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Coronavirus: Probleme bei Impftermin-Vergabe in NRW

244.000 Impftermine vereinbart : Ansturm auf Hotline und Webseiten

Die Impf-Organisatoren hatten schon im Vorfeld der Terminvergabe Engpässe erwartet und um Geduld gebeten. Am Montag war es dann soweit. Viele Impfwillige schafften es zunächst nicht, einen Termin zu ergattern. Sorgen machen braucht sich aber keiner, hieß es.

Zum Start der Impftermin-Vergabe in NRW sind die Anmelde-Webseiten und Hotlines geradezu überrannt worden. Zahlreiche impfwillige Menschen ab 80 Jahren oder ihre Angehörigen kamen am Montag telefonisch nicht durch und hatten auch online zunächst keinen Erfolg. Die für die Organisation zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe sprachen von einer Überlastung und baten darum, den Termin zu einem späteren Zeitpunkt zu buchen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach trotz der Anlaufschwierigkeiten von einem gelungenen Start. „Zehntausende haben heute Termine bekommen“, sagte er. Die SPD im Düsseldorfer Landtag nannte die Probleme „Impfchaos“ und beantragte eine Aktuelle Stunde zur Impfstrategie im Landtag. Sie wurde für Mittwoch angesetzt.

In Nordrhein-Westfalens sind am ersten Tag der Impftermin-Vergabe bis 17 Uhr für gut 122.000 Menschen ab 80 Jahren Impftermine vergeben worden. Dies teilte das Gesundheitsministerium am Montag in Düsseldorf mit. Insgesamt seien 244.300 Termine vergeben worden.

Eine Ministeriumssprecherin warb um Verständnis: „Wir haben es mit rund einer Million Impfberechtigten zu tun, die aktuell Termine für eine Schutzimpfung vereinbaren können.“ Bei einem so großen Vorhaben könne es trotz intensiver Vorbereitungen und Abstimmungen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen „auch mal ruckeln“. 

Gut die Hälfte der Termine wurde im rheinischen Teil Nordrhein-Westfalens vereinbart. Nach einer Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein wurden dort 72 Prozent der Termine online gebucht, die übrigen 28 Prozent telefonisch über das Call-Center. „Insgesamt wurde über 36 Millionen Mal heute auf unsere Online-Terminvergabe zugegriffen“, erklärte ein Sprecher. Zur Vermeidung einer Überbelastung der Online-Vergabe sei die Anzahl der gleichzeitigen Zugriffe limitiert worden. Es habe kein einziges Zeitfenster gegeben, in dem kein Termin gebucht worden sei.

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Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) kritisierte die Landesregierung scharf: „Man kann es nicht beschönigen. Die Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen ist leider ein Trauerspiel.“ Erst habe es an Koordination für die Impfzentren gefehlt, dann habe es zu wenig Impfstoff gegeben und der Impfbeginn sei verschoben worden.

„Und heute erlebten wir den nächsten Akt: die Terminvereinbarung scheiterte im ersten Anlauf an der Technik“, erklärte der SPD-Kommunalpolitiker am Montagabend. Die zentrale Rufnummer sei seit 8.00 Uhr dauerbesetzt und die Internetseite für die Terminvereinbarung ständig überlastet gewesen. „Ich halte das für eine ganz schlechte Vorbereitung und schlicht für Missmanagement.“

In Dortmund wollte ein 50-Jähriger am Morgen online einen Termin für seine 82-jährige Schwiegermutter vereinbaren. Mehrmals sei er im Anmeldevorgang vorangekommen. Doch dann sei jeweils eine Fehlermeldung erschienen. „Wie meine Schwiegermutter das hätte machen sollen, erschließt sich mir nicht“, sagte er. Erst am späten Nachmittag hatte er schließlich Erfolg und konnte zwei Termine buchen: den ersten an einem Nachmittag im Februar, den zweiten drei Wochen später morgens um 8 Uhr.

Auf Twitter schrieb eine Frau, dass etwa 100 Anrufe erfolglos geblieben seien. Online sei die Meldung gekommen, dass die Terminvergabe wegen technischer Probleme erst am Nachmittag oder am nächsten Tag wieder erreichbar sei.

