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Ausbildungsstellen frei: Corona-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in NRW lassen nach

Ausbildungsstellen frei : Corona-Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in NRW lassen nach

Die Arbeitslosenquote in NRW ist auch im Juli gestiegen. Corona hatte daran aber nicht mehr einen so großen Anteil wie in den vergangenen Monaten. Bei der Kurzarbeit lagen die Zahlen nicht so hoch wie zunächst angenommen.

Die Folgen der Corona-Krise für den Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen haben sich im Juli abgeschwächt. „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit, wie wir ihn in den vergangenen Monaten als direkte Auswirkung der Coronavirus-Pandemie erlebt haben, lässt nach“, sagte der Vorsitzende der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, Torsten Withake, am Donnerstag. Zudem gebe es eine wieder steigende Bereitschaft der Wirtschaft, neue offene Stellen zu melden und Personal einzustellen.

Dennoch stieg die Arbeitslosenquote mit 8,1 Prozent auf den höchsten Wert der vergangenen fünf Jahre. Die Regionaldirektion zählte im Juli knapp 794.000 Erwerbslose. Das waren etwa 23.000 mehr als im Juni und fast 148.000 mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg sei sowohl auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie als auch auf für die Jahreszeit übliche Faktoren wie das Ende der Ausbildung für viele Jugendliche zurückzuführen, hieß es. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,3 Prozent.

Nicht ganz so positiv betrachtet der Leiter des Regionalbezirks Aachen-Düren die aktuelle Lage. „Der regionale Arbeitsmarkt war im Ferienmonat Juli besonders stark von den Auswirkungen des Coronavirus betroffenen“, so Ulrich Käser, Leiter der Arbeitsagentur Aachen-Düren. Der Bestand an Arbeitslosen sei deutlich um gut 1900 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich damit um 0,4 Prozentpunkte auf aktuell 7,7 Prozent. Zum Vergleich: Im Juli des Vorjahres gab es einen Anstieg um 147 Personen und eine Arbeitslosenquote von 6,3 Prozent. Insgesamt sind damit Ende Juli nun 45.060 Menschen im Bezirk arbeitslos gemeldet.

Mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit liegt der Agenturbezirk Aachen-Düren im Vergleich zu den anderen Agenturbezirken in NRW gegenüber dem Vorjahresquartal im mittleren Bereich. „Sorge bereitet uns insbesondere auch die stark gestiegene Arbeitslosigkeit im Zuständigkeitsbereich unserer Arbeitsagentur. Die Zahl der von uns zu betreuenden arbeitslosen Menschen ist innerhalb eines Jahres um gut 46 Prozent gestiegen. Aktuell betreuen wir bei der Arbeitsagentur Aachen-Düren knapp 5400 arbeitslose Menschen mehr, als noch vor einem Jahr“, so Käser.

Der regional höchste Anstieg ist im Juli mit knapp 540 Personen (13,2 Prozent) bei den Jugendlichen unter 25 Jahre zu verzeichnen. Dies sei saisonüblich und hauptsächlich auf das Ende von Berufsausbildungen und das Schuljahresende zurück zu führen, berichtet die Agentur für Arbeit. Durch die Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt veränderten sich auch die Arbeitslosenquoten an den zehn Standorten der Arbeitsagentur Aachen-Düren. Die Spanne reichte im Juli von 4,2 Prozent in Monschau bis 9,2 Prozent in Stolberg. Als einziger Standort vermeldet Geilenkirchen keinen Anstieg der Arbeitslosenquote (7,1 Prozent).

Im Juli stieg die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen aber erneut. „Wir verbuchen eine weitere Belebung auf der Stellenseite“, so Käser. „Mit 1650 neu gemeldeten Stellen, entsprechend einem Anstieg von mehr als 18 Prozent, liegen wir zwar noch unter dem Wert des Vorjahresmonats, die Arbeitskräftenachfrage hat sich aber, wenn auch auf niedrigerem Niveau, weiter stabilisiert“.

Die Regionaldirektion veröffentlichte auch einen genaueren Überblick über Kurzarbeit in Nordrhein-Westfalen. Nach einer Hochrechnung haben im April, auf dem Höhepunkt der Corona-Einschränkungen, rund 1,2 Millionen Beschäftigte verkürzt gearbeitet. „Dass die realisierte Kurzarbeit im April letztlich deutlich niedriger ausgefallen ist, als ursprünglich angezeigt worden war, ist ein gutes Zeichen“, sagte Withake. Mögliche Kurzarbeit angezeigt hatten die NRW-Betriebe zuvor für mehr als 2 Millionen Mitarbeiter.

Für die Zeit vom 1. Juli bis zum 26. Juli erfasste die Statistik für die Region Aachen, Düren und Heinsberg vorläufige Zahlen. Demzufolge zeigten insgesamt noch 167 Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt 2771 Personen an. Diese teilen sich mit 105 Unternehmen und 2041 Personen in der Städteregion Aachen, 23 Unternehmen und 274 Personen im Kreis Düren und 38 Unternehmen mit 456 Personen im Kreis Heinsberg auf.

Ob sich auf dem NRW-Arbeitsmarkt schon eine Trendumkehr abzeichnet, ist nach Einschätzung von Experten unsicher. „Ich würde nicht sagen, dass es schon in Richtung eines Wiederaufschwungs geht, sondern dass der Rettungsschirm hält“, sagte Prof. Gerhard Bosch vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Prognosen stünden „auf unsicherem Grund“, viel sei von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig.

Zum traditionellen Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August sind außerdem noch fast 39.000 Lehrstellen frei. Wegen der Corona-Krise habe sich der Endspurt am Ausbildungsmarkt um etwa sechs bis acht Wochen verschoben.

(jas/dpa)