1. Region
  2. Braunkohle

Protest gegen Braunkohle: Lützerath-Aktivistinnen verteidigen zivilen Ungehorsam

Protest gegen Braunkohle : Lützerath-Aktivistinnen verteidigen zivilen Ungehorsam

Lützerath ist geräumt, der Kampf gegen den Abbau der Braunkohle soll aber weitergehen. Die Aktivistinnen kündigten für kommenden Sonntag eine weitere Protestveranstaltung an.

Mitglieder des Bündnisses „Lützerath Lebt“ haben Aktionen zivilen Ungehorsams gegen den Braunkohleabbau verteidigt. Auf die Frage, ob es der Klimabewegung nicht schade, dass sie sich nicht klar von Gewalt distanziere, sagte Lakshmi Thevasagayam von „Lützerath Lebt“ am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Erkelenz, die wahre Gewalt gehe vom Energiekonzern RWE aus, der die unter Lützerath liegende Kohle abbaggern wolle. Die ganze Welt habe dabei zugesehen, wie Politik und Regierung die Privatinteressen des Milliardenkonzerns mit Gewalt durchgesetzt hätten.

Auf die Aktionen der Klimaschützer bezogen sagte sie: „Deswegen ist diese Gewalt vielleicht nicht legal, aber sehr wohl legitim, dadurch dass Menschen weltweit jeden Moment, wo der Bagger einen Zentimeter näher kommt, sterben, ihre Existenzen verlieren, unsere Lebensgrundlagen zerstört werden. Wenn man diese Dimension wirklich versteht, dann sind diese Maßnahmen, die wir hier als zivilen Ungehorsam betreiben, nichts dagegen“, sagte Thevasagayam.

Sie blieb auch bei der umstrittenen Aussage, dass mehrere Teilnehmer der Anti-Kohle-Demonstration am Samstag lebensgefährlich verletzt worden seien. Wie viele dies gewesen sein sollen, wollten sie und andere Aktivistinnen aber trotz mehrfachen Nachfragens nicht sagen.

Der persönliche Schutz der Aktivistinnen und Aktivisten verbiete derzeit konkretere Angaben dazu, sagte Thevasagayam. Nach Angaben der Polizei ist bei der Demo niemand lebensgefährlich verletzt worden.

Eine Demo-Sanitäterin aufseiten der Aktivisten hatte ihre Darstellung nun auch erläutert. „Wir können lediglich Verdachtsdiagnosen stellen und solange wir einen gefährlichen Verlauf nicht sicher ausschließen können, gehen wir im Zweifel vom Schlimmsten aus“, sagte Demo-Sanitäterin Iza Hofmann dem „Spiegel“ in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Die Behörden hatten der Darstellung Hofmanns widersprochen: Es seien keine lebensgefährlich Verletzten in die Krankenhäuser gebracht worden. Die Demo-Sanitäter arbeiten nicht für die Rettungsdienste.

Wenn sich in der Klinik später herausstelle, dass die Verletzung nicht lebensbedrohlich sei, sei dies natürlich erfreulich, sagte Hofmann. „Wir haben gegebenenfalls missverständlich formuliert.“ Die Einstufung als lebensgefährlich verletzt sei eine Ersteinschätzung und orientiere sich an der Arbeitsweise des normalen Rettungsdienstes. „Wir wollten sichergehen, dass alle Personen die bestmögliche medizinische Versorgung bekommen.“

Außerdem sei es das Ziel der Demo-Sanitäter, „dass Krankenhäuser nach Möglichkeit nicht erfahren, dass die Verletzungen im Rahmen der Proteste entstanden sind“, um die Verletzten vor Strafverfolgung zu schützen.

Entsprechend empfehle man den Verletzten, die sich selbstständig und ohne Rettungswagen im Krankenhaus vorstellen, „lieber eine Unfall-im-Garten-Geschichte zu erzählen, als etwa eine Schlagstock-gegen-Kopf-Geschichte. Dass die Krankenhäuser und die Polizei keine genauen Zahlen über Verletzte haben, ist für uns also ein Qualitätsmerkmal unserer Arbeit“.

Iza Hofmann sei nach eigener Aussage seit 2019 in der Klimabewegung aktiv, unter anderem bei der Grünen Jugend, Greenpeace und Fridays for Future, berichtete der „Spiegel“. Sie gibt an, eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin absolviert zu haben.

Die Aktivistinnen kündigten zudem für kommenden Sonntag (22. Januar) 12 Uhr eine weitere Protestveranstaltung in Kombination mit einem Konzert an. Genaueres dazu könne man noch nicht sagen.

Obwohl Lützerath mittlerweile geräumt sei, sei die darunter liegende Kohle noch nicht abgebaggert worden – und somit gehe der Kampf weiter. „Samstag war nicht das Ende des Protestes“, sagte Linda Kastrup von Fridays for Future.

(dpa)