Düren/Aachen: Brutaler Kampf wegen „verletzter Ehre“: Drei Jahre Haft

Düren/Aachen: Brutaler Kampf wegen „verletzter Ehre“: Drei Jahre Haft

Mit der Verurteilung von Hayati A. (44 Jahre) zu drei Jahren Haft ist vor dem Aachener Schwurgericht am Dienstagnachmittag eine dramatische Geschichte um eine vermeintlich unehrenhafte Liebesbeziehung zwischen einer jungen Türkin und einem türkischstämmigen Mann beendet worden.

Der Angeklagte hatte sich als Schwager und gleichzeitiger Ziehvater der damals im Jahr 2010 (noch) verheirateten Frau gegen die anfangs geheime Beziehung gestellt. Sie habe damit die Ehre der Familie verletzt.

Nicht zuletzt, weil er am Ende — das war zu Weihnachten des Jahres 2010 — selbst von Schüssen der betroffenen Brüder Taner und Sener S. niedergestreckt worden war, fiel das Urteil am Dienstag eher milde aus. Denn der damals 40-jährige Gartenbauer - auch Vorstandsmitglied eines türkischen Fußballclubs - hatte nach Auffassung des Gerichts in völlig überzogener und gewalttätiger Art und Weise seine Schwägerin wegen der Beziehung zur Rechenschaft gezogen. Am 16. August 2010 schlug er ihr an einsamer Stelle während der Rückfahrt von einem Sommerfest im Auto brutal an den Kopf schlug.

Dabei entriss er ihr das Handy, um herausfinden, wer nun ihr Liebhaber sei. Sie war noch verheiratet, lebte aber wieder in Düren bei ihrer älteren Schwester.

Der erzürnte A., der sich auch für die Schwägerin in der Vaterrolle fühlte, rief einfach die aktuell angezeigte Nummer zurück. Er habe sogleich den Teilnehmer auf der anderen Seite beschimpft, stellte das Gericht in der Urteilsbegründung fest. Die Schläge gegen die junge Frau brachten dem Angeklagten sechs Monate Haft wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Nötigung ein.

Doch aus der Begebenheit erwuchs Schlimmeres. Der ältere der beiden Brüder, der die Beziehung zu dem Mädchen unterhielt, wollte den Übergriff und die Beschimpfungen nicht auf sich sitzenlassen - er forderte eine Entschuldigung ein. So kam es am 4. September 2010, kurz bevor Hayati A. mit zweien seiner drei Söhne zum Fastenbrechen in die Stadt wollte, zu einer Art Straßenkampf vor seinem Haus.

Denn hier fuhren der jüngere Taner und der von der Familie abgelehnte Sener S. vor. Es kam zum gewalttätigen Zusammenstoß. Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Arno Bormann war nun nach der viertägigen Beweisaufnahme überzeugt, dass die Gewalttätigkeiten letztlich von dem unnachgiebigen Hayati A. ausgingen. A. bekam sogar Hilfe von vier seiner Vorstandskollegen im Fußballclub, die nicht zimperlich zu Werke gingen und A. halfen. Zuvor hatte sich noch der mittlere Sohn zugunsten des Vaters eingemischt.

Hayati A. habe erst in der Endphase des Kampfes ein Messer zugesteckt bekommen, das er Taner S. zunächst in den Bauch und dann in den Rücken stieß. Dabei brach die Waffe ab. Schwerverletzt klemmte sich S. hinters Lenkrad, sein ebenfalls verletzter Bruder kauerte auf dem Beifahrersitz. Sie flüchteten und schafften es gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus.

Das Gericht wertete den Messerangriff als versuchten Totschlag und kam zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Weil das Verfahren sich so lange hingezogen hatte, wurden A. acht Monate Strafe erlassen.

Bei der Beweisaufnahme trafen die Fragen der Richter oftmals auf eine Mauer des Schweigens. Einige Zeugen werden mit Verfahren wegen möglicher Falschaussagen rechnen müssen.

Mehr von Aachener Zeitung