370.000 Besucher bei Gamescom erwartet: Das lange Warten für fünf Minuten Spaß

370.000 Besucher bei Gamescom erwartet : Das lange Warten für fünf Minuten Spaß

Gamescom: Auch spaßig für Teilzeit-Zocker?

Eigentlich ist auf der Gamescom alles wie immer, nur noch ein bisschen größer. Die Macher haben die Fläche vergrößert, um dem Publikumsandrang gerecht werden zu können und den Trubel ein wenig zu entzerren. Denn von einem Nischenphänomen ist das Gaming inzwischen so weit entfernt, wie es nur irgendwie möglich ist. In diesem Jahr gab es sogar erstmals eine große Eröffnungsgala zur Messe.

Die Branche wächst, immer weiter, seit Jahren, und mit ihr wachsen die Möglichkeiten, und auch die interne Konkurrenz. Als Spieleentwickler muss man sich heute mitnichten bloß gegen andere Entwickler durchsetzen. Auch Facebook und Google sind in der Kölnmesse vertreten, mit kleinen Minispielen, die vor allem auf kurzweiligen Spaß ausgerichtet sind. Ebenso der Streaming-Dienst Netflix.

Mit einem fulminanten und sehr großen Stand ist der vor Ort, man kann ein Gratis-Eis aus der Eisdiele der Serie „Stranger Things“ essen, sich im Tresor-Raum im „Haus des Geldes“-Stil fotografieren lassen oder kurze und meistens ein bisschen gruselige, exklusive Videosequenzen gucken. Zu „Stranger Things 3“ gibt es sogar ein Videospiel.

Simulatoren und Super Mario

Ansonsten gibt es mit „Fifa“, „Call of Duty“ und „Need for Speed“ natürlich die gewohnten Klassiker zum Testen, und natürlich gibt es für die auch die gewohnten Wartezeiten. Am ersten Tag, der für die Fachbesucher gedacht ist, bewegten die sich zwar noch zwischen 30 und 90 Minuten. Spätestens ab Mittwoch aber dürften die Aussteller wieder die Schilder mit „Ab hier fünf Stunden Wartezeit“ herausholen. Wer schon immer einmal Bus oder Laster fahren wollte, kommt aber ebenfalls auf seine Kosten, und zwar sehr realistisch im entsprechenden Simulator, ebenso die Super-Mario- und Zelda-Fans oder die Anhänger der gepflegten Retro-Games.

Viel Wartezeit, dafür auch viel Spaß: Vielen Spielern ist’s das wert – zumindest fürs Lieblingsspiel. Hier warten einige Besucher vor dem PC-Spiel „Cyberpunk“. Foto: dpa/Oliver Berg

Die Spiele-Neuigkeiten sind im Vergleich zu den Vorjahren nicht ganz so üppig ausgefallen. Das dürfte auch daran liegen, dass Sony und Microsoft ihre beiden Spitzen-Konsolen, die Playstation und die Xbox, erst für 2020 angekündigt haben. Und kommen neue Konsolen, kommen in der Regel auch neue Spiele. Einen Erfolg für die Spielemesse in Köln beschert Nintendo: Die Japaner stellen die kompakte Version ihrer aktuellen Konsole, die Nintendo Switch Lite, auf der Messe vor. Erhältlich soll sie dann ab Ende September sein. Zwar darf auf der Gamescom nur geguckt und noch nicht selbst gespielt werden, dennoch werden neue Konsolen sonst oftmals traditionell auf der Computerspiel-Messe E3 in Los Angeles vorgestellt.

Sehr prominent ist in diesem Jahr die E-Sports-Szene vertreten. In einer Halle gibt es einen großen Bereich, der sich dieser Spieleart widmet. Gerade in Deutschland dürfte der Markt noch mehr Wachstumspotenzial haben. Und noch ein Spieletrend zeichnet sich ab: das Cloud Gaming. Vorn mit dabei ist Google mit der Spieleplattform „Google Stadia“. Bei dieser Technologie braucht es keine leistungsstarken Konsolen oder PCs mehr, alle Spiele werden auf externen Servern berechnet. Alles, was der Spieler dann noch braucht, ist eine gute Internetverbindung, dann können auch extrem anspruchsvolle Spiele auf dem Smartphone gedaddelt werden.

370.000 Besucher werden in diesem Jahr wieder erwartet, das sind ungefähr so viele wie im vergangenen Jahr. Im Jahr 2009, also vor zehn Jahren, ist die Gamescom mit rund 245.000 Besuchern in Köln erstmals gestartet und konnte ihr Niveau seither fast jedes Jahr steigern, mindestens aber halten. Inzwischen gehören die Merchandise-Anbieter und die Cosplayer, also Menschen, die sich kostümieren und eine Figur aus Film, Comic oder PC-Spielen möglichst detailgetreu darstellen, fest zur Spielemesse dazu. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

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