Köln: Dauerregen erschwert Bergungsarbeiten in Köln

Köln: Dauerregen erschwert Bergungsarbeiten in Köln

Die Feuerwehr hat am Freitagabend mit der gezielten Suche nach den beiden am Dienstag beim Gebäudeeinsturz im Kölner Severinsviertel vermissten Männern beginnen wollen. Dann sollen die notwendigen ersten Abriss- und Sicherungsarbeiten an der Unglücksstelle abgeschlossen sein, wie ein Feuerwehrsprecher mitteilte.

Seit Donnerstag hatten Dauerregen und steigendes Grundwasser die Lage für die Rettungskräfte dramatisch erschwert. Einsatzkräfte waren seit Freitagnachmittag damit beschäftigt, mit einem Kettenbagger weitere Gebäude abzureißen. Die Arbeiten zogen sich hin, da der 80 Tonnen schwere Bagger immer wieder auf Archivmaterial stieß. Weiterhin ungeklärt ist die Unglücksursache. Nach Angaben der Stadtarchiv-Leiterin Bettina Schmidt-Czaia wird die Restaurierung der Bestände ihrer Einrichtung bis zu 30 Jahre dauern.

Bei den beiden Vermissten handelt es sich nach Medienberichten um einen 23-jährigen Designstudenten und einen 17-jährigen Bäcker-Lehrling, die sich vermutlich in den Dachgeschosswohnungen von einem der zusammengestürzten Nachbarhäuser des umgekippten Archivgebäudes aufhielten.

Unterdessen zeigten sich die Kulturbehörden tief betroffen über den drohenden Verlust der Dokumente aus dem Stadtarchiv. Schmidt-Czaia sagte, das Unglück sei „für die Kulturgeschichte der Bundesrepublik eine absolute Katastrophe”. Nach Angaben des Kölner Kulturdezernenten Georg Quander liegen rund 90 Prozent des Schriftgutes unter den Trümmern. Auch wenn noch keine gesicherten Erkenntnisse über das Ausmaß der Schäden vorlägen, werde es sicherlich „unwiederbringliche Verluste” geben, sagte Quander.

Als mögliche Ursache des Unglücks, bei dem am Dienstag das vierstöckige Gebäude des Stadtarchivs sowie zwei benachbarte Häuser eingestürzt waren, gilt der U-Bahnbau. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) wiesen Vorwürfe zu angeblich mangelnder Sorgfalt beim Bau der U-Bahnlinie unter dem Gebäude des Archivs zurück.

Sowohl im Untergrund wie auch oberirdisch seien regelmäßig Kontrollen durchgeführt worden, sagte KVB-Bauleiter Rolf Papst. Es habe aber keine auffälligen Schäden an Gebäuden gegeben. Beim Unglück am Dienstag müsse es unmittelbar vor dem Einsturz eine „plötzliche, sehr plötzliche” Veränderung im Untergrund unter dem Stadtarchiv gegeben haben, so Papst.

Die Stadtwerke Köln haben am Freitag einen Hilfsfonds in Höhe von einer Million Euro für die Opfer des Gebäudeeinsturzes im Severinsviertel eingerichtet. Damit solle den unmittelbar betroffenen Anwohnern rasch und unbürokratisch finanziell geholfen werden, teilte das Unternehmen mit. Zum Stadtwerke-Konzern gehören auch die KVB. Die Stadt will zudem einen neutralen Ombudsmann als Ansprechpartner für die Unglücksopfer etablieren.

Offen ist auch noch, wer für die Schäden haftet. Nach Angaben eines Versicherungssprechers seien diese Schäden „in der klassischen Wohngebäude- und Hausratsversicherung nicht enthalten”. Bei einer Schadensersatzklage müsse erst jemand gefunden werden, der verantwortlich gemacht werden könne. Dann könnten die Betroffenen die Klage gegen die entsprechende Person richten.