„Fridays For Future“ und „Ende Gelände“-Demos: Klimaschützer machen am Wochenende Druck

„Fridays For Future“ und „Ende Gelände“-Demos : Klimaschützer machen am Wochenende Druck

Die Klimabewegung erhöht den Druck: Rund 30.000 Menschen könnten am Wochenende in der Region auf die Straße gehen, um für einen schnelleren Kohleausstieg zu demonstrieren. Was bedeutet das – für Anwohner, Demonstranten, Polizei und die Region?

Für die Aachener Polizei ist es einer der größten Einsätze der jüngeren Geschichte, der sie vor eine besondere Herausforderung stellt. Denn die Teilnehmer kommen aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen: Auf der einen Seite stehen Schüler von „Fridays for Future“ mit wenig Demonstrationserfahrungen, auf der anderen erfahrene Klimaaktivisten von „Ende Gelände“, die durchaus zu Straftaten bereit sind.

Bis zu 20.000 Menschen aus 17 Ländern werden am Freitag in Aachen zum internationalen Streiktag von „Fridays for Future“ erwartet. Mit mehreren Demonstrationszügen ziehen sie als Sternmarsch durch die Innenstadt. Die zentrale Kundgebung mit Rede- und Musikbeiträgen findet auf dem Vorplatz des Tivoli-Stadions statt.

Auch für diejenigen, die nichts mit der Jugendbewegung zu tun haben (wollen), dürfte der Tag zur Belastungsprobe werden. Die Stadt Aachen rechnet mit erheblichen Einschränkungen des Innenstadtverkehrs. Einwohner und Pendler müssen bis in die Abendstunden mit Straßensperrungen rechen. Um die Sicherheit rund um das Tivoli-Stadion und darüber hinaus zu gewährleisten, haben die Feuerwehr in Aachen sowie die Rettungsdienste im Umland ihr Personal aufgestockt. Diese werden auch nach der Kundgebung die Situation rund um den Tivoli im Blick behalten: Es wird erwartet, dass mehrere hundert, wenn nicht sogar Tausende Demonstrationsteilnehmer im Parkhaus neben dem Fußballstadion übernachten werden.

Der Protest geht am Samstag am Tagebau Garzweiler weiter. Ein Demonstrationszug von „Fridays for Future“ nach Keyenberg ist Teil eines Aktionstages, der unter anderem von den Naturfreunden Deutschland, dem BUND und Greenpeace getragen wird. Darüber hinaus sind Aktionen von „Ende Gelände“ geplant.

In Erkelenz-Keyenberg erklärte „Ende Gelände“-Sprecherin Kathrin Henneberger am Mittwoch erstmals im Rahmen einer größeren Pressekonferenz, die Klimakrise sei „eine Systemkrise. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir an einem gerechteren Wirtschaftssystem arbeiten“ und forderte nicht weniger als die Abschaffung des Kapitalismus’. Der „Kohleausstieg ist für uns nur der Anfang“. Sie kündigte an, Tausende „Ende Gelände“-Aktivisten würden am Wochenende „die Tagebaue (im Rheinischen Revier, d. Red.) mit ihren Körpern fluten“. Den von der Kohlekommission erarbeiteten Kohlekompromiss bezeichnete sie als „vergiftetes Angebot“.

Uwe Hiksch vom Verein NaturFreunde Deutschlands, dem eigenen Angaben zufolge mehr als 70.000 Mitglieder angehören, erklärte im Rahmen der Pressekonferenz in Keyenberg, der „Widerstand gegen die Braunkohle ist gut für dieses Land“. Er forderte einen Kohleausstieg „deutlich vor 2038“ und bezeichnete Tagebaubetreiber RWE als „unverschämten Konzern“.

Am Samstag sollen neben den „Ende Gelände“-Protesten im vom Abriss bedrohten Keyenberg am Tagebau Garzweiler fast den ganzen Tag über verschiedene Demonstrationen stattfinden.
Die Akteure bei den jetzt anstehenden Protesten:

„Fridays for Future“: Zu ihrem ersten Internationalen Streik (21. Juni) erwartet die Protestbewegung in Aachen am Rande des Braunkohlereviers bis zu 20.000 Teilnehmer aus 16 Ländern. Sie wollten nicht länger zusehen, wie vor ihren Augen Klima zerstört werden, heißt es in dem Aufruf. Die Lage der Stadt an der Grenze zu den Niederlanden und Belgien mache deutlich, dass Klimaschutz keine Ländersache, sondern eine globale Aufgabe sei.

Die Bewegung hat für den Samstag (22. Juni) zu einem Protestmarsch am Tagebau Garzweiler aufgerufen. Der Marsch ist Teil eines Aktionstages, der unter anderem von den Naturfreunden Deutschland, dem BUND und Greenpeace getragen wird. Das sei eine legale Demo und niemand müsse befürchten „aus Versehen“ in einen illegalen Protest zu geraten, stellte Fridays For Future fest.

Ende Gelände: Das Aktionsbündnis hat in dem Zeitraum vom 19. bis 23. Juni eine Massenblockade im Rheinischen Revier angekündigt. „Unser Ziel ist es zum Tagebau oder zu den Schienen zu kommen und dort Platz zu nehmen“, heißt es in dem Aufruf. Nach juristischem Gerangel durfte das Bündnis sein Protest-Camp wie gewünscht auf einem Viersener Freizeitgelände aufbauen, aber übernachten dürfen nicht wie geplant 6000 Menschen, sondern nach einem Gerichtsbeschluss 3000.

„Wir werden in der Blockade Strohsäcke, Schaumstoff und Luftmatratzen mit uns führen, damit wir unsere Blockade bequem gestalten können. Wir werden uns ruhig und besonnen verhalten, von uns wird keine Eskalation ausgehen, wir gefährden keine Menschen“, hieß es in dem Aufruf von Ende Gelände.

Aachener Polizei: Sie rechnet nicht mit Gewalttaten, aber mit Straftaten wie Hausfriedensbruch bei der geplanten Blockade. Trotz eines Großaufgebots mit Kräften aus Nordrhein-Westfalen und der Bundespolizei wird sie nach eigener Einschätzung nicht ganz verhindern können, dass die Aktivisten in einen Tagebau eindringen. Sie will auf jeden Fall verhindern, dass die Blockade Auswirkungen auf die Stromversorgung hat - etwa durch das Abschneiden des Kohlenachschubs für die Kraftwerke.

Die Polizei hatte Fridays For Future (FFF) gewarnt, sich von Klimaaktivisten von Ende Gelände vereinnahmen zu lassen und in die „Strafbarkeitsfalle“ zu laufen. Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte es als Herausforderung bezeichnet, bei einem Zusammentreffen der Gruppen angemessen und verhältnismäßig zu handeln.

RWE: Der Energiekonzern warnte vor „gefährlichem Leichtsinn“ und wies unter anderem auf Absturz- und Stromschlaggefahr in den Tagebauen hin. Das Eindringen in betriebliche Anklagen oder die Blockade von Arbeitsabläufen seien Straftaten, die RWE konsequent zur Anzeige bringen werde. Mehr als Massenproteste brauche konkreter Klimaschutz politisches Handeln, stellte RWE Power-Vorstand Lars Kulik fest.

Trägerbündnis: Die legalen Proteste am Tagebau Garzweiler (22. Juni) werden von BUND, Campact, Greenpeace, Naturfreunde und der Bürgerinitiative Alle Dörfer bleiben getragen. Zu einer Fahrraddemo des Umweltverbands BUND in das vom Abriss bedrohte Dorf Keyenberg am Tagebau Garzweiler werden 3000 Teilnehmer erwartet. In Keyenberg soll auch die Abschlusskundgebung mit FFF- und Fahrrad-Demo stattfinden. Dabei sollen sich Tausende eine halbe Stunde lang symbolisch schützend zwischen Braunkohlebagger und Dorf setzen.

(dpa)
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