Aachen: Carolin Kebekus: Die Sucht danach, auf der Bühne zu stehen

Aachen : Carolin Kebekus: Die Sucht danach, auf der Bühne zu stehen

Als Deutschlands lustigste Frau wird Carolin Kebekus (34) häufig bezeichnet. Während eines Praktikums bei der Comedysendung „Freitag Nacht News“ wurde ihr Talent entdeckt. Inzwischen steht die Kölnerin mit ihrem Programm vor meist ausverkauften Hallen, moderiert, schauspielert und ist vielen als Teammitglied der „Heute“-Show bekannt. Samstag ist sie in ihrer neuen Sendung „PussyTerror TV“ (21.45 Uhr) im WDR zu sehen.

Es ist der zweite Anlauf für eine eigene Show bei dem Kölner Sender nach dem Streit um das Video „Dunk dem Herrn“. 2013 hatte Kebekus für eine WDR-Sendung im Nonnen-Kostüm gerappt („Er ist meine Bank, nur für ihn zieh ich blank“) und unter anderem ein Kreuz abgeleckt. Das ging dem Sender zu weit, er strich den Clip aus der Show. Wir sprachen mit Kebekus über den Neuanfang mit dem Sender, ausgelutschte Witzthemen und ihre Heimatstadt Köln.

Frau Kebekus, Sie haben sich ja doch noch mit dem WDR vertragen. Wie kam es dazu?

Carolin Kebekus: Ich habe nach dem Ärger um das „Dunk dem Herrn“-Video etwas Zeit gebraucht, aber jetzt sind die Wogen geglättet. Nachdem ich gesagt habe, dass es auf diese Art schwierig wird, hat der WDR-Intendant schnell den Vorschlag gemacht, doch noch einen Versuch zu starten. Ich bin bereit, neu zu starten. Und bisher kann ich auch alles machen, was ich vorhatte.

Der WDR wirbt für Ihre Sendung schließlich auch mit den Attributen „sexy, respektlos, relevant“ — da kann man Ihnen wohl kaum etwas verbieten.

Kebekus: Boah. Geil. Dafür hat bestimmt irgendeine Werbeagentur megaviel Geld bekommen. Das klingt ja super, ich muss die Sendung sehen (lacht).

Welche Themen beschäftigen Sie denn gerade?

Kebekus: Ich spreche über Dinge, die gerade aktuell sind. Ich spule da kein Programm ab, das ich schon ewig mache. Da kommen nur freshe Sachen. Wir werden etwa sicher über „50 Shades of Grey“ reden. Wie das die Baumarktbranche verändert hat.

Haben Sie denn „50 Shades of Grey“ gesehen?

Kebekus: Ich habe nur Ausschnitte gesehen und Teile des Hörbuchs gehört. Ich hätte Angst, dass ich im Kino jemanden treffe, den ich kenne. Stell dir vor, du triffst da deine alten Nachbarn. Und da würde ich mich den ganzen Kinobesuch über nur fragen, was die machen, wenn die jetzt nach Hause gehen. So wie ich das verstanden habe, geht es doch um eine Studentin, die auf einen älteren Geschäftsmann steht. Dann sehe ich den Trailer, und dann ist das so ein Bübchen, der die verprügelt. Das ist also das, was die Hausfrau von heute antörnt.

Gibt es für Sie Gags, die man nicht mehr macht?

Kebekus: Ja, Ikea-Witze. Es ist zu Ende mit Ikea-Gags. Teelichter bei Ikea kaufen, die Regale sind so schwer aufzubauen, und die haben so lustige Namen, Kinder im Bälleparadies abgeben — das will ich alles nie wieder hören.

Was geht denn immer?

Kebekus: Beziehungssachen, Männer und Frauen, wie unterschiedlich sie sind, Missverständnisse — das ist immer noch in.

Ist es anders, als Frau Comedy zu machen?

Kebekus: Früher war man eine Ausnahme, aber inzwischen kommen viele Frauen nach. Ich habe aber nicht nur den Anspruch, eine lustige Frau zu sein, sondern ich will einfach so lustig sein. Ich glaube, dass ich an sich ein lustiger Mensch bin.

Trotzdem wird in beinahe jedem Text über Sie geschrieben, dass Sie als Frau so derbe Sprüche bringen.

Kebekus: Das schließt sich ja nicht aus. Es ist natürlich ein Stilmittel. Wenn ein hübsches Mädchen auf die Bühne kommt, rechnet man nicht damit, dass es derbe Ausdrücke nutzt. Ich bin aber trotzdem ganz lieb.

