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Coronavirus im Anmarsch? Uniklinik Essen sieht sich gut vorbereitet

Coronavirus : Uniklinik Essen sieht sich gut vorbereitet

Auch im Ruhrgebiet stellen sich Behörden und Experten auf den Umgang mit dem neuartigen Virus ein. Ein Labor an der Uniklinik Essen ist seit ein paar Tagen in der Lage, die Krankheit nachzuweisen. In NRW gab es bis Donnerstag in drei Fällen Coronavirus-Verdacht.

In Sachen Coronavirus ist der Essener Virologe Professor Ulf Dittmer realistisch: „Ich bin sicher, dass wir hier Fälle sehen werden“, sagt er und verweist auf die hohe Anzahl chinesischer Studierender in Essen. 1500 sind es laut Uni-Verwaltung derzeit an den beiden Standorten in Essen und Duisburg.

Dittmer ist Spezialist für Viruserkrankungen und leitet das Institut für Virologie der Essener Uniklinik. Dort kann im Ernstfall getestet werden, ob ein verdächtiger Patient tatsächlich mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV infiziert ist. „Wir würden den Test einmal am Tag machen. Die Proben müssen bis 13 Uhr hier sein, damit wir ihn durchführen können“, berichtet der 54-Jährige. Noch am gleichen Tag soll dann das Ergebnis vorliegen. Das Institutslabor sei eines von derzeit 15 Laboren an Unikliniken in Deutschland, an denen der in Berlin entwickelte Test vorgenommen werden könne.

Drei Verdachtsfälle in NRW

In Nordrhein-Westfalen wurden bis Donnerstag insgesamt drei Fälle mit Verdacht auf den Virus bekannt. Die Männer, allesamt China-Rückkehrer, werden in Krankenhäusern in Siegen und Lünen beobachtet. Erste Testergebnisse sollen am Freitag vorliegen. In Deutschland gibt es bisher vier Personen, die nachweislich infiziert sind – allesamt in Bayern.

Zwar war zum Beispiel der Stadt Essen bis Donnerstagnachmittag noch kein Verdachtsfall bekannt geworden, doch für den Fall der Fälle sieht sich die Kommune gut vorbereitet. Alle Beteiligten stünden miteinander im Austausch: Feuerwehr, Kliniken, niedergelassene Ärzte, koordiniert vom Gesundheitsamt, sagt Jasmin Trilling vom städtischen Presseamt.

Seit ein paar Tagen beantworten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes auch Fragen besorgter Bürger: „Es rufen zum Beispiel Menschen an, die nicht krank sind, aber Kontakt mit einer Person hatten, die in China war.“ Mehrere Dutzend Anrufe gebe es jeden Tag allein bei der Stadt.

Für die Isolierstation der Uniklinik wurde es in Sachen Coronavirus bislang noch nicht ernst. Doch die Einrichtung wirkt bereit, wie ein Besuch zeigt: In Unterdruckzimmern werden dort Patienten mit ansteckenden Krankheiten wie etwa Tuberkulose behandelt. Die Mitarbeiter sind relativ entspannt. Alles sei gut abgesprochen mit anderen Abteilungen, sagt der Leitende Oberarzt Sebastian Dolff.

Auch Stationsleiterin Canan Emcan ist guter Dinge: „Wenn ein Patient zu uns kommt, wissen wir von vornherein, mit was für einer Infektion er kommt. Dementsprechend halten wir unsere Isolationsmaßnahmen ein.“ Die sind teilweise sehr aufwendig: Bei jedem Besuch der Isolationszimmer müssen die Mitarbeiter unter anderem neue Kittel, Handschuhe und Atemschutzmasken anziehen. Das Schutzmaterial wird anschließend entsorgt.

Engpässe in Wuhan

Im chinesischen Wuhan, wo die Krankheit zum ersten Mal bekannt wurde, gebe es mittlerweile einen dramatischen Engpass an diesen Materialien, sagt Professor Mengji Lu. Der aus China stammende 58-jährige Essener Virologe steht seit vielen Jahren in engem Austausch mit Kollegen in Wuhan. Mehr als 20 chinesische Mediziner dort seien in Essen ausgebildet worden und stünden in Wuhan jetzt an vorderster Front.

Lu berichtet von einem Hilfsprogramm der medizinischen Fakultät in Essen in Höhe von 50.000 Euro, das die Kollegen in Wuhan bei der weiteren Forschung und Versorgung der Patienten helfen soll. Und er erzählt von dem hohen Druck, unter dem die Mitarbeiter etwa an der Klinik „Union Hospital“ stünden. Dort würden pro Tag 600 bis 700 Patienten untersucht. Einige Mitarbeiter hätten sich schon mit dem Virus infiziert.

Müssen Patienten in Essen ins Krankenhaus transportiert werden, kommen voraussichtlich Spezialfahrzeuge zum Einsatz. Die Feuerwehr unterhält zwei sogenannte Infektionsrettungswagen, die im Inneren einen Unterdruck aufbauen, damit keine Krankheitserreger nach außen dringen können. Die Atemluft wird gefiltert, „mit einer Filteranlage, wie sie auch in Laboren Anwendung findet“, berichtet Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Mikrobiologin Marina Lorsch vom Gesundheitsamt der Stadt Essen betont, dass Infizierte nicht in jedem Fall ins Krankenhaus müssten. Bei Menschen mit leichtem Verlauf sei auch eine häusliche Quarantäne möglich. „Das ist abhängig von der Schwere der Krankheit.“

Und für wie gefährlich halten die Essener Experten das neue Virus? „Die Gefährdungslage ist nicht dramatischer als bei den normalen Grippeviren, solange sich das Virus nicht im Menschen verändert“, sagt Virologe Dittmer. Man müsse genau beobachten, wie sich das Virus jetzt im Menschen verändern werde und welche Auswirkungen das auf den Krankheitsverlauf habe. „Dass es sich verändern wird, steht fest.“

(dpa)