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C aus CDU-Logo in Berlin taucht in Kirche von Keyenberg auf

Aus Berliner Parteizentrale verschwunden : Plötzlich steht das Riesen-C in Keyenbergs Kirche

Greenpeace stiehlt den ersten Buchstaben aus dem CDU-Parteilogo im Konrad-Adenauer-Haus. Am Wochenende taucht das C dann in der Keyenberger Kirche auf. Damit kritisiert Greenpeace die Klimapolitik der CDU – aber auch die Kirchengemeinde, die mit RWE über den Verkauf der Kirche einig ist.

Am Wochenende gingen die Bilder in den sozialen Medien herum: Im Inneren der Keyenberger Heilig-Kreuz-Kirche steht ein riesiges C. So ein C, wie es auch im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin steht, so ein C, wie es Klimaaktivisten von Greenpeace aus der CDU-Parteizentrale gestohlen haben.

Ob es genau dieses C ist? In der Berliner Greenpeace-Zentrale heißt es auf Nachfrage nur: „Sagen wir mal so. Es ist ein sehr, sehr ähnliches C.“ War es also ein Doppelgänger-C? Oder doch das echte CDU-C und Greenpeace will den Aktivisten und den Keyenbergern unnötigen Ärger ersparen?

Klar ist, dass die Kirche in Keyenberg neben dem Kraftwerk in Datteln und dem CDU-Parteitag in Leipzig eine der Hauptstationen des gestohlenen Buchstaben ist. Und damit ein Hauptschauplatz des Scharmützels zwischen Greenpeace und der CDU.

Der knapp zwei Meter hohe rote Buchstabe aus dem Parteilogo hinter der Glasfront des Adenauer-Hauses, sei von Greenpeace „sichergestellt“ beziehungsweise „ausgeliehen“ worden, wie es die Organisation selbst bezeichnet. Das verbleibende „DU“ wurde um ein Plakat mit der Aufschrift „sollst das Klima schützen“ ergänzt. Mit der Aktion solle gegen die „desaströse Klimapolitik“ der Partei protestiert werden.

Dass der Buchstabe auf seiner Reise durch Deutschland – begleitet von einer Twitter-Kampagne – in der Keyenberger Kirche Station machte, ist gut inszeniert. Schließlich soll die Kirche für den Braunkohletagebau Garzweiler abgerissen werden und die Kirche hat sich bereits mit RWE über den Verkauf geeinigt. Was der katholischen Gemeinde harsche Kritik einbrachte.

Keyenberg ist eines von fünf Erkelenzer Dörfern, die noch für den Tagebau weichen sollen. Hunderte Umsiedler haben diese Orte bereits verlassen. Aber es gibt Bewohner, die auf keinen Fall weg wollen. Sie haben sich zum Beispiel in dem Bündnissen „Alle Dörfer bleiben“ und „Menschenrecht vor Bergrecht“ zusammengeschlossen. Von diesen Gruppen gab es naturgemäß viel Applaus für die Greenpeace-Aktion.

Die Bilder von dem christlichen C der Union in der Keyenberger Kirche verbindet Greenpeace, das dem prominenten Buchstaben den eigenen Twitter-Account @IchBinDasC verpasst hat, mit einigen Spitzen gegen die Partei. Im Kern geht es darum, ob die CDU überhaupt noch für christliche Werte stehen kann, wenn in Folge ihrer Politik Kirchen abgerissen werden. So heißt es zu einem der Bilder: „Erstes Klimagebot: Du sollst keine Heimat zerstören.“ Für die Braunkohle opfere die CDU Dörfer, Kirchen und Friedhöfe. „Ihr ist nichts mehr heilig“, heißt es auf dem Twitter-Account von „Das C“.

Damit verbunden ist auch deutliche Kritik an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der, so sind die Beiträge auf Twitter zu deuten, nichts für die Rettung der Kirche und der bedrohten Dörfer tue. An Laschet gerichtet, steht dort: „Bitte verhindern Sie, dass auch das über 1000 Jahre alte Keyenberg vernichtet wird.“

Während die CDU-Spitze diesmal über die sozialen Netzwerke schnell reagierte und den C-Diebstahl mit einem Schmunzeln nahm, wird in Videobotschaften aus Keyenberg klar, wie erst es den Menschen bei ihrem Kampf um die Heimat ist. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte: „So ein C für Christlichkeit und Nachhaltigkeit kann auch Greenpeace nicht schaden, leihen wir also gerne für kurze Zeit einmal aus.“

Die Keyenberger Küsterin Hedwig Drabig sagte mit Bezug auf den geplanten Abriss ihres Ortes dagegen: „Man muss die Schöpfung bewahren. Aber die Oberen hier halten sich da nicht dran. Die sehen die Dollarzeichen. Es ist meiner Meinung nach ein Verbrechen.“