Brunssum: Brunssum: Freizeitpark im Baggerloch

Brunssum: Brunssum: Freizeitpark im Baggerloch

Der „Grand Canyon” liegt zwischen dem öffentlichen Golfplatz von Brunssum, dem Gewerbegebiet „Ora et labora” und leerstehenden Lagerhallen der Nato. Eine Kiesgrube mit einer zugefrorenen Pfütze in der Mitte, mehr ist es noch nicht, aber bald schon soll dieses Baggerloch in den Rang eines Naturwunders gehoben werden. Zumindest dessen Imitation.

Jedenfalls wenn es nach den Plänen der Gemeinde und des Betreibers des Freizeitparks Zauberland (Toverland) bei Venlo geht. 2014 sollen die ersten Besucher kommen.

„Jetzt ist da noch nichts zu sehen”, sagt Grubenbetreiber Pierre Swelsen und geht zum Beweis über das Gelände bis an den Rand des Lochs. Und ob 2014 tatsächlich schon die Teileröffnung auf 40 Hektar gefeiert werden kann, daran hat er auch verhaltene Zweifel. Denn erst 2014 sei die Grube erschöpft, und bis 2025 hat Hendrik Bedrijven laut Swelsen noch Abbaurechte auf dem Gelände - was die Gemeinde allerdings dementiert. „Die Genehmigung läuft 2012 aus, und wir führen gerade Gespräche über eine mögliche Verlängerung”, heißt es.

60 Meter zu 1800 Metern

Swelsen rechnet vor, welche Dimensionen der „Grand Canyon” haben könnte: 30 Meter tief sei die Grube, sagt er, und zeigt dann auf einen Hügel hundert Meter weiter, der einmal zu einer der zahlreichen Minen der Region gehört hat. Zusammengerechnet käme man dann auf einen Höhenunterschied von 60 Metern. Das Original in Arizona ist nebenbei bemerkt bis zu 1800 Meter tief.

Man braucht schon etwas Phantasie, um in der Rohfassung des Miniatur-Grand-Canyons das Potenzial für ein atemberaubendes Spektakel zu erkennen. Nicht nur optisch soll der Grand Canyon imitiert werden, in Brunssum soll es sogar so heiß werden und so riechen wie in Arizona. Im Moment weht ein eiskalter Wind, es riecht nach Schnee und Sand.

450.000 Euro haben Gemeinde und Parkstad für Gelissens Konzept bezahlt - sollte es nicht umgesetzt werden, bekommt die Gemeinde ihren Anteil zurück. Sie und der Betreiber rechnen mit fünf Millionen Besuchern jährlich. Das würde die Marken von Phantasialand (zwei Millionen Besucher), Efteling (4,8 Millionen) und Zauberland (500.000) um Längen schlagen. 40 Hektar soll das Gelände im Jahr 2014, 100 Hektar 2017 umfassen.

Dann würde es der Größe nach mit Disneyland Paris oder den Universal Studios in Florida konkurrieren können. Und das wäre erst der Anfang. Zauberland-Chef Gelissen, der auch ein Bauunternehmen führt und mit Immobilien handelt, schweben insgesamt sieben Naturwunder vor, die in Limburg als Themenparks realisiert werden könnten: neben dem Grand Canyon das Great Barrier Reef, der Mount Everest, die Victoria-Fälle, der Hafen von Rio de Janeiro, das Nordlicht und der Vulkan Paricutin (Mexiko).

„Die Region könnte zu einem Mekka für Freizeitpark-Fans werden”, sagt Eric Geurts, Brunssumer Beigeordneter und Initiator. Jetzt schon ist im Gespräch, Snowworld, Gaia-Park und das Discovery Center Continium in Landgraaf bald durch das Schwimmparadies Waterworld zu ergänzen. Ob die Attraktionen dann nicht Gefahr laufen, sich gegenseitig den Rang abzulaufen, ist die Frage. Aber noch steht nichts fest. Weder bei Waterworld, noch beim „Grand Canyon”.

Am Dienstag muss der Gemeinderat den Plänen des Bürgermeisters und der Beigeordneten noch zustimmen. Geurts sagt, dass sich der Rat sicher für das Projekt entscheiden werde. Auch bei den hohen Investitionskosten - 800 Millionen Euro - demonstriert er Gelassenheit. „Die Baubranche liegt in den Niederlanden am Boden. Auf dem Markt für Wohnungs- und Bürobau tut sich fast gar nichts mehr. Aber das Interesse an Industriebauten ist groß”, sagt er. Also fänden sich sicher Investoren für den Themenpark. Die Lagerhallen der Nato stehen jetzt schon zu rund 90 Prozent leer. Das Gelände müsste die Gemeinde allerdings dem niederländischen Staat abkaufen.

Sieben Prozent Leerstand

Aber warum forcieren Bürgermeister und Beigeordnete dieses Projekt überhaupt? Geurts greift zum Marker und geht zur Schreibtafel. Oben klebt ein buntes „Papa” an der Tafel, unten hängt eine weitere Kinderzeichnung. Dazwischen rechnet Geurts den demographischen Wandel von Brunssum vor: 30.000 Einwohner heute, 27.000 im Jahr 2015, tausend leerstehende Wohnungen. „Sieben Prozent Leerstand sind für eine Gemeinde katastrophal”, sagt er. Und die Abrisskosten könne die Kommune kaum aufbringen.

Mit dem Park entstünden laut Beratungsunternehmen Ernst & Young 1900 direkte Vollzeitarbeitsplätze. Damit seien längst nicht alle Probleme der Gemeinde gelöst, sagt Geurts. Aber zu resignieren sei ja auch keine Lösung.

Aufwind für Umgehungsstraße?

Der Beigeordnete der Gemeinde Brunssum, Eric Geurts, sagt, dass der seit Jahren geplante, aber nicht unumstrittene Bau der Umgehungsstraße Buitenring in der Parkstad Limburg für den Erfolg des Themenparks unerlässlich sei. Damit hätte man über die Grenze nicht nur einen optimalen Anschluss in Richtung Aachen, sondern auch nach Heinsberg, Düsseldorf und in der Verlängerung ans Ruhrgebiet. Zuletzt hatten allerdings Verfahrensfehler und Kritik an dem 314-Millionen-Projekt für Zweifel an der Realisierung gesorgt.