Hambacher Forst: RWE stoppt Projekt in Kraftwerk Niederaußem

RWE investiert nