Cermcity auf Testgelände Aldenhoven eröffnet: Das große Freiluftlabor für die digitale mobile Zukunft

Cermcity auf Testgelände Aldenhoven eröffnet: Das große Freiluftlabor für die digitale mobile Zukunft

In Cermcity brennt jetzt Licht. Die kleine verborgene Stadt im Aldenhover Testing Center wird am Montagmorgen ganz offiziell und mit einigem Getöse eröffnet – ein halbes Jahr nach dem Spatenstich.

Auf dem alten Zechengelände im Industriepark Emil Mayrisch wird nun die digitale Zukunft der Mobilität erforscht. Cermcity ist ein großes Labor, in dem technologische Fortschritte bei Elektronik und Sensorik gesucht wird.

Cerm steht für „Center for European Research on Mobility“. Hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich eine Testumgebung für die Entwicklung und Erprobung der vernetzten und automatisierten Mobilität in der Stadt. Europaweit einmalig. In dem großen Feldlabor wird untersucht, ob Funktionen oder Systeme selbstfahrender Autos technologische und regulatorische Anforderungen erfüllen. Ideen treffen auf die Wirklichkeit, müssen hier bestehen, um marktreif zu werden.

„Wir müssen die Sicherheit der autonomen Fahrzeuge unter realen Bedingungen beweisen, damit das Vertrauen in die neue Mobilität wächst“, sagt der Dürener Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das das Projekt mit 3,3 Millionen Euro fördert. „Viele reden von der neuen Mobilität“, lobt Rachel, „hier im Kreis Düren entsteht sie. Wenn wir in Deutschland weiterhin führend in der Automobilindustrie sein wollen, müssen wir Gas geben.“

Lutz Eckstein ist der Motor

Die Teststrecke geht zurück auf ein fast schon zehn Jahres altes Joint Venture der RWTH mit dem Kreis Düren. Lutz Eckstein ist ein bisschen der Motor des Projekts. Der Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge an der Exzellenzuniversität koordiniert die interdisziplinäre Kooperation auf dem Campus. „Mit der Verbindung von  Wissenschaft und Industrie schaffen wir hier ideale Voraussetzungen“, sagt er.

 In Cermcity sind vernetzte Kreuzungen, schlaue Parkplätze, Haltestellen, Kreisverkehre, Zebrastreifen, Ampelanlagen  und Häuserfronten entstanden, die miteinander kommunizieren. Es ist ein offenes Angebot, sagt Projektleiter Micha Lesemann. Auch Start-ups können hier überprüfen, ob ihre Simulationen der Wirklichkeit standhalten.

Neues Testgelände für selbstfahrende Autos in Aldenhoven

Der Verkehrsminister lässt sich auch an diesem Tag ein paar Meter von einem „unbemannten“ Auto fahren, das dann vor einem Hindernis sicher zum Stehen kommt. Hendrik Wüst (CDU) ist auch ein bisschen ein Stauminister, der sich eine bessere Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer und damit effizientere Ausnutzung der Infrastruktur wünscht. „Derzeit ist der ÖPNV kaum zu bezahlen. Wenn wir eines Tages aber automatisierte Fahrzeuge einsetzen können, können wir auch im ländlichen Bereich ein Angebot machen, das seinen Namen verdient.“

Der Tag, als Cermcity eröffnet wird, ist dann auch eine Leistungsschau von 58 Ausstellern, die sich auf dem Campus engagieren. Vorgestellt werden „sehende“ Straßenleuchten, die über Infrarotsensoren erfahren, wie gerade der Verkehr fließt. Mit den Informationen kann auch die nächste Ampelphase beeinflusst werden. Das Licht lässt sich je nach Bedarf dimmen; zudem können Passanten, die sich zum Beispiel belästigt fühlen,  einen Lichtalarm auslösen. Einen anderen Blick in die Zukunft bietet Vodafone an. Im Verbund mit Ford wird der „ecall-Ruf“ entwickelt. Nach einem Unfall werden die folgenden Fahrzeuge sofort in Kenntnis gesetzt. Über die gleiche App erfolgt ein „Rettungsgassenaufruf“, wenn sich die Sanitäter nähern.

Das sind nur zwei kleine Beispiele aus der Ideenschmiede in Cermcity, wo nun im Schatten der Kohlenhalde an Lösungen für den Großstadtverkehr getüftelt wird.  Aus Industrie 1.0 wird Industrie 4.0, statt Steinkohle werden nun digitale Ideen für den Großstadtverkehr geschürft.

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