Köln: Das Auto als Waffe: Illegale Rennen auf deutschen Straßen

Köln : Das Auto als Waffe: Illegale Rennen auf deutschen Straßen

Auf einen Schlag war diese Woche alles wieder da für Kölns Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma. Als er und seine Frau davon erfuhren, dass ein illegales Autorennen mitten in der Stadt wieder einen Radfahrer das Leben gekostet hatte, empfanden sie „Wut, Enttäuschung und Frust”. Denn vor 14 Jahren kam ihr Sohn auf ganz ähnliche Weise zu Tode - als Fußgänger in Köln.

„Er stand kurz vor der Hochzeit”, erinnert sich Schramma im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

An der Stelle, wo das Raserauto den Radfahrer vor wenigen Tagen wie ein Geschoss traf, hielten am Donnerstagabend etwa 250 Menschen eine Mahnwache. Blumen, Kerzen und Fotos bilden seit Tagen eine kleine Gedenkstätte am Straßenrand. Auch tagsüber halten dort immer wieder Radfahrer und Fußgänger inne.

Drei Unbeteiligte sind in den letzten Monaten in Köln durch illegale Autorennen ums Leben gekommen - das ist beispiellos in Deutschland. Die Millionenstadt am Rhein ist berüchtigt für ihrer Raserszene - und für ihre brutalen Verkehrsschneisen mitten durch das historische Zentrum.

Doch „das Phänomen illegaler Autorennen gibt es bundesweit in vielen Städten”, hebt der TÜV Rheinland hervor. Manchmal würden dabei hohe Geldpreise ausgesetzt, sagt Karl-Friedrich Voss, Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Verkehrspsychologen. „Eine andere Variante ist die, dass Menschen gegen die Uhr fahren.”

Die Beteiligten sind meist junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. „Leute, die ihr Selbstbewusstsein sehr stark mit dem Auto verknüpfen”, erläutert Voss. Häufig sähen sie im Beruf keine Perspektive und seien auch nicht in einer Familie verankert. „Das Auto ist ja auch durchaus eine anerkannte Methode der Selbstdarstellung, gerade in Deutschland. Und manche übertreiben das und fühlen sich in ihrem Selbstverständnis angegriffen, wenn andere schneller sein wollen.” Solche Männer könne man nur ändern, wenn man ihre Probleme im Beruf oder im Privatleben löse, meint Voss.

Meist nutzen die Raser abgelegene Gewerbegebiete oder nächtliche Straßen für ihre Rennen, doch in letzter Zeit kommt es manchen gerade darauf an, viel Publikum zu haben. Sie verabreden sich auf Facebook und stellen anschließend Videos ins Internet.

Roman Suthold vom ADAC ist davon überzeugt, dass hier Hollywoodfilme wie „Fast & Furious” fatale Vorbilder liefern. Dazu kämen Computerspiele. „Generation Playstation”, sagt er nur. „Die spielen diese Autorennen virtuell, und denken dann, weil sies am Computer beherrschen, könnten sies auch in der Realität. Und diese Spiele geben auch städtische Rennen wieder - genau das, was in Köln abgelaufen ist.”

Fritz Schramma meint: „Dieser Kick, ein Auto als Waffe zu benutzen, das ist ja fast wie Russisches Roulette.” Die Verantwortlichen für den Tod seines Sohnes kamen damals mit einer Bewährungsstrafe davon. „Vielleicht haben sie inzwischen selbst Familien und machen sich hin und wieder Gedanken”, sinniert der Ex-OB. Seine Frau und er haben einen Verein für Unfall- und Opferschutz gegründet. „Da arbeiten wir ein bisschen die Trauer ab. Aber als Angehöriger leiden Sie ein Leben lang darunter.”

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung