Bundesbeauftragter für verstärkte Prävention gegen Kindesmissbrauch

Nach Kindesmissbrauch auf Campingplatz : Bundesbeauftragter für verstärkte Prävention

Angesichts des über zehn Jahre dauernden sexuellen Missbrauchs zahlreicher Kinder auf einem Campingplatz spricht sich der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung für eine stärkere Sensibilisierung im Alltag aus.

„Solche Fälle sollten zum Anlass genommen werden, um über Präventionsarbeit zu sprechen“, sagte Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, dem „Westfalen-Blatt“ (Donnerstag).

Das gelte vor allem für den schulischen Bereich. „Wenn ein Kind sexuelle Gewalt erleidet, muss es wissen, dass das Unrecht ist und an wen es sich wenden kann.“ Lehrer müssten für das Thema und die Signale der Kinder sensibilisiert werden. Ein entsprechendes Programm, die bundesweite Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“, laufe in Nordrhein-Westfalen schon.

Rörig sprach von einem „monströsen Fall“. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand spreche alles für ein „klassisches Täterverhalten“. Der Tatverdächtige habe nicht nur die Kinder, sondern auch das soziale Umfeld manipuliert, sagte er der Zeitung. Es sei typisch, dass alle denken: „Dieser Mensch war so nett und immer hilfsbereit.“ Das sei einer der Gründe, warum es häufig so lange dauere, bis Missbrauch entdeckt würde.

Zudem erzeuge der Täter häufig zunächst ein Wohlfühlklima, bevor es zum Übergriff komme. Die Kinder fühlten sich oft mitschuldig, weil sie zum Beispiel Geschenke angenommen hätten, schilderte Rörig. Vielfach würden sie durch den Täter auch noch eingeschüchtert und bedroht.

(dpa)