Geiselnahme von Köln: Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Geiselnahme von Köln : Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Der Geiselnehmer vom Kölner Hauptbahnhof könnte den Brandanschlag nach Ansicht der Bundesanwaltschaft aus terroristischen Motiven verübt haben.

„Nach dem bisherigen Erkenntnisstand liegen zureichende Anhaltspunkte für einen radikal-islamistischen Hintergrund der Tat vor“, teilte der Generalbundesanwalt am Mittwoch in Karlsruhe mit. Er beruft sich dabei auf Zeugenaussagen und auf Forderungen des Mannes bei den Verhandlungen mit der Polizei. Der 55-jährige Mohammad A.R. habe dabei unter anderem verlangt, nach Syrien zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ausreisen zu können.

Er hatte am Montag einen Brandanschlag auf ein Schnellrestaurant im Kölner Hauptbahnhof verübt und eine Frau als Geisel genommen. Die oberste deutsche Anklagebehörde will nun vor allem klären, ob Mohammad A.R. die Tat als IS-Mitglied begangen hat oder Kontakt zur Terrororganisation hatte. „Auch wird der Frage nachgegangen, ob bislang unbekannte Tatbeteiligte oder Hintermänner in die Tat eingebunden waren“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Die Kölner Polizei ist überzeugt, dass der Syrer mit dem Brandanschlag möglichst viele Menschen treffen wollte. Bei seinem Anschlag auf das Fast-Food-Restaurant hatte der Mann große Mengen Benzin über den Boden gekippt. Eine Überwachungskamera hielt dies fest. Kurz darauf zeigt das Video eine dramatische Explosion: Man sieht nur noch einen einzigen grellen Feuerschein. Eine 14-Jährige erlitt schwere Verbrennungen. Nach der Tat ließ der Mann einen Koffer und eine Aktentasche mit Gaskartuschen und Brandbeschleuniger in dem Schnellrestaurant zurück, flüchtete in eine Apotheke und nahm dort eine Angestellte als Geisel.

Insgesamt zwei Stunden lang verschanzte sich Mohammad A.R. mit der Geisel in der, bevor die Polizei zugriff und den Mann durch Schüsse schwer verletzte.

Ein „Zufallsopfer“ sei diese gewesen, davon ist Becker überzeugt. „Der eigentliche Tatplan war offensichtlich eine Brandlegung im McDonald's.“ Als der Täter die Frau mit Benzin übergoss, griff die Polizei ein.

Einen Tag nach der Geiselnahme sucht die Polizei Hinweise zu einem roten Rollen-Koffer und einer braunen Umhängetasche. Der Täter soll die beiden Gegenstände mit sich geführt haben. Foto: dpa/-

Bei der Durchsuchung seiner Kölner Wohnung entdeckte die Polizei weiteres Benzin. An der Wand fanden sich arabische Schriftzeichen, die sich zwar auf den Islam, nicht aber auf das Terrornetz „Islamischer Staat“ beziehen.

Sicher ist nach Angaben der Kölner Polizei, dass es sich bei dem Täter um einen 55 Jahre alten Flüchtling aus Syrien handelt. Er war „psychisch nicht in der Lage zu arbeiten“, sagte der Kölner Kripochef Klaus-Stephan Becker.

Der schwer verletzte Mann war am Dienstag nach einer mehrstündigen Operation außer Lebensgefahr. „Er liegt aber weiter im Koma“, sagte Miriam Brauns, die stellvertretende Polizeipräsidentin von Köln. Der Mann habe noch nicht vernommen werden können. Gegen ihn erging ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und Geiselnahme.

Der laut Polizei psychisch angeschlagene Syrer ist als Asylberechtigter anerkannt und besitzt eine Aufenthaltserlaubnis bis Juni 2021. In Deutschland lebte er nach Polizeiangaben seit 2015, fast ausschließlich in Köln. Seine Frau lebe noch in Syrien, sein Sohn und sein Bruder seien in Deutschland, teilte die Polizei weiter mit.

Nach der Geiselnahme hat die Polizei die Wohnung des Syrers in einer Flüchtlingsunterkunft durchsucht. Foto: dpa/Oliver Berg
(dpa)