Laschet räumt Fehler ein: Räumung des Hambacher Forsts „im Endspurt“

Laschet räumt Fehler ein: Räumung des Hambacher Forsts „im Endspurt“

Der Tagebau Hambach ist riesig, der dazugehörige Wald nur noch relativ klein - und wird bald wohl ganz verschwinden. Umweltschützer machen zwar mobil, aber RWE will die geplante Rodung weiterhin durchziehen.

Die Räumung des Hambacher Forsts steht nach Einschätzung der Polizei vor einem baldigen Abschluss. „Wir sind im Endspurt“, sagte eine Sprecherin am Samstag in Aachen. Die Beamten kämen gut voran, die Lage sei ruhig. Insgesamt mehr als 75 Baumhäuser und andere Konstruktionen seien entfernt worden, am Freitag lag die Zahl noch bei 68. Wann genau die letzten Bauten von Rodungsgegnern beseitigt seien, könne aber noch nicht gesagt werden. „Es ist immer möglich, dass wir weitere Baumhäuser finden“, sagte die Sprecherin. Die Bäume in dem Wald sind teilweise riesig, die Bauten in großer Höhe sind vom Boden aus mitunter nur schwer zu erkennen.

Die Beamten hatten vor gut zwei Wochen mit einem massiven Aufgebot mit der Räumung begonnen. In dem Wald leben seit Jahren Umweltaktivisten, die gegen die geplante Abholzung durch den Tagebau-Betreiber RWE protestieren. Sie geben sich trotzig und betonen, es gebe tatsächlich noch Verstecke in großer Höhe.

RWE zeigte sich unterdessen weiter unbeeindruckt von den Protesten. „Es gibt keine Chance, den Wald stehen zu lassen“, sagte RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag). Eine Lösung, bei der ein Teil des Forsts stehen bleibe, sei technisch unmöglich. „Wir brauchen die Erdmassen unter dem Restwald, um die Böschungen stabil zu halten“, sagte Schmitz. „Der Hambacher Forst ist nicht zu retten, egal was die Kohlekommission entscheidet.“ Das Gremium soll bis Ende 2018 eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung entwickeln und Wege für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen aufzeigen.

Diese Äußerung wiederum rief Kopfschütteln bei Greenpeace hervor. RWE-Chef Schmitz sei „jedes Gespür für die Brisanz des Konflikts um den Hambacher Wald abhandengekommen“, monierte Greenpeace-Geschäftsführer und Kohlekommission-Mitglied Martin Kaiser. „Wenn Woche für Woche weniger Menschen akzeptieren, dass ein wertvoller Wald für klimaschädliche Braunkohle zerstört werden soll, dann muss RWE bereit sein, über Alternativen zu reden.“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet wertete die Räumung als überfällig. Es sei ein Fehler gewesen, die illegal errichteten Baumhäuser in dem Hambacher Forst sechs Jahre lang zu dulden, sagte der CDU-Politiker der „tageszeitung“ (taz). „Egal welche Position man zum Braunkohleausstieg hat, ein solcher rechtswidriger Zustand ist falsch. Der wird jetzt beseitigt.“ Unabhängig vom Thema Hambacher Forst sagte Laschet, möglicherweise könne der Braunkohle-Ausstieg in NRW nicht erst 2045 erfolgen, sondern früher. Auf ein genaues Jahr legte er sich nicht fest.

Glaubt man Aktivisten, kommen auf die Polizei noch Überraschungen zu - und die Räumungsarbeiten könnten sich hinziehen. „Es gibt noch ein paar Verstecke, die bisher nicht entdeckt wurden von der Polizei und von RWE“, sagte Kathrin Henneberger von der Organisation „Ende Gelände“. Sie äußerte sich optimistisch für den weiteren Verlauf der Proteste - es kämen immer mehr Unterstützer, um die Rodung zu verhindern. „Selbst wenn die Polizei Baumhäuser zerstört - unseren Widerstand können sie nicht brechen.“

Für den Kohleabbau sind von ursprünglich 4100 Hektar Wald nach Angaben des Energiekonzerns bislang 3900 Hektar gerodet worden. Laut Umweltschützern hat der Hambacher Forst eine 12.000 Jahre lange Geschichte und ist Heimat mehrerer streng geschützter Tierarten. RWE hält die Rodung für unerlässlich, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung