Region: City Polo Maastricht: Ein Event mit Qualität

Region: City Polo Maastricht: Ein Event mit Qualität

In Maastricht wird wieder Arena Polo gespielt. Die Tiere übernachten unter dem Vrijthof. Das elitäre Image des Polospiels lässt sich bei dieser Veranstaltung nicht verleugnen.

Hufklappern ersetzt Reifenquietschen, statt Motorengeräusche vernimmt man lautes Wiehern, und anstelle von Abgasen riecht es nach Pferd: Im Parkhaus unter dem Vrijthof in Maastricht haben an diesem Wochenende rund vierzig Polopferde Einzug gehalten und werden wie am laufenden Band ein- und ausgeführt. Aber beim Passieren der Schranke müssen sie kein Parkticket ziehen.

Arena Polo vor städtischer Kulisse: Das Spiel hat ein elitäres Image. Wer es luxuriös mag, kann Karten für die VIP-Tribüne (links) kaufen. Foto: City Polo Maastricht

Ganz unerfahren sind die Limburger auf dem Gebiet des Pferdesports nicht, schließlich richten sie einmal im Jahr das Internationale Turnier „Jumping Indoor Maastricht“ aus. Doch es sind weder Springreiter Ludger Beerbaum oder Dressurkönigin Isabell Werth am Start noch ist ein Parcours aufgebaut und das Viereck ist definitiv größer als bei der Dressur: Heute und morgen wird beim City Polo Maastricht mit Schläger und Ball auf dem Vrijthof im Herzen der Stadt ein rasantes Spiel gespielt. Polo, das wurde in Aachen noch nie ernsthaft ausgerichtet, schon gar nicht auf dem Marktplatz oder dem Katschhof.

Citypolo. Vanuit het VIP gedeelte kijken naar de wedstijd Foto: City Polo Maastricht

Event mit Qualität

Der Initiator des Spektakels, Ben Vos, der nebenbei auch noch Honorarkonsul von Montenegro ist, bezeichnet sich selbst nicht als Pferdenarr. Sein Ziel war es, ein Event auf die Beine zu stellen, dass eine gewisse Qualität garantiert und vielleicht auch als längerfristige Veranstaltung taugt. Und da hat er Polo einfach für den richtigen Sport befunden, denn der ziehe auch gleich die „richtige Klientel“ an. Das elitäre Image des Polospiels lässt sich nicht verleugnen.

Austragungsorte wie Sylt oder Sankt Moritz sprechen für sich, meist fließt dann auch der Champagner in Strömen. Nicht selten werden die Teams von den großen Luxusmarken gesponsert. „Trotzdem ist die Veranstaltung überhaupt nicht snobistisch“, betont Vos. Denn sogar der Eintritt ist am ganzen Wochenende frei. Lediglich die VIP-Lounge kostet ordentlich Eintrittsgeld (ab rund 200 Euro pro Karte), aber der Erlös komme dem Jugendsportfonds und der Scarabee Health Foundation (einer Hilfs-Stiftung für Brandopfer) zu gute.

Doch wie kommt man eigentlich auf die Idee, Arena Polo in der Innenstadt auszutragen? Als Ben Vos 2012 mit dem niederländischen Experten für Sportevents Paul Meulemans von Pro Sports sprach, um einen Austragungsort zu finden, schaute Meulemans während des Gesprächs aus dem Fenster und fragte: „Warum eigentlich nicht auf dem Vrijthof?“ Nach zehn Minuten Bedenkzeit war Vos sich sicher: „Geile Idee!“. Arena Polo in einer Stadt hat es so noch nicht gegeben: City Polo Maastricht war geboren.

Für den Zeitpunkt hat Vos sich mit seinem Organisationsteam das zweite Wochenende der internationalen Kunstmesse „The European Fine Art Fair“ (Tefaf) ausgesucht, denn dann ist die Stadt sowieso mit Besuchern gefüllt. Als die ersten Fragen geklärt waren, blieb nur noch eine offen: „Und wohin kommen die Pferde?“, sagt Vos und lacht. Dann kam die nächste zündende Idee, denn unter dem Vrijthof gibt es ja ein großes Parkhaus. „Die dachten alle, wir spinnen!“. Bei den „Grooms“, den Betreuern der Pferde, sorgte der Gedanke im Vorfeld wirklich für Aufregung.

Doch bei der Premiere 2013 klappte bei eisigen minus zehn Grad Celsius alles reibungslos. Trotz der frostigen Temperaturen trudelten mehrere tausend Besucher beim ersten Maastricht City Polo ein, für Ben Vos eine angenehme Überraschung. Das Konzept des Arena Polos in der Innenstadt will Ben Vos nicht nur in der Zukunft in weitere Städte tragen, sondern auch in der Region besser vernetzen: „Auf dem Spielfeld steht die Verbindung zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien ja schon!“

Für Arena Polo wird eine 40 mal 70 Meter große Fläche mit Gummimatten ausgelegt und mit 40 Lkw-Ladungen Sand aufgefüllt. Dann kann es losgehen: Gespielt wird mit dem Schläger in der rechten Hand und einem mit Luft gefüllten, leichten Ball aus Hartgummi auf die Tore an den kurzen Seiten. Zwischen den siebenminütigen Spielabschnitten, die „Chukka“ genannt werden, wechseln die Spieler die Pferde, die auf dem Spielfeld mit bis zu 60 Stundenkilometern unterwegs sind. Kein Pferd darf zwei Mal hintereinander eingesetzt werden.

Polo ist übrigens nicht nur der älteste Ballsport, sondern auch der älteste Mannschaftssport der Welt. Schon vor 2500 Jahren wurden in Persien Wettbewerbe ausgetragen. Als Hofsport war das Spiel auch bei indischen, chinesischen und mongolischen Herrschern etabliert. Insgesamt gehen beim City Polo Maastricht sechs Teams mit je zwei Spielern an den Start. In der Regel werden die Spieler von Firmen gebucht, um dann unter deren Flagge eine Mannschaft zu bilden.

Dieses Jahr kommen die Polospieler bei City Polo Maastricht aus Neuseeland, Belgien und den Niederlanden, auch der Weltklasse Spieler Chris Hyde aus Großbritannien, der 2014 schon das renommierte Turnier in Sankt Moritz gewann, spielt mit. Aus Deutschland sind Estelle Wagner und Patrick Maleitzke, der angehende Schwiegersohn von Reitsportlegende Alwin Schockemöhle, mit dabei. Die beiden spielen im Team von „Q-Park“, dem Betreiber des Teilzeit-Pferde-Parkhauses unter dem Vrijthof.

Wenn man mit Maleitzke am Telefon spricht, dann hört man im Hintergrund Hufgeklapper und Pferdewiehern. Er ist eben ein echter Pferdemensch. Der 24-Jährige saß mit vier Jahren das erste Mal auf einem Pferderücken, aber damals noch ohne Schläger. Denn den schwang der Junge zuerst mal auf dem Golfplatz. Mit zwölf Jahren kombinierte er dann beides, mit 16 startete er mit „Vollgas“ in die Profikarriere und machte eine Ausbildung zum Hufschmied.

Polopferde-Nachwuchs

Heute ist er an mehr als dreißig Wochenenden im Jahr auf Poloturnieren in ganz Europa unterwegs und hat 45 Poloponys im Training in seinem Heimatstall in Mühlen. Dort züchtet er zusammen mit seiner Partnerin Vanessa Schockemöhle auch die nächste Generation Polopferde. Für ihn ist es an diesem Wochenende ein Premiere, denn bis jetzt ist er noch nicht in Maastricht gewesen.

„Aber Polo habe ich in den Niederlanden schon gespielt“, betont er. Zehn Pferde hat er mit nach Maastricht gebracht. „Ich bringe auch welche für Estelle Wagner mit“, sagt er. Und die Vierbeiner werden natürlich dann auch ihre Unterkunft im Parkhaus beziehen. Über die Unterkunft war der mehrmalige deutsche Meister im Polo selbst auch überrascht: „Da bin ich wirklich mal gespannt“, sagt Maleitzke im Vorfeld lachend.