerdings nicht in Berliner Schlössern: Bundespräsident Christian Wulff ließ sich von Karnevalsprinzessin Kerstin I. die Krawatte abschneiden. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck musste den „Möhnen” gleich vier Schlippse überlassen, allerdings allesamt „ältere Modelle”, wie es hieß.

In Baden-Württemberg starteten viele Narren schon vor dem Morgengrauen in den „Schmotzigen Dunschtig”, die heiße Phase der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Im oberschwäbischen Pfullendorf im Kreis Sigmaringen und anderen Orten wurden die Bürger von den Krach schlagenden Narren geweckt.

Einige rheinische Karnevalisten trauerten den „guten, alten Zeiten” nach: „Heute ist da so viel Alkohol im Spiel. Schon früh um zehn sind viele total besoffen - das muss doch nicht sein”, tadelte die als Pfau verkleidete Gisela Huth auf dem Alten Markt in Köln. Um das Verletzungsrisiko zu senken, gab es in der Kölner und Düsseldorfer Altstadt ein Glasverbot.

Nick Mannheimer aus München war in diesem Jahr zum ersten Mal in Köln dabei. „Das ist ja der Wahnsinn, wie kreativ hier alle sind. Ich kenne sowas ja ein bisschen vom Oktoberfest, aber hier ist das ja überall.”

Eine der skurrilsten Karnevalsveranstaltungen Deutschlands fand am Donnerstag wohl zum letzten Mal statt: Der „kleinste Karnevalsumzug der Welt” des 76-jährigen Helmut Scherer im westfälischen Unna. Bereits zum 55. Mal zog der überzeugte Narr in der ansonsten eher karnevalsfreien Stadt an Weiberfastnacht durch die Innenstadt. In den Anfangsjahren war Scherer belächelt und verspottet worden, wenn er verkleidet mit einem selbst geschmückten Bollerwagen allein durch die Straßen zog. Doch nun hat der Umzug schon lange Kultcharakter.