Aachen: Brustkrebs: Ängste abbauen, informieren und neue Wege aufzeigen

Aachen : Brustkrebs: Ängste abbauen, informieren und neue Wege aufzeigen

Die Diagnose ist ein Schock: Brustkrebs. „In so einem Moment darf man Betroffene nicht allein lassen, muss ihnen Hoffnung geben und Wege aufzeigen“, betont Dr. Mahmoud Danaei, Leiter des Brustcentrums Aachen/Kreis Heinsberg am Marienhospital Aachen.

Zum Thema „Sicherheit & Lebensqualität“ findet dort am Samstag, 9. Juni, das elfte Patientenforum statt, finanziert vom Förderverein der Katholischen Stiftung Marienhospital in Zusammenarbeit mit dem Senologischen Beirat. Der Eintritt ist frei. „Wir haben festgestellt, dass der Informationsbedarf unvermindert hoch ist“, sagt Rolf-Leonhard Haugrund, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. „Es geht auch um tiefsitzende Ängste.“

Noch immer ist der Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jede neunte Frau, so schätzt man, wird in Deutschland im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken „Wir verzeichnen sogar steigende Zahlen“, sagt Danaei. „Allerdings ist die Früherkennung auch viel besser geworden.“

Zur Diskussion, ob eine Mammografie (Röntgen) zur Untersuchung der Brust sinnvoll ist oder die Magnetresonanztomographie (MRT) eindeutigere Ergebnisse verspricht, meint Danaei: „Bei jungen Frauen ist häufig ein MRT besser, es kommt auf die Struktur des Brustgewebes an.“ Verschoben hat sich das Alter der Patientinnen. Tritt diese Krebsform generell meist im Alter ab 50 Jahre auf, sieht das Brustcentrum immer häufiger junge Patientinnen im Alter zwischen 22 und 28 Jahren.

Noch immer, so die Erfahrung des Arztes, gehört der Brustkrebs zu den Tabu-Themen. „Die Angst vor dem Verlust der Weiblichkeit ist groß“, weiß Danaei. Gegen das Schweigen setzt das Patienten­forum daher Gespräche und Vorträge. Man kann mehr über neue Verfahren wie die Immun- und Gentherapie sowie über die Möglichkeiten einer molekularbiologischen Therapie erfahren. „Die Behandlung ist zielgerichtet, aber stets sehr individuell“, betont Danaei. „Hier wird längst nach den Prinzipien der personalisierten Medizin gehandelt.“

Im Rahmen des Forums geht es um aktuelle Fragen: Bieten zum Wie ist es mit dem Einsatz von Methadon und Cannabis? „Da verfügen wir bereits über Medikamente, ich habe gute Erfahrungen damit“, berichtet Danaei. Oder gibt es komplementäre Behandlungsmethoden, die eine Krebsbehandlung unterstützen?

Hierzu wird Professor Josef Beuth, Direktor am Institut für Naturheilverfahren an der Universitätsklinik Köln, berichten. Auch Fragen der Ästhetik kommen zur Sprache. Wann kann der Chirurg brusterhaltend operieren? Wie funktioniert der Aufbau einer Brust? Ist bei einem radikalen Vorgehen die Heilungsrate besonders hoch?

Vorgestellt wird zudem ein neues Entspannungsverfahren, das Brustkrebspatientinnen helfen soll: „Autonomous Sensory Meridian Response“, kurz ASMR, ist eine Art Kopfkribbeln, das sich im Körper fortsetzt und eine beruhigende Wirkung hat.

Der Trend aus dem anglo-amerikanischem Raum hat sich seit 2015 in Deutschland verbreitet. Es gibt zahlreiche Videos dazu im Internet, die unter anderem dabei helfen sollen, Schlafstörungen zu beseitigen. Entscheidend sind bei ASMR sanfter Geräusche, ruhige Stimmen und leichte Berührungen, wie man sie zum Beispiel beim Friseurbesuch mit angenehmer Kopfmassage erfährt. „Uns kommt es darauf an, über die neuesten Entwicklungen in möglichst vielen Bereichen zu sprechen“, betont Danaei. „Das Wohlbefinden gehört natürlich dazu.“

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