Bundesanwaltschaft beantragt Haft für mutmaßlichen deutschen Taliban

Acht Jahre hinter Gittern gefordert: Bundesanwaltschaft beantragt Haft für mutmaßlichen deutschen Taliban

Er soll jahrelang in den Reihen der Taliban gekämpft haben: Einem 37-Jährigen Deutschen droht dafür nun jahrelange Haft. Er hatte gestanden, sich aber auf psychische Probleme berufen.

Die Bundesanwaltschaft hat für einen mutmaßlichen deutschen Taliban-Kämpfer in Düsseldorf acht Jahre Haft beantragt. Nach ihrer Ansicht hat sich die Anklage bestätigt. Der 37-Jährige habe sich durch das Abfeuern einer Mörsergranate des versuchten Mordes und des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz schuldig gemacht. Außerdem sei er ein islamistischer Terrorist, so die Vertreter der Bundesanwaltschaft am Donnerstag.

Die Verteidiger forderten ein milderes Urteil von deutlich unter acht Jahren Haft. Dies sei wichtig für eine rasche Resozialisierung. In dem Prozess vor dem Oberlandesgericht soll am kommenden Montag das Urteil gesprochen werden.

Der in Polen geborene und im Raum Worms in Rheinland-Pfalz aufgewachsene Deutsche war im Februar von Spezialkräften im Süden Afghanistans gefangen genommen worden. Den Ermittlungen zufolge war er im August 2012 nach Pakistan gereist und hatte fünf Jahre lang in den Reihen der Taliban gekämpft.

Der Angeklagte hatte ein Geständnis abgelegt und ausgesagt, an massiven psychischen Problemen zu leiden. Er sei deswegen bei der Bundeswehr ausgemustert worden und in einer Psychiatrie gewesen. Mit 25 Jahren sei er als Frührentner eingestuft und mit 300 Euro Rente bedacht worden.

Ein Psychiater hatte dem 37-Jährigen zwar eine Persönlichkeitsstörung „mit schizoiden Zügen“ attestiert, ihn aber dennoch als voll schuldfähig eingestuft. „Die Taliban sind kein Sanatorium für psychisch labile Faulpelze“, sagte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft. Für den Angeklagten spreche, dass er schnell ein volles Geständnis abgelegt habe und nicht vorbestraft sei.

(dpa)
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