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Coronavirus in NRW: Aktuelle Fälle

68 Fälle im Kreis Heinsberg : Über 70 Coronavirus-Fälle in NRW

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten steigt in NRW in hohem Tempo. Mehrere Covid-19-Fälle werden inzwischen aus vielen Teilen des Landes gemeldet. Alle gehen zurück auf den Kreis Heinsberg. Bis auf eine Ausnahme - in Münster.

In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der Sars-CoV-2-Infektionen weiter. Bis Sonntagmittag gab es im besonders betroffenen Kreis Heinsberg 68 bestätigte Fälle, wie ein Sprecher sagte. Auch aus vielen anderen Teilen des Landes berichteten Städte, Kreise oder Krisenstäbe von Covid-19-Betroffenen - so auch aus Köln, Bonn, Mönchengladbach, dem Großraum Aachen, Duisburg, Düren und dem sauerländischen Lüdenscheid. Landesweit waren es deutlich mehr als 70 Fälle.

Immer gibt es einen Bezug zum Kreis Heinsberg - mit einer ersten Ausnahme: Seit Samstag wird ein 51-Jähriger in der Uniklinik Münster behandelt, der von einem Urlaub aus dem Iran zurückgekehrt war. Bei ihm fiel der Test auf das neuartige Coronavirus positiv aus. Nach Angaben der Klinik wird er jetzt mit leichten Symptomen, die einer Erkältung ähneln, isoliert behandelt. Es gehe ihm soweit gut. Seine Frau habe sich freiwillig in häusliche Quarantäne begeben. Die Stadt Münster hat einen Krisenstab eingerichtet und will am Montag bei einer Pressekonferenz über den Fall informieren.

Im Kreis Heinsberg wurden auch vier Kinder einer Kita positiv getestet. Es gehe ihnen gut, sie zeigten „allenfalls leichte Erkältungssymptome“, schilderte eine Sprecherin. In der Kita in Gangelt arbeitet eine 46-jährige Erzieherin, die an Covid-19 erkrankte und seit Tagen im Düsseldorfer Uniklinikum behandelt wird. Ebenso wie ihr Ehemann (47), der eine Karnevalsveranstaltung in Gangelt besucht hatte, die als Ausgangspunkt der Infektionskette in NRW gilt. Der Mann wird in NRW als erster Infizierter eingestuft, sein Gesundheitszustand ist ernst. Die Kinder des Paares sind gesund.

Im Kreis Heinsberg endete am Sonntag für rund zwei Drittel von geschätzt rund 1000 Personen die häusliche Quarantäne. Rund 300 Personen, die die Karnevalssitzung in Gangelt besucht hatten, mussten mitsamt ihren Familien Zuhause bleiben. Erst am Sonntag konnten diese etwa 600 bis 700 Bewohner wieder normal am öffentlichen Leben teilnehmen, sagte ein Kreissprecher. Wer allerdings Symptome zeige, solle weiter daheim bleiben und telefonisch den Hausarzt kontaktieren - gemäß den erteilten Anweisungen. Die 300 bis 400 übrigen Menschen in häuslicher Isolation - überwiegend Kinder aus der betroffenen Kita und ihre Familien - sollten noch bis 9. März daheim bleiben.

Über das gesamte Wochenende wurden fortlaufend neue Ansteckungen gemeldet.

Im Raum Aachen ist die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen auf neun gestiegen. Vier Schulen in der Städteregion Aachen bleiben vorerst geschlossen. Eine junge Frau, die zu diesem Jugendlichen „intensiveren“ Kontakt hatte, wurde mit einer Reisegruppe in einem Bus in Österreich gestoppt. Das Ergebnis eines bayerischen Tests ergab, dass sie nicht mit dem Virus infiziert sei.

In der Millionenstadt Köln wurde das Virus bei einer 28-jährigen Frau und einem 30-jährigen Mann nachgewiesen. Zuvor war Sars-CoV-2 bei einem am Militärflughafen Köln-Wahn stationierten Soldaten festgestellt worden. Er ist im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz in Behandlung.

Auch Düren meldete am Sonntag einen Fall:

Nach der Infektion eines Mitarbeiters einer Offenen Ganztagsbetreuung in Bonn gibt die Stadt eine erste vorsichtige Entwarnung. Am Sonntagabend lagen negative Tests für 185 Kinder vor, die die Grundschule besuchen, wie eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur sagt. 30 Tests auf das neuartige Coronavirus stünden noch aus. Darunter seien sowohl Schüler als auch Lehrer. Krisenteams hatten die Familien am Wochenende aufgesucht, aber noch nicht alle Kontaktpersonen des 23 Jahre alten OGS-Mitarbeiters angetroffen. Er hat nur leichte Symptome und befindet nach Angaben der Uniklinik Bonn in häuslicher Quarantäne. Der Student hatte Karneval im Kreis Heinsberg gefeiert.Die Schule bleibt zwei Wochen geschlossen - wie auch zahlreiche andere im Land, etwa in Lüdenscheid im Märkischen Kreis. Dort fällt in einer Förderschule in der kommenden Woche für die 95 Schüler und 20 Lehrer der Unterricht aus. Ein Pädagoge hatte sich infiziert.

Auch in Mönchengladbach steckte sich eine Lehrkraft an. Eine Grundschule soll daher vorerst geschlossen bleiben. Rund 70 Schüler, alle 30 Lehrer und das übrige Schulpersonal gingen in häusliche Quarantäne. Auch Duisburg berichtete von zwei Infektionen.

Der Kreis Viersen meldete zwei angesteckte Polizeibeamtinnen. Allerdings zählen die Frauen zu den Infizierten, die bereits aus anderen Regionen gemeldet wurden. Eine Beamtin aus dem Kreis Heinsberg soll ihre Kollegin aus Duisburg angesteckt haben.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) schrieb auf Twitter: „In der aktuellen Lage rufe ich die KölnerInnen zur Besonnenheit auf.“ Der Düsseldorfer OB Thomas Geisel (SPD) mahnte in einer Videobotschaft, wichtig sei nun: „Dass wir allesamt bei aller verständlichen Aufregung einen kühlen Kopf bewahren.“

Dennoch waren offenbar viele Menschen in Sorge. In NRW deckten sich einige verstärkt mit Vorräten ein. In mehreren Supermärkten in Köln oder Essen waren am Samstag Regale mit Konserven, Vollkornbrot oder Nudeln deutlich leerer als sonst, manche Familien schoben gleich zwei Einkaufswagen durch die Gänge. Desinfektionsmittel und Schutzmasken waren vielerorts ausverkauft.

Angesichts der Ausbreitung des Virus wurden zahlreiche Veranstaltungen in NRW abgesagt, darunter auch internationale Messen. Unter anderem wird die Kölner Fitnessmesse Fibo auf einen späteren Termin verlegt. In Düsseldorf wird die Fachschau „Pro Wein“ verschoben, ebenso die Messen „Beauty“, „Top Hair“, die Draht-Fachmesse „wire“ und die Rohr-Messe „Tube“.

(dpa)