Kindesmissbrauch von Lügde: Das Ausmaß im Fall wurde unterschätzt

Kindesmissbrauch von Lügde : Das Ausmaß im Fall wurde unterschätzt

Die Grünen im NRW-Landtag kritisieren im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs von Lügde erneut ein zu spätes Einschreiten des Ministeriums. „Für einen Fall dieses Ausmaßes war die Kreispolizei weder vorbereitet noch ausgestattet.

Die Ermittlungen hätten viel früher an die personell besser ausgestattete Polizei in Bielefeld übertragen werden müssen“, sagte Verena Schäffer, innenpolitische Sprecherin der Grünen, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Wie aus dem aktuellen Bericht des Innenministeriums zu den Ermittlungen hervorgeht, waren bei der Kreispolizeibehörde anfangs vier und später acht Beamte mit dem Fall betraut. Im Einsatz war außerdem ein Polizeianwärter, der laut Innenministerium 155 Datenträger auswertete.

Inzwischen befasst sich eine 60-köpfige Kommission mit den Ermittlungen. „Diese Diskrepanz zeigt doch, dass man die Dimensionen des Falles offenbar am Anfang völlig verkannt hat“, kritisierte Schäffer.

Auf einem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen wurden nach bisherigen Ermittlungen seit 2008 mindestens 31 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen Opfer sexuellen Missbrauchs.

Ende Januar hatte das Landeskriminalamt verfügt, die Ermittlungen auf die Polizeibehörde Bielefeld zu übertragen. Schon 20 Tage früher sei dem Innenministerium jedoch die Opferzahl von mindestens 30 Kindern bekannt gewesen. Offen lasse der Bericht trotz wiederholter Nachfragen, wann Minister Herbert Reul (CDU) mit den Geschehnissen betraut war.

Am Donnerstag beschäftigt sich der Innenausschuss erneut mit der Aufarbeitung des Falls. Die Grünen hatten weitere Aufklärung gefordert.

(dpa)
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