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Düren: Dem falschen Arzt drohen nun auch Regressforderungen

Düren : Dem falschen Arzt drohen nun auch Regressforderungen

Das Vorgehen des 40-Jährigen, der vorige Woche im Krankenhaus Düren als falscher Arzt entlarvt wurde, ist außergewöhnlich. Denn dieses Mal hat der falsche Arzt nicht das Krankenhaus bei seiner Einstellung mit gefälschten Zeugnissen getäuscht, sondern er hat die Behörde hereingelegt, die vorgeschaltet ist und viel Erfahrung mit Urkunden und Zeugnissen hat: die Bezirksregierung Köln.

Sie hat dem Mann aufgrund eines gefälschten Zeugnisses vor etwa zehn Jahren eine Approbationsurkunde ausgestellt: die Eintrittskarte ins Berufsleben für Mediziner, die niemand mehr in Frage stellt. „Wenn diese Urkunde ausgestellt wird, dann muss man davon ausgehen, dass ein Bewerber sein Medizinstudium erfolgreich absolviert hat“, sagte Christoph Lammertz, Sprecher des Krankenhauses Düren.

Bei der Bezirksregierung Köln kann sich niemand erinnern, dass es eine solche Täuschung schon einmal gegeben hat. Selbst die Kollegen nicht, die schon viele Jahre dort arbeiten, heißt es auf Anfrage. Bodo Klein, Sprecher der Bezirksregierung, möchte nicht von einem Fehler seiner Behörde sprechen. „Das Zeugnis ist sorgfältig und in einem standardisierten Verfahren geprüft worden“, sagt Klein, was wohl bedeutet, dass es sich um eine gute Fälschung handelt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz in Dortmund fordert Konsequenzen aus diesem Fall. Die Bezirksregierung prüfe bei der Erteilung der Approbation nur, ob die notwendigen Abschlusszeugnisse vorgelegt wurden — nicht aber, ob sie auch echt seien. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, sagt Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Zusätzlich bedürfe es eines zentralen Approbationsregisters, das bei der Bundesärztekammer geführt werde. „So können Patienten sicher sein, dass die Zulassung tatsächlich existiert.“

Die Bezirksregierung sieht diesen Handlungsbedarf nicht und verweist darauf, dass das Zeugnis des 40-Jährigen die einzige Fälschung war, die in den vergangenen zehn Jahren aufgefallen ist. In dieser Zeit wurden etwa 15.000 Ärzte von der Bezirksregierung Köln approbiert.

Nach Medienberichten ist der Mann aus dem Raum Bonn 2006 als Assistenzarzt in der Allgemeinchirurgie an einem Krankenhaus in Köln eingestellt worden, 2009 wechselte er nach Düren. Das dortige Krankenhaus hatte den mutmaßlichen Betrug vergangene Woche aufgedeckt. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Krankenhaussprecher Lammertz am Dienstag, das Krankenhaus Düren prüfe nun Regressansprüche gegen den 40-Jährigen und mögliche Dritte — womit eigentlich nur die Bezirksregierung gemeint sein kann. Doch Ansprüche gegen die Behörde im Rahmen eines sogenannten Amtshaftungsverfahrens könnten nur dann geltend gemacht werden, wenn der Bezirksregierung die Fälschung des Zeugnisses hätte auffallen müssen, wenn es also schlecht gefälscht worden wäre.

Die Techniker Krankenkasse erklärte, nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen Akteneinsicht zu beantragen. Dann werde geprüft, ob Ansprüche gegen das Krankenhaus Düren bestehen könnten.

(cs/gego)