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Corona: Viele Handwerksbetriebe „glimpflich davongekommen“

NRW-Wirtschaft : Viele Handwerksbetriebe in Corona-Krise „glimpflich davongekommen“

Die Corona-Krise trifft die NRW-Wirtschaft unterschiedlich hart. Das Handwerk hält sich bisher gut. Aber auch dort ist nicht alles im Lot.

Die meisten Handwerksbetriebe in Nordrhein-Westfalen sind bislang gut durch die Coronavirus-Krise gekommen. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen sei das Handwerk „glimpflich davongekommen“, sagte der Präsident von Handwerk NRW, Andreas Ehlert, am Freitag in einer Online-Pressekonferenz.

Für das gesamte NRW-Handwerk werde für 2020 ein Umsatzminus von 4 Prozent erwartet, die Zahl der Beschäftigten sei voraussichtlich um 3 Prozent gesunken. Die Handwerksbetriebe in NRW beschäftigen rund 1,15 Millionen Menschen. Endgültige Zahlen liegen noch nicht vor.

Es gebe aber eine deutliche Spaltung zwischen den einzelnen Branchen, betonte Ehlert. „80 Prozent der Betriebe geht es ziemlich gut.“ Dagegen habe etwa ein Fünftel massive Probleme. Diese Betriebe hätten ihre Finanzreserven inzwischen weitgehend aufgebraucht. Sie treffe der zweite Lockdown besonders hart.

Gut stehen nach Ehlerts Angaben die Betriebe rund um den Bau da, die von einem hohen Auftragsbestand profitierten. Auf die baunahen Bereiche entfallen rund 40 Prozent des Gesamtumsatzes und der Beschäftigten des NRW-Handwerks. Große Probleme haben dagegen laut Ehlert Kfz-Betriebe, Friseure und andere Firmen, die vom Geschäft im Laden lebten. Sie bräuchten dringend eine Öffnungsperspektive. Deshalb sei „eine gute Impfpolitik die beste Wirtschaftspolitik“.

Für die Branchen, die noch arbeiten könnten, würden aktuell Kita- und Schulschließungen zu einem massiven Problem, beklagte Ehlert. „Gerade kleine Betriebe können schnell lahmgelegt werden, wenn es wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten zu Personalausfällen kommt.“ Deshalb sei bei Betreuung und Schulbetrieb mehr Kreativität nötig.

Die Überbrückungshilfen müssten schneller bewilligt und ausgezahlt werden, forderte Ehlert. Die Antragsverfahren seien zu bürokratisch. So gebe es für Betriebe, die wie die Friseure erst seit Dezember vom Lockdown betroffen seien, „eine echte Förderlücke“. Um den Betrieben dauerhaft zu helfen, seien aber Steuererleichterungen nötig, sagte der Handwerkspräsident.

(dpa)