Königswinter: Damit er nicht auseinanderbricht: Sanierung des Drachenfels läuft

Königswinter : Damit er nicht auseinanderbricht: Sanierung des Drachenfels läuft

Hoch über dem Rhein thront die markante Burgruine auf dem Drachenfels. Vor allem bei schönem Wetter genießen tausende Besucher die Aussicht auf das prächtige Rheinpanorama bei Königswinter. Der bekannteste Wanderweg hoch auf das 321 Meter hohe Felsmassiv, der Eselsweg, ist jedoch seit mehr als einem Jahr gesperrt - wegen akuter Steinschlaggefahr. Seitdem laufen die Sicherungsarbeiten.

Eine Spezialfirma hat an den Felsen ein 50 Meter hohes Gerüst gebaut. Darauf steht Roland Strauß vom Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen und haut mit einem Hammer leicht an den Stein - sofort fallen kleine Stückchen herab. „Hier, das ist alles bröckelig”, sagt der Geologe. Klopf, klopf - er schlägt den Hammer gegen einen alten Felsnagel, der etwas aus der Wand ragt: „Hören Sie? Hohl. Der hält nichts mehr fest.”

Schon Anfang der 1970er Jahre wurde im Auftrag des Landes NRW nach einem großen Steinschlag ein umfassendes Sicherungssystem mit Felsnägeln und -ankern installiert, um den Drachenfels vor dem Auseinanderbrechen zu retten. Denn das Trachyt-Gestein des ehemaligen Steinbruchs, aus dem im Mittelalter Material für den Bau von Kirchen - darunter auch der Kölner Dom - abgebaut wurde, ist porös.

„Wenn es dieses Sicherungssystem nicht gäbe, wäre der obere Teil samt Burgruine schon längst heruntergefallen”, meint Strauß. Inzwischen sind viele der alten Felsnägel nicht mehr funktionstüchtig und der damals um den Berg gelegte Betongürtel marode.

Ende 2016 zeigten Messungen des Geologischen Dienstes, dass es Verschiebungen im Berg gegeben hatte. Daraufhin sperrte die Bezirksregierung Köln als Sofortmaßnahme den Eselsweg. Es begann eine aufwendige Sanierung - die mit zunehmendem Verlauf immer umfangreicher wurde. „Das Schadensbild war viel größer als ursprünglich angenommen”, sagt Thomas Metz von der Bezirksregierung. „Das konnte man aber erst nach und nach feststellen.”

Denn der ganze Fels ist dicht mit Pflanzen bewachsen. Erst als Arbeiter tonnenweise Erde, Efeu und Wurzelwerk entfernt hatten, wurden die vielen Klüfte und Risse sichtbar, die sich im Laufe der Jahrzehnte gebildet hatten und das Felsmassiv durchziehen. Rote, gelbe und blaue Markierungen kennzeichnen die Schadstellen, die nun mit Beton verfüllt werden sollen.

In einem ersten Bauabschnitt im vergangenen Jahr sind bereits zwei wuchtige Felsanker von 16 und 25 Metern Länge durch den Stein getrieben worden, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern. Sieben alte Anker wurden durch neue ersetzt. Die dicken Stahlstangen haben an beiden Enden Gewinde, mit denen sie angezogen und auf Spannung gebracht werden - ähnlich einer Gitarrensaite. Ein Anker könne ungefähr das Gesamtgewicht von zwei großen Lastwagen tragen, erklärt Manfred Fischer vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW.

Derzeit werden rund 170 Felsnägel ausgetauscht oder neu gesetzt. Sie halten das Gestein an kritischen Stellen zusammen. „Das ist, als wenn man ein Brett festnagelt”, sagt Fischer. Zum Einschlagen dieser sechs Meter langen „Brummer” ins Gestein reicht aber kein einfacher Hammer aus. Große Maschinen müssen Löcher vorbohren. Die Arbeiter stehen mit Atemschutzmasken in einer Staubwolke, alles dröhnt, das Gerüst vibriert.

Die Logistik an der Baustelle ist kompliziert. Nur ein kurviger asphaltierter Weg führt den Berg hinauf. Das Material muss mit Aufzügen oder über wackelige Treppen auf das Gerüst mit seinen mehr als ein Dutzend Etagen gebracht werden. Während der Wintermonate ruhten die Arbeiten, bei Frost sind keine Bohrungen möglich.

Wann der Eselsweg wieder freigegeben wird, ist noch unklar - wahrscheinlich erst 2019. Eigentlich sollte die Wanderstrecke schon Ende 2017 wieder begehbar sein. „Es dauert leider alles viel länger als geplant”, sagt Metz. Die ursprünglich kalkulierten Kosten, die vom Land NRW getragen werden, würden sich auf voraussichtlich rund drei Millionen verdreifachen.

Schon 2011 musste der Eselsweg für drei Jahre gesperrt werden, nachdem ein Felsbrocken herabgestürzt war. Auch die Weinberge am Drachenfels waren zwischenzeitlich für längere Zeit gesperrt. Sie werden inzwischen durch ein über 600 Meter langes Stahlnetz vor Steinschlägen geschützt.

Und auch nach Abschluss der aktuellen Sanierungsarbeiten wird die Instandhaltung des Drachenfels ein Dauerproblem bleiben. „Wir können den Zerfall nicht verhindern, wir verlangsamen ihn nur”, sagt Metz.

(dpa)