Düsseldorf: Das Geschäft mit den Terrordrohungen

Düsseldorf: Das Geschäft mit den Terrordrohungen

Für eine Terrordrohung gegen die westliche Welt braucht es nicht viel. Computerkenntnisse, ein Bildbearbeitungsprogramm und das Internet. Gerade nach schweren Anschlägen wie denen in Brüssel und Paris, zu denen sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte, sind soziale Medien voll mit Propaganda von Dschihad-Sympathisanten. Martialische Bilder erregen derzeit in Deutschland Aufmerksamkeit.

Eine Collage zeigt einen Dschihadisten vor dem Gebäude des Flughafens Köln-Bonn. „Was Deine Brüder in Belgien schafften, schaffst Du auch!“, steht da auf Deutsch. Auf einem anderen Bild brennt das Kanzleramt. Doch NRW-Sicherheitsbehörden warnen vor Panik.

Martialische Montagen: Gezeigt werden bewaffnete, vermummte Islamisten vor dem in Flammen stehenden Flughafen Köln/Bonn (oben) oder Kanzleramt in Berlin (unten links) mit eindeutigen Handlungsaufforderungen, sich gegen Deutschland zu stellen. Screenshots: Islamic State Twitter

Zwar hat nach Angaben von Verfassungsschutzchef Burkhard Freier die Gewaltbereitschaft junger Salafisten in den letzten Jahren zugenommen. Das Innenministerium nimmt die Drohung deshalb sehr ernst, verfügt aber nach dem Bombenterror in Brüssel über keine konkreten Hinweise auf Anschläge in NRW. Auch aus dem Bundesinnenministerium, dem Bundeskriminalamt und vom Verfassungsschutz heißt es, die Bedrohungslage sei ernst — aber nun auch nicht ernster, nur weil diese neuen Bilder und Videos aufgetaucht seien.

Die perfide Propaganda-Strategie

Der NRW-Verfassungsschutz geht davon aus, dass sich die Zahl der extremen Salafisten in NRW auf 2700 erhöht hat. 600 seien gewaltorientiert und davon 150 „besonders risikobehaftet“, erläuterte der Verfassungsschutz. Ein Teil dieser 150 gefährlichsten Salafisten sitzt allerdings in Haft oder hat sich zumindest vorübergehend in Krisengebiete abgesetzt.

Zwar tauchen schon seit zehn Jahren gewaltverherrlichende Videos der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Netz auf. „Nachdem sich der IS in Syrien und Irak aber in einer zunehmend schwierigen Lage befindet, soll durch Terrordrohungen in Europa die eigene Schlagkraft unter Beweis gestellt werden“, heißt es in einem aktuellen Lagebild. Das Ziel: Angst unter der Bevölkerung schüren und Unterstützer mobilisieren. Solche Drohungen müssen nicht von der IS-Führung kommen. Es können auch Menschen dahinterstecken, die im Stillen Sympathien für den IS hegen oder die sich einfach animiert fühlen, selbst mal Angst und Schrecken zu verbreiten. Wie ernsthaft solche Ankündigungen sind, ist fraglich. „Es gibt immer wieder Drohungen, Tweets und Videos in diese Richtung“, sagt der Terrorexperte Rolf Tophoven. „Es ist leicht, so etwas zu produzieren und ins Netz zu stellen.“

Terrordrohungen sind Teil der perfiden Propaganda-Strategie des IS. Die Terrormiliz ist auf ausländische Kämpfer angewiesen und muss für junge Männer attraktiv erscheinen. Der IS hat für die Rekrutierung ausländischer Anhänger einen neuen Weg eingeschlagen: Seine Propaganda bedient sich moderner Methoden, um sich in der westlichen Welt Gehör zu verschaffen. Ganz anders als in früheren Zeiten, in denen der damalige Chef des Terrornetzwerkes Al-Kaida, Osama bin Laden, mit monotoner Stimme in eine Kamera sprach. Und deswegen ist es wohl kein Zufall, dass auch die Terrordrohung gegen den Kölner Flughafen an ein Bild aus einem Egoshooter-Videospiel erinnert.