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Coronavirus – Bundesregierung sieht eine „neue Situation“

Neue Coronavirus-Fälle : Bundesregierung sieht eine „neue Situation“

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Mit drei neuen Fällen in Deutschland steigt die Gefahr, dass sich das Virus kaum noch eindämmen lässt.

Angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus in Europa und Deutschland spricht die Bundesregierung von einer „neuen Situation“. Das Virus sei deutlich nähergerückt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. In Deutschland waren am Dienstagabend zwei neue Fälle und am Mittwoch ein Fall bekannt geworden. Ein Patient in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht in kritischem Zustand auf die Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf gebracht und isoliert. Auch bei einem Mann aus Baden-Württemberg wurde der Erreger Sars-CoV-2 bestätigt. Zudem wurden weitere Fälle in Asien, Afrika, Südamerika und weiteren europäischen Ländern bekannt.

Deutsche Gesundheitsbehörden haben mit hohen Zugriffszahlen bei ihren Internet-Angeboten zu kämpfen. Vor dem Hintergrund des neuartigen Coronavirus seien die Server überlastet, hieß es am Mittwoch auf Anfrage bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin twitterte: „Der Zugriff auf die RKI-Internetseite ist derzeit eingeschränkt, wegen stark erhöhter Zugriffszahlen.“ Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Dienstag auf Twitter von der eingeschränkten Verfügbarkeit der Startseite der eigenen Webseite berichtet.

Viele Coronafälle in anderen Ländern

Auch in anderen europäischen Ländern wurden Fälle bekannt. Kroatien, Österreich und die Schweiz berichteten am Dienstag von Sars-CoV-2-Fällen. In Italien seien mittlerweile 374 Menschen infiziert, davon seien 12 gestorben, gab der Zivilschutz am Mittwoch in Rom bekannt. In Frankreich starb ein zweiter Mensch an Covid-19.

In Spanien, wo es bereits Fälle auf Inseln gegeben hatte, erreichte das Virus das Festland. Am Mittwoch gab es zwei Fälle in Madrid, einen in Barcelona, einen in Castellón in Ostspanien und vier auf Teneriffa. Dort wurde ein großes Hotel mit rund 1000 Touristen - darunter auch Deutsche - praktisch unter Quarantäne gestellt.

In Griechenland wurde die erste Infektion bei einer 38-jährigen Frau bestätigt. Sie hatte Norditalien besucht und werde in einer Klinik in Thessaloniki isoliert, teilte das Gesundheitsministerium mit.

In Brasilien wurde am Dienstag in São Paulo der erste Fall in Südamerika registriert, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das Portal „G1“ berichtete, der 61-Jährige sei zuvor nach Norditalien gereist. Nach Ägypten meldete mit Algerien das zweite afrikanische Land einen Coronavirus-Fall. Der italienische Patient sei Anfang voriger Woche eingereist, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mit. Zuvor hatte Ägypten als erstes Land in Afrika eine Infektion mit Sars-CoV-2 gemeldet.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Dienstagabend, das Fenster, das Afrika zur Vorbereitung auf Erkrankungen habe, schließe sich. „Alle Länder müssen ihre Vorbereitungsmaßnahmen beschleunigen“, sagte der WHO-Regionaldirektor für Afrika, Matshidiso Moeti.

In Iran stieg die Zahl der Covid-19-Toten von 15 auf 19, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch bekanntgab. Demnach wurde das Virus inzwischen bei insgesamt 135 Menschen aus verschiedenen Teilen des Landes bestätigt. In Südkorea kletterte die Zahl der Infektionen um 284 Fälle auf rund 1260 - darunter ein Soldat der US-Streikräfte. Bisher brachten die Behörden zwölf Todesfälle mit dem Virus in Verbindung. Außerhalb von Festlandchina wurden bislang aus rund 40 Ländern und Regionen rund 3000 Infektionen und rund 50 Todesfälle berichtet, so das chinesische Internetunternehmen Tencent.

Bundesregierung prüft mögliche Maßnahmen

Angesichts der Entwicklung sagte Regierungssprecher Seibert, bisher sei es gelungen, einzelne Infizierte zu isolieren und somit eine Ausbreitung zu verhindern. Die Regierung bereite sich aber auf eine mögliche Zunahme der Fallzahl vor. Eine Expertengruppe mehrerer Bundesministerien wollte demnach am Mittwoch erneut im Kanzleramt zusammenkommen. Mit den Gesundheitsbehörden vor Ort werde geprüft, welche Maßnahmen nötig seien, um das Virus einzudämmen.

So würden etwa Risikogruppen identifiziert, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Das Robert Koch-Institut (RKI) werde alle zwei Tage die Öffentlichkeit per Pressebriefing unterrichten. Auf die Frage, ob die Gesundheitsämter personell besser ausgestattet werden sollten, sagte die Sprecherin, deren Ausstattung sei Sache der Länder und Kommunen. Mit den Ländern stehen man aber in Kontakt.

Vom Robert Koch-Institut (RKI) hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen.

Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in China. Die Zahl der Todesopfer und Infizierten dort ist erneut gestiegen. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Mittwoch mitteilte, kamen weitere 52 Menschen durch das neuartige Coronavirus ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer in China stieg damit auf 2715. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 406 auf über 78 000. Sämtliche neuen Todesfälle und fast alle neuen Infektionen wurden aus der besonders betroffenen Provinz Hubei gemeldet, wo das Virus in der Millionenmetropole Wuhan ursprünglich ausgebrochen war. Auf den Rest des Landes entfielen nur noch fünf neue Infektionen.

(dpa)