Köln/Düsseldorf: „Bützen” im Karneval erlaubt: Knutschen nicht

Köln/Düsseldorf: „Bützen” im Karneval erlaubt: Knutschen nicht

„Bützchen” rechts und „Bützchen” links, Schunkeln und Umarmungen: Zehntausende Jecken werden am 11.11. in den Karnevalshochburgen den Beginn der närrischen Jahreszeit feiern. Doch in dem Gedränge hat auch das Schweinegrippe-Virus ein leichtes Spiel.

„Niemand muss den Karneval ausfallen lassen.Aber wer feiern geht, muss wissen, dass er der Schweinegrippe sehr nahe kommen kann - besonders wenn er sich entsprechend benimmt”, warnt etwa Klaus-Peter Brenner vom Kölner Gesundheitsamt. „Wenn ich zum Beispiel alle Menschen dort abknutsche, öffne ich dem Virus Tür und Tor.”

Generell sei die Ansteckungsgefahr erhöht, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind - sei es nun beim Karneval oder im Fußballstadion, sagt der Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Köln, Prof. Herbert Pfister. Deshalb wäre man „eigentlich gut beraten, wenn man in diesen Zeiten solche Massenveranstaltungen meidet”. Zumindest Risikogruppen wie chronisch kranke Menschen oder Schwangere sollten sich nicht in den dichten Trubel stürzen, rät er.

Die Karnevalisten wollen sich von der Schweinegrippe nicht den Spaß verderben lassen und warnen vor Panikmache. „Das Thema ist ernst, keine Frage. Aber wir dürfen doch trotzdem lustig sein”, sagt Peter Schmitz-Hellwing, der Präsident der Willi-Ostermann- Gesellschaft, die am 11.11. für das Festprogramm in der Kölner Altstadt verantwortlich ist.

Ähnlich sehen das die Düsseldorfer Jecken: Die Angst vor schlechtem Wetter sei größer als die vor der Schweinegrippe, heißt es dort. „Wenn der Karneval abgesagt würde, müsste auch alles andere abgesagt werden, wo viele Menschen zusammen kommen”, sagt der Präsident des Comitee Düsseldorfer Carneval, Engelbert Oxenfort.

So weit wollen auch die Experten noch nicht gehen. „Bislang sind wir der Ansicht, dass es nicht sinnvoll ist, Großveranstaltungen wie Karneval abzusagen”, sagt die nordrhein-westfälische Infektionsbeauftragte Kirsten Bradt. Allerdings würden die Risiken aufgrund des Verlaufs der Schweinegrippe ständig neu abgewogen.

„Die Schweinegrippe wird unserer rheinischen Fröhlichkeit keinen Abbruch tun”, betont der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Prof. Heiko Schneitler. Die Devise laute: „Impfen schützt, Impfen nützt.” Allerdings: Für den 11.11. kommt die Schweinegrippe-Impfung zu spät, denn der Impfschutz beginnt erst nach etwa zwei Wochen.

Bei den Karnevalsfeiern sollten die Narren besonders genau auf die Einhaltung von Hygienetipps achten: Möglichst oft die Hände waschen, nur ins Taschentuch niesen, nicht aus fremden Gläsern trinken. „In überfüllten Kneipen werden vor lauter Hektik die Gläser manchmal gar nicht richtig gespült”, sagt Klaus-Peter Brenner vom Kölner Gesundheitsamt. „Wer das mitbekommt, sollte dort am besten nichts trinken.”

Die traditionellen „Bützchen” - also Küsschen - auf die Wange halten die Experten für unbedenklich. Bei Küssen auf den Mund oder beim Zungenkuss dagegen sieht es anders aus, denn das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion. „Ein richtiger Karnevalist bützt auch keinen Fremden auf den Mund”, ist der Düsseldorfer Karnevals-Chef Oxenfort überzeugt. Und sein Kölner Kollege Schmitz- Hellwing meint: „Die Leute sollen ruhig bützen, aber richtig - und vor allem sollen sie Spaß haben. Spaß hält gesund!”