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Aachen: Bremst der Thalys die Pendler aus?

Aachen : Bremst der Thalys die Pendler aus?

Unter Berufspendlern geht die Sorge um, dass die schnelle Thalys-Verbindung zwischen Aachen und Köln für sie ab Fahrplanwechsel im Dezember unattraktiv wird. So plane die Thalys-Trägergesellschaft angeblich eine verbindliche Reservierungspflicht für alle Waggons. De facto würden damit für Pendler aus Aachen täglich zehn schnelle Verbindungen entfallen.

Noch kursieren die Thalys-Pläne nur gerüchteweise, doch schon sind auch die örtlichen Politiker und Wirtschaftsvertreter alarmiert. Denn mit einem weiteren Verlust von schnellen Verbindungen zur Rheinschiene, würde die Bahn für Aachener deutlich an Attraktivität verlieren. Eine weiter zunehmende Verkehrsbelastung auf den Autobahnen wäre die absehbare Folge.

Sieben Euro extra

Täglich pendeln zahlreiche Aachener nach Köln zur Arbeit, unter ihnen auch viele Beschäftigte der Aachen-Münchener (AM), deren Arbeitsplätze verlagert wurden. Vielfach nutzen sie den Thalys, um schnell in die Domstadt und wieder zurück zu gelangen. Um Berufspendlern diesen schnellen Komfort zu ermöglichen, ist ein Thalys-Waggon bislang ausdrücklich von der sonst üblichen Reservierungspflicht ausgenommen. Sollte diese Befreiung wegfallen, müssten Pendler nicht nur ihre Fahrten exakt vorplanen, sondern zusätzlich sieben Euro Reservierungsgebühr pro Strecke bezahlen.

Dagegen wehren sich unter anderem AM-Mitarbeiter, die eine entsprechende Unterschriftensammlung bereits vorbereitet haben. Unterstützung erhalten sie jetzt auch von den Grünen, deren Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius ebenfalls per Unterschriftenaktion gegen die Pläne mobil macht.

Sie wirbt nicht nur für die Beibehaltung des Thalys-Angebots, sondern auch für eine gute Anbindung der Region ans ICE-Netz. Wie berichtet, soll zum Fahrplanwechsel im Dezember auch die Verbindung Aachen-Berlin gestrichen werden. Ersatzweise soll dann zwar ein ICE von Brüssel über Aachen und Köln nach Frankfurt verkehren, Pendler aus Düren hätten dann jedoch keine Zustiegemöglichkeit mehr.

Die Sorge ist daher in der Politik groß, dass die Aachen Region zunehmend vom schnellen und internationalen Schienenverkehr abgehängt wird. Vor allem Pendler müssten dann deutlich längere Fahrzeiten einplanen.

Die Thalys-Gesellschaft hat die sich verdichtenden Gerüchte um eine geplante „verbindliche Reservierungspflicht” auf der Strecke Aachen-Köln bislang nicht eindeutig dementiert. Die entsprechende Anfrage der „Nachrichten” beantwortet die Pressestelle wortkarg: „Zurzeit liegen uns zu einer solchen Änderung keine Informationen vor.” Offenes Geheimnis aber ist, dass die Thalys-Gesellschaft angesichts stets gut gebuchter Züge nur wenig Interesse an dem preiswerteren Zusatzangebot für Pendler hat.