Ein anderer Anrufer in Westfalen berichtete von geschätzten mindestens 200 Versuchen, nach denen er endlich persönlich mit einer Mitarbeiterin des Call Centers sprechen konnte. Sie sagte ihm, dass sie wegen technischer Probleme jedoch derzeit nicht auf den Termin-Kalender zugreifen könne und vertröstete ihn auf später.

Extrem hohe Zugriffszahlen auf die Webseiten und ein hohes Anruferaufkommen bei der Hotline 116117 hätten zu erheblichen Verzögerungen bei der Terminbuchung geführt, berichten die Kassenärztlichen Vereinigungen. „Es wird unter Hochdruck an der Beseitigung der Engpässe gearbeitet“, hieß es am Montagmittag.

Coronavirus: Probleme bei Impftermin-Vergabe in NRW
Foto: dpa/Felix Kästle

Die Gruppe der Impfberechtigten, die ab Montag Termine vereinbaren könne, umfasse in NRW fast eine Million Menschen, betonten die Organisatoren. Diese Gruppe sei trotz der großen Call-Center-Kapazitäten mit rund 1200 Mitarbeitern und den eigens zur Buchung geschaffenen Online-Portalen so groß, dass es bei der Terminvergabe zumindest zum Start zu Engpässen komme.

Die Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Grünen, Mona Neubaur, bezeichnete den Terminvergabe-Start als „Voll-Katastrophe“. Jetzt müsse dringend nachgesteuert werden, damit ausreichend Server-Kapazitäten zur Verfügung stünden, forderte sie.

Laut NRW-Ministerpräsident Laschet ist von vornherein klar gewesen: „Wenn eine Million Menschen einen Brief bekommen und dann eine Hotline anrufen, dann kann es zu Stauungen kommen. Dann kann es auch zu technischen Problemen kommen.“ Am Anfang habe es Probleme gegeben, räumte Laschet ein. „Es muss auch nicht jeder heute anrufen, es reicht auch noch morgen oder übermorgen.“ Die Termine lägen dann im Februar – „so weit der Impfstoff dann vorhanden ist“.

Pro Woche sollen in den 53 Impfzentren ab dem 8. Februar etwa 70.000 Menschen Erstimpfungen erhalten. Das NRW-Gesundheitsministerium rechnet in den ersten acht Wochen mit insgesamt 560.000 Erstimpfungen. Drei Wochen nach dem Start begännen dann weitere 560.000 Zweitimpfungen, sagte am Montag ein Ministeriumssprecher der dpa. In allen Fällen werde der Biontech-Impfstoff eingesetzt. „Wann weitere Impfstoffe hinzukommen, kann derzeit noch nicht gesagt werden.“ Bei der am Montag gestarteten Terminvergabe werden nach Angaben des Sprechers Termine zur Erstimpfung für den gesamten am 8. Februar beginnenden Acht-Wochen-Zeitraum vergeben.

Die Leitungen sind täglich von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr besetzt. Wer im rheinischen Teil von NRW lebt, soll die kostenfreie Rufnummer 0800/116117-01 wählen, Menschen in Westfalen die ebenfalls kostenfreie Rufnummer 0800/116117-02. Wer nur die 116117 wählt, wird weitergeleitet. Wer am Montag nicht durchkam, hörte die Ansage: „Leider sind aufgrund zahlreicher Anrufe derzeit alle Leitungen in Ihrem Landkreis belegt. Bitte versuchen sie es später noch einmal“. Im Internet sind die Anmeldeportale unter der Adresse www.116117.de zu finden.

Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz bemängelte, dass die Gruppe der über 80-Jährigen zu umfangreich sei. „Jetzt verschluckt sich das Vergabe-System, weil Jens Spahn die erste Prioritätsgruppe viel zu groß gefasst hat“, sagte Stiftungs-Vorstand Brysch der Deutschen Presse-Agentur dpa mit Blick auf Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU). „Ein kleinteiligeres Vorgehen wäre für die Impfwilligen erfolgreich und weniger frustrierend.“ Diese Fehler dürften sich in der zweiten Prioritätsgruppe nicht wiederholen.

(dpa/red)