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Ein knappes Rennen: CDU-Politiker Reul will Wahlkreis-Kandidatur

Ein knappes Rennen : CDU-Politiker Reul will Wahlkreis-Kandidatur

Landesminister oder Lokalchef: Diese Auswahl haben CDU-Mitglieder im Bergischen Land. Es geht um eine Direktkandidatur, die wohl auch in den Landtag führen wird. Ein bekannter Landespolitiker tritt an – doch ausgerechnet der dortige Kreischef stellt sich ihm entgegen.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul stellt sich an diesem Montag – ab 19 Uhr – in seinem CDU-Kreisverband zur Wahl, um als Direktkandidat seines heimischen Wahlkreises in die Landtagswahl 2022 zu ziehen. Der Ausgang der Abstimmung im Rheinisch-Bergischen Kreis ist völlig offen, denn der 69-Jährige hat einen starken Kontrahenten: Der CDU-Kreisverbandsvorsitzende Uwe Pakendorf tritt gegen ihn an. „Das wird ein knappes Rennen“, heißt es aus Parteikreisen.

Pakendorf hatte seine Kandidatur erst nach Reul erklärt: Der 43-Jährige sucht also bewusst die Konfrontation mit seinem Vor-Vorgänger als Kreisverbandschef und sieht seine Kandidatur als Schritt zur Erneuerung und Verjüngung der CDU. Während sich die Frauen Union im Vorfeld für Reul ausgesprochen hat, ist die Junge Union für Pakendorf. Die CDU-Stadtverbände wiederum haben unterschiedliche Empfehlungen abgegeben. Das macht klar: Es wird spannend – und für den Minister eine Zitterpartie.

Die beiden Politiker haben eine parteiinterne Vorgeschichte: 2019 war Reul gegen die Kandidatur Pakendorfs für das Europaparlament – Reul wollte stattdessen eine Frau in das Rennen um die Wählergunst schicken. Pakendorf setzte sich auf einer Parteiversammlung durch, verfehlte den Parlamentseinzug aber bei der Europawahl. Nun peilt er den Landtag an und begründet das unter anderem damit, dass er nach dem schlechten Abschneiden der Christdemokraten bei der Bundestagswahl für einen Neuanfang der Partei kämpfen wolle.

Reul wiederum versteht sich ebenfalls als Modernisierer und verweist auf die Polizeireform, seinen Einsatz für mehr Mitwirkung von Frauen und andere Änderungen, die er in seiner Laufbahn angeschoben habe. „Modernisierung hat mit dem Alter wenig zu tun“, sagt der Politiker der dpa. Es wäre ein Fehler, nach der Bundestagswahl nun „keinen Stein auf dem anderen“ zu lassen in der CDU. „Man muss erneuern, dabei aber auch auf Bewährtes setzen.“

Bis 2004 saß Reul schon einmal knapp zwei Jahrzehnte im Landtag und war zwischenzeitlich CDU-Generalsekretär in NRW, dann wechselte er in das EU-Parlament. 2017 wurde er zum Innenminister Nordrhein-Westfalens ernannt. In diesem Amt will er auch nach der Landtagswahl weitermachen. Zusätzlich hierzu will er aber auch ein Landtagsmandat haben, um in der CDU-Fraktion Einfluss zu haben. Zudem wolle er als direkt gewählter Abgeordneter einen Wahlkreis haben und damit Ansprechpartner für Bürger vor Ort sein, sagt der 69-Jährige. Er betont, dass es normal sei, als Minister auch ein Landtagsmandat zu haben – andere Minister hätten dies auch oder strebten dies an.

Bei der Wahl am Montagabend sind etwa 1000 Menschen stimmberechtigt, und zwar die Parteimitglieder aus Burscheid, Kürten, Leichlingen, Odenthal, Overath und Wermelskirchen. Etwa ein Drittel davon sind Frauen, also automatisch auch in der Frauen Union. Erwartet werden 200 bis 300 CDU-Mitglieder. Erst am Samstag wurde Reul auf einem Landesparteitag mit einer Zustimmung von 91 Prozent zum Vize-Vorsitzenden der NRW-CDU gewählt. Nun droht ihm auf kleinerer Bühne ein Rückschlag. Er könnte zwar auch ohne Landtagsmandat Minister bleiben, sollte die CDU die Wahl im Mai gewinnen. Seine parteiinterne Position könnte aber geschwächt werden.

Auf diese mögliche Folge weist auch die Frauen Union in ihrer Wahlempfehlung für den 69-Jährigen hin - das Sprachrohr der Christdemokratinnen hatte sich zunächst für eine Kandidatin ausgesprochen, die aber zog angesichts der starken Konkurrenz zurück. Nun heißt es von der Frauen Union mit Blick auf Reul: „Nach dem Wahldebakel der CDU (bei der Bundestagswahl) wollen wir nicht auch noch unnötigerweise unsere Landesregierung demontieren oder auch nur riskieren, dass er nicht mehr Innenminister sein könnte, wenn wir es versäumt hätten, ihn für diese notwendige Landtagskandidatur zu nominieren.“

Ob nun Landesminister Reul oder Lokalchef Pakendorf das Rennen macht: Es ist wahrscheinlich, dass der Direktkandidat im Wahlkreis 22 im Rheinischer-Bergischen Kreis im Mai 2022 auch in den Landtag einzieht: Der Wahlkreis ist – bei geändertem Zuschnitt – schon seit Jahrzehnten eine CDU-Hochburg. 2017 holte der damalige CDU-Kandidat Rainer Deppe 47 Prozent und damit fast 20 Prozentpunkte mehr als seine SPD-Konkurrentin.

(dpa)