Das Datenleck könnte laut Staatskanzlei auch NRW-Politiker treffen

Zuerst wurde bei Schulz angerufen : Datenleck könnte auch NRW-Politiker treffen

Die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern, Parteien und Prominenten könnte auch die Regierung und das Landesparlament Nordrhein-Westfalens betreffen.

„Unter den veröffentlichten Daten befinden sich offensichtlich auch Angaben von Mitgliedern der Landesregierung“, teilte die Düsseldorfer Staatskanzlei am Freitag mit.

In den via Twitter veröffentlichten und nach Parteizugehörigkeit sortierten Namenslisten tauchen auch viele führende Regierungs-, Partei- und Fraktionspolitiker aus NRW auf. Von ihnen wollte sich auf Anfrage niemand zu der Onlineattacke äußern.

„Der Staatskanzlei liegen bisher keine Informationen vor, wonach Mitglieder der Landesregierung selbst unmittelbar Ziel eines Angriffs geworden sein könnten“, teilte der stellvertretende Regierungssprecher Moritz Kracht mit. „Derzeit wird geprüft, ob und inwiefern gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten sind.“ Die Landesregierung stehe in Kontakt mit den zuständigen IT- und Sicherheitsbehörden.

Bei den im Internet veröffentlichten Daten handelt es sich unter anderem um Handynummern und Adressen, Briefe, Kopien teils sehr persönlicher Dokumente, aber auch um private Informationen, Chats und Sprachnachrichten aus dem Familienkreis. Einige Informationen wurden schon 2017 ins Netz gestellt, in großem Umfang aber erst im vergangenen Monat veröffentlicht.

Wer für den Angriff verantwortlich ist, war am Freitag zunächst unklar. Wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Bundestag erfuhr, geht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) derzeit davon aus, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie sozialen Medien oder Webauftritten stammen sowie teilweise aus privaten „Clouddaten“.

Die Attacke wurde durch Anrufe von Unbekannten beim SPD-Politiker Martin Schulz bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Den Angaben zufolge hatte ein Mitarbeiter des ehemaligen SPD-Spitzenkandidaten am Donnerstag der Polizei in Aachen mitgeteilt, Schulz sei von Fremden auf einer nicht öffentlich zugänglichen Nummer angerufen worden. Daraufhin sei das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt aktiv geworden.

Die Grünen wollen das Thema auch im NRW-Landtag erörtern. Die Landesbehörden müssten ihre IT-Infrastruktur auf mögliche Sicherheitsrisiken überprüfen, forderte ihre parlamentarische Geschäftsführerin Verena Schäffer. „Abgeordnete und Fraktionen müssen sicher und geschützt kommunizieren können.“

(dpa)
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