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Margraten: Das Heuvelland will Weltnaturerbe werden

Margraten : Das Heuvelland will Weltnaturerbe werden

Witzbolde bezeichnen den südöstlichen Zipfel der Niederlande schonmal gerne als „die hochalpine Ecke des Landes“. Denn das südlimburgische Heuvelland (Hügelland) gleich an der Landesgrenze bei Aachen, dessen höchste Erhebung mit 322,4 Metern der Vaalser Berg darstellt, ragt ziemlich einmalig aus dem ansonsten flachen Land hinter den Deichen hervor.

So einmalig, dass die Provinz Limburg, der Fremdenverkehrsverband VVV und die dort ansässigen Gemeinden Vaals, Eijsden-Margraten und Gulpen-Wittem jetzt der Ansicht sind: Das Heuvelland mit seiner einzigartigen Landschaft gehört auf die Weltnaturerbe-Liste der Unesco. Die Bewerbung läuft gerade an.

Aufnahme in die Welterbe-Liste der UNESCO (englisch: United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization), der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, finden nach dem Reglement Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind und von ihren Staaten für den Titel vorgeschlagen werden. Aktuell umfasst die Liste 1073 Welterbestätten in 167 Ländern, getreu dem Unesco-Motto: „Das Schönste, was Mensch und Natur uns hinterlassen haben.“

42 deutsche Orte sind Welterbestätten

In Deutschland waren der Aachener Dom und der Domschatz 1978 die ersten Titelträger als Welterbe. Der Kölner Dom folgte erst 1996. Derzeit finden sich 42 Orte in Deutschland in der Unesco-Liste.

Die Niederlande verfügen aktuell über zehn Welterbestätten auf dem europäischen Festland, darunter das Wattenmeer und der Amsterdamer Grachtengürtel. Etwas außerhalb, auf der Karibikinsel Curaçao, liegt weitere Erbmasse: der Hafen und die Innenstadt der 1634 von den Niederlanden gegründeten Handelsniederlassung Willemstad.

Auffällig ist beim Blick auf die Landkarte, dass alle bisherigen Welterbestätten der Niederlande nördlich einer Linie liegen, die etwa bei Rotterdam von West nach Ost verläuft. Als ob sich im Süden des Landes nichts mehr von Bedeutung befände. Da ist man aufseiten der Initiatoren im Heuvelland ganz anderer Ansicht und verweist auf die lange Kulturgeschichte, die unter den Römern eine erste Blüte erreichte.

Auch die Entwicklung des Fremdenverkehrs sei im Heuvelland besonders gut zu beobachten, das schon im 19. Jahrhundert aufgrund seiner für die Niederlande einzigartigen Landschaft zu den bevorzugten Reisezielen der Flachland-Bewohner gehörte, die im Urlaub „Berge“ sehen wollten, ohne gleich in die Alpen zu fahren. Was auch daran liegen könnte, dass die sanften Hügel für Wohnwagengespanne keine allzu große Herausforderung darstellen.

Die großartige Natur zu bewahren und ein Bewusstsein zu schaffen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung dieses ganz besonderen Landesteils ist das Ziel der Heuvelland-Gemeinden Eijsden-Margraten, Gulpen-Wittem und Vaals.

Besondere Region

Von dem Eintrag erhoffen sich die Antragsteller daher eine stärkere Profilierung im internationalen Tourismus und ein wachsendes Bewusstsein bei der jüngeren Generation, in einer besonderen Region zu wohnen. Jetzt ist der Minister für Erziehung, Kultur und Wissenschaft an der Reihe, der im Namen der Niederlande den Antrag bei der Unesco einbringen soll.

Als vorläufig letztes Objekt in den Niederlanden war im Jahr 2014 die 1920 erbaute Van-Nelle-Fabrik in Rotterdam als Weltkulturerbe in die Unesco-Liste eingetragen worden. In der so genannten „Tentativliste“ warten neun weitere Welterbekandidaten der Niederlande auf ihren Eintrag. Die letzte Nominierung erfolgte im Jahr 2015.