Gibt es etwas, das Sie auf der Bühne nicht machen würden?

Kebekus: Also wenn ich es lustig finde, mache ich viel. Mir fällt außer nackig ausziehen spontan nichts ein, was ich nicht machen würde.

Müssen Sie ein dickes Fell haben in dem Beruf?

Kebekus: Klar, wer austeilt, muss auch einstecken können.

Besonders viel einstecken mussten Sie nach einer Helene-Fischer-Parodie. Für Fischer-Fans kam das ja schon Gotteslästerung nahe.

Kebekus: Ehrlich gesagt hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass das so hohe Wellen schlagen würde. Es gibt aber auch Leute, die rasten aus, wenn man Witze über Opel macht. Da gibt es anscheinend ebenfalls eine riesige Fangemeinde. So etwas weiß man aber vorher meistens nicht.

Wann wussten Sie, dass die Bühne das ist, wo Sie hinwollen?

Kebekus: Als ich das erste Mal auf der Bühne stand, habe ich gemerkt: Das könnte etwas werden, das süchtig macht. Ich habe auch Momente, da habe ich keine Lust zu arbeiten und will nur zu Hause bleiben — wie bei jedem anderen auch. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, ist das wieder vergessen.

Trotzdem schreiben Sie bei Twitter von „Bammel“ vor einem Auftritt. Haben Sie Lampenfieber?

Kebekus: Ja, ich habe immer noch Lampenfieber. Das habe ich vor einem Auftritt in Berlin vor 3000 Leuten geschrieben. Das war verdammt groß, da war ich richtig aufgeregt. Natürlich hat man mittlerweile eine Routine, aber es ist dennoch jedes Mal ein neuer Raum, eine neue Stadt, neue Menschen — und jedes Mal weiß man nicht, was passieren wird. Wenn die Leute nicht so richtig mitgehen, dann liegt das an mir (lacht). Weil ich vielleicht nicht so gut war. Das sind blöde Situationen, wenn man merkt: Heute läuft es nicht, ich habe mich schon acht Mal versprochen, habe was vergessen und jetzt kann ich mich darauf nicht mehr beziehen. Dann ist man durcheinander. Auch wenn es keinem außer einem selbst auffällt.

Sie hatten an Karneval eine eigene Sitzung. Was bedeutet Ihnen als Rheinländerin der Karneval?

Kebekus: Karnevalszeit ist für mich Tourpausenzeit. Da mache ich dann meine eigene Sitzung. Ich liebe es, mit Kollegen und Gästen Blödsinn zu machen. Wenn die Karnevalszeit vorbei ist, bin ich aber auch gar nicht so traurig. Es ist eine fantastische, aber auch anstrengende Zeit, und wenn die Hochphase des Karnevals anfängt, schaffe ich es meist nur noch, einen Tag zu feiern und werde krank. Der Klassiker.

Sind Sie ein richtig kölsches Mädchen?

Kebekus: Schon: Ich mache Karneval, bin beim FC im Stadion — viel mehr braucht es nicht, um ein kölsches Mädchen zu sein. Die Kölner haben so einen ganz eigenen Charme. Ihre Selbstverliebtheit ist zwar für viele anstrengend, aber wir versuchen, die Leute nicht auszuschließen, sondern jeden einzugemeinden. Nach einem Mal Saufen in der Kneipe gehört man quasi schon zum erweiterten Verwandtenkreis, und man würde dir Organe spenden — das sagt man zumindest. Wenn man darauf noch ein paar Mal trinkt, ist die Nähe dann auch wirklich da. Ich mag diese Art der Leute hier, diese Melancholie, die man auch an Karneval spürt. Es ist einfach meine Heimat. Es müsste schon viel passieren, dass ich hier weggehe.

Sind Sie denn beim FC eher, weil Sie Fußballfan sind, oder weil es einfach dazugehört?

Kebekus: Beides. Das gehört zum Paket. Es gibt keinen anderen Verein. Rot und Weiß ein Leben lang.

Und einen ehemaligen FC-Spieler mögen Sie besonders gern: Sind Sie ein bisschen in Lukas Podolski verliebt?

Kebekus: Verliebt würde ich es nicht nennen, ich habe keine sexuellen Gedanken zu Lukas Podolski. Aber er ist so lieb und so nett. Man will ihm ein Brot schmieren. Ich mag den einfach, er ist so ein positiver Typ, und er tritt den Ball so fest.