Nach fast einem halben Jahr ist „Eule“ wieder frei

Landgericht Köln : Nach fast einem halben Jahr ist „Eule“ wieder frei

Am Freitagnachmittag ist die einzige Inhaftierte des Landes NRW, deren Identität unbekannt ist, aus der Haft entlassen worden. Das bestätigte ihr Kölner Verteidiger Christian Mertens gegenüber unserer Zeitung.

Die junge Frau, die sich „Eule“ nennt, war vor drei Wochen vor dem Amtsgericht Kerpen zu einer Jugendstrafe von neun Monaten wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Die Taten soll sie bei der Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst begangen haben. Seit dem 26. September letzten Jahres sitzt die junge Frau im Gefängnis. Sowohl die Staatsanwaltschaft, die eine Gefängnisstrafe von einem Jahr gefordert hatte, als auch die Verteidigung hatten Berufung beim Landgericht in Köln eingelegt.

Peter Königsfeld, Richter am Amtsgericht Kerpen machte in seinem Urteil bei ihr „schädliche Neigungen“ aus und ging davon aus, „dass weitere Straftaten zu erwarten sind“. „Eule“, bei der Justiz als „UP 8“ - unbekannte Person, geführt, hatte während des Verfahrens weder Angaben zu ihren Personalien noch zu den Tatvorwürfen gemacht. Laut ärztlichem Gutachten ist sie zu „79,8 Prozent älter als 21 Jahre alt“. Während der Haftzeit ist ein weiteres Verfahren dazu gekommen, die Frau soll einen Justizbeamten verletzt haben. Deswegen wurde sie von der JVA Iserlohn zurück nach Köln verlegt.

Beim Amtsgericht Kerpen war in der letzten Woche eine Haftbeschwerde verworfen worden, die Richter am Köln hoben am Freitag den Haftbefehl aus, weil sie die Dauer der Haft als unverhältnismäßig einstuften. „Eule“ ist nach fast einem halben Jahr in Freiheit, ihre Personalien hatte sie bis zuletzt nicht offenbart. Geladen zu der anstehenden Berufungsverhandlung wird sie nun über ihren Anwalt.

(pa)
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