Köln: Bürger kritisieren „Desinformation” bei Archiv-Einsturz

Köln: Bürger kritisieren „Desinformation” bei Archiv-Einsturz

Die Bürgerinitiative „Köln kann auch anders - Schluss mit lustig!” hat der Stadt eine irreführende Informationspolitik zum eingestürzten Stadtarchiv vorgeworfen. „Wenn man sagt: ,85 Prozent (der Bestände) sind noch da, dann nimmt das den politischen Druck raus”, kritisierte der Buchautor Frank Möller für die Bürgerinitiative.

Die Leiterin des Archivs, Bettina Schmidt- Czaia, hatte in einem dpa-Gespräch gesagt, es sei „sensationell, dass alles noch irgendwie da ist”. Der Zustand des Materials sei zwar sehr unterschiedlich, aber nur weniger als ein Viertel sei zerschnipselt.

Damit werde das Ausmaß der Zerstörung bagatellisiert, sagte Möller. Das gleiche geschehe, wenn sich die Medien immer wieder auf Erfolgsmeldungen wie „Nobelpreisurkunde von Böll unversehrt gefunden” konzentrierten. „Ein Archiv funktioniert nicht über Highlights”, sagte Möller.

„Die Nobelpreisurkunde Bölls kann man sich auch im Internet ansehen.” Es seien gerade die noch gar nicht beachteten, oftmals scheinbar belanglosen Dokumente gewesen, die in der Zusammenschau noch zahllose Vorgänge hätten beleuchten können. „Es wäre dringend nötig, da mal eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen.”

Die Bürgerinitiative, die zurzeit 271 Mitglieder vor allem aus der Kulturszene hat, fordert von der Stadt, auf die Formulierung „gerettete Bestände” zu verzichten. Ob die Bestände je wieder hergestellt werden könnten, sei völlig ungewiss. Der Verlust sei unschätzbar. „In Köln neigt man ja auf wirklich unglaubliche Art zur Mythenbildung”, sagte Möller. „Das einzig verlässliche Korrektiv dafür war das Stadtarchiv, und das ist jetzt weg. Das kommt der politischen Kultur ganz und gar nicht zugute.”

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