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Bundesländer möchten sich späten Sommerferien sichern

Streit der Bundesländer : Spätere Sommerferien in NRW?

Die südlichen Bundesländer möchten ihr Privileg der späten Sommerferien sichern. „Wir haben unseren eigenen Bio-Ryhthmus“, sagt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Über die Sommerferien ist schon oft gestritten worden in Deutschland, aber um die menschliche Biologie ging‘s dabei noch nie: „Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien – den wollen wir gern behalten“, sagt Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder bei einer Talkrunde. „Wir haben das schon immer so gemacht – das hat sich gut bewährt.“ Damit hat Söder zwar vielleicht den Biorhythmus in Hamburg oder auch Düsseldorf nicht gleich durcheinandergebracht, aber den Blutdruck im Norden und auch Westen definitiv deutlich nach oben getrieben. „Ich bin sauer, aber alle anderen zunehmend auch“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Und Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) schimpft bei n-tv: Deutschland sei kein „Mischstaat“ mit 16 Einzelstaaten. „Wir müssen uns einigen, wir sind in einem Land. Das muss man vielleicht einigen Ministerpräsidenten ab und zu einmal sagen.“

Worum es geht: Hamburg und Berlin wollen die Verteilung der Sommerferien neu regeln. Generell sollen sie nicht mehr im Juni, sondern immer frühestens ab 1. Juli beginnen. Außerdem sollen die unterschiedlichen Termine der Länder enger zusammenrücken, so dass die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen. Das bringe „mehr Kontinuität“ in den Schuljahresablauf, so die Begründung. Außerdem bekämen Länder, die schon im Juni in die Ferien müssten, Zeitprobleme mit Prüfungen.

Das „Rollierende System“: In den 60er Jahren wurde das gestaffelte Feriensystem in Deutschland eingeführt. Die Bundesländer sollten fortan gruppenweise an verschiedenen Terminen in sechswöchige Sommerferien starten, um Staus und Knappheit bei den Ferienunterkünften zu vermeiden. Die Sommerferien in diesem Jahr streckten sich über 83 Tage vom 20. Juni in Berlin und Brandenburg bis zum 10. September in Baden-Württemberg.

Die Sonderrolle der Südländer: Bayern und Baden-Württemberg machen beim „rollierenden System“ nicht mit und gehen traditionell als letzte in die Sommerferien. Als Begründung hieß es früher, dass die Schüler für die Ernte gebraucht würden. Außerdem haben Bayern und Baden-Württemberg als einzige Länder ausgedehnte Pfingstferien, die manchmal erst gegen Ende Juni vorbei sind. Da mache es keinen Sinn direkt im Anschluss wieder in die Sommerferien zu starten, so das Argument.

Wie die Schulministerin von NRW denkt: Jedes Gesetz sollte von Zeit zu Zeit daraufhin überprüft werden, ob es noch sachgerecht, zeitgemäß und zwischen den Ländern eine faire Lösung sei, sagt Yvonne Gebauer (FDP). Sie sieht Gesprächsbedarf und stellt den Bonus der beiden Südländer in Frage. Warum sollen die Ferien nicht mal ganz ans Ende des Sommers in NRW? Den Abstand zum verspäteten Ferienbeginn würde Gebauer gerne mit verlängerten Pfingstferien verringern. Das Experiment 2018 jedenfalls habe viel Zustimmung im Land erhalten.

Was die Eltern sagen: Der Elternverein NRW mahnt einstweilen zur Gelassenheit. Es sei der vornehmliche Zweck der Sommer- und anderer Ferien, Schülern eine Phase der Erholung zu ermöglichen. Zweck der Ferien sei nicht, Anfang September einen möglichst günstigen Urlaub buchen zu können, sagte Vorstandsmitglied Regine Schwarzhoff. Gegner der aktuellen Regelung führen immer wieder an, dass Familien der Bundesländer, die als letzte Sommerferien haben, im September oft schon von geringeren Preisen der Nebensaison profitieren würden.

Wie die Aussichten sind: Die Sommerferientermine bis zum Schuljahr 2023/24 stehen fest. Sie werden immer für mehrere Jahre von den Ländern in der Kultusministerkonferenz festgelegt. Ob es danach Änderungen gibt, darüber wollen die Länder erst im Herbst 2020 beraten. Beim Thema engerer Ferienkorridor winken die Küstenländer Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern allerdings schon lange ab, weil sie Einbrüche beim Tourismus befürchten, wenn die Saison verkürzt würde. Die Reisebranche fordert sogar eine Ausdehnung des Ferienkorridors und argumentiert, dass Preise für Unterkünfte und Flüge sinken könnten, wenn es weniger Ballung in einem engen Zeitraum gäbe.

Wie die Deutschen denken: Eine Mehrheit von 53 Prozent ist gegen Einheitssommerferien. Das ergab eine YouGov-Umfrage im Juli. Nur knapp jeder dritte Bundesbürger wäre dafür.

Wie es die Nachbarn handhaben: In Frankreich haben alle Schüler Sommerferien von Anfang Juli bis Anfang September. In Italien gibt es sogar drei Monate von Mitte Juni bis Mitte September gemeinsame Sommerferien: In Polen startet die Schule immer am 1. September. Die Sommerferien sind zwei Monate lang und für alle gleich.

(dpa/gego/pa)