Internationales Festival: Chorbiennale Aachen im „Nordklang“

Internationales Festival : Chorbiennale Aachen im „Nordklang“

„Dieses Festival hat eine Thermik, die von unten aufsteigt. Man hält das Segel in den Wind, und schon geht es los“, findet Harald Nickoll, Leiter des Aachener Chors Carmina Mundi und zugleich der Musikschule Aachen, ein poetisches Bild, das zum Motto der sechsten Chorbiennale passt.

Das Festival, das seit zehn Jahren besteht, bietet alle zwei Jahre einen Chor-Marathon. Vom 12. bis 22. Juni herrscht in Aachen der „Nordklang“, bewegen sich regionale und internationale Chöre auf der im Festivalplakat dargestellten Welle, die zugleich ein Nordlicht am Nachthimmel oder eine elektronische Klangkurve sein könnte. Insgesamt gibt es 32 Veranstaltungen – nicht nur in Aachen, sondern auch in der Euregio Maas-Rhein – mit mehr als 90 Chören.

Vielfach Eintritt frei

Rund 28.000 Besucher werden erwartet, zwei Drittel der Konzerte können kostenfrei besucht werden. Fünf renommierte Aachener Chöre und vier hochkarätige nordische Gastchöre bilden den Kern der Biennale, die sich nach Konzerten in wechselnden Konstellationen in einem gemeinsamen großen Klang mit dem Sinfonieorchester Aachen unter der Gesamtleitung von Generalmusikdirektor Christopher Ward verbinden werden. „Ein außergewöhnliches Projekt, ein Highlight“, schwärmt Kulturdezernentin Susanne Schwier bei der Präsentation des Programms vom Chorsinfonischen Konzert „Im Meerestreiben“, bei dem „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams vielstimmig am 17. Juni im Eurogress erklingen wird.

Das Chorfestival beweise, wie enorm das Eigenpotenzial von Stadt und Region sei, betont Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. „Wir haben eine bedeutende Tradition, immerhin war Aachen im 19. Jahrhundert Ort der Rheinischen Musikfeste“, sagt Schmitz-Aufterbeck, der in diesem Zusammenhang zu mehr Selbstbewusstsein aufruft.

Die Chorbiennale sei ein „Leuchtturm, der über Aachen hinausstrahlen“ müsse. Mit rund 140.000 Euro Budget ist das Festival auf Sponsoren und Helfer angewiesen, die zum Beispiel Mitglieder von Gastchören bei sich zu Hause aufnehmen. Seit 2017 gibt es zudem einen Förderverein, der bereits für diese Ausgabe der Chorbiennale tätig wurde und fehlende Gelder einsammeln konnte.

Das Motto „Nordklang“ ist nach Ansicht von Nickoll längst einmal fällig: „Wenn es neue Entwicklungen in der Chormusik gibt, dann kommen sie aus Skandinavien“, berichtet Nickoll. Er und seine Kollegen Fritz ter Wey (Junger Chor Aachen), Martin te Laak (Aachener Kammerchor), Johannes Honecker (Madrigalchor Aachen) und Georg Hage (Bach Vokal – Kammerchor des Aachener Bachvereins) freuen sich auf Anregungen, Mitsing-Konzerte, Klangräume und Open-Air-Veranstaltungen.

Zur „Langen Chornacht“, die am 22. Juni das Festival abschließt und um Mitternacht alle vor dem Rathaus versammelt, haben sich bereits 90 Chöre angemeldet, wie Ansgar Menze, künstlerischer Produktionsleiter der Chorbiennale, berichtet. „Überall wird gesungen!“, umschreibt er den komplexen „Nordklang“, bei dem man sich über die Kooperation mit dem WDR, neue Veranstaltungsorte, die Produktion einer CD, ein Chorforum zum Diskutieren, eine Facebook-Seite und die Stars der nordischen Szene – The Real Group – freut.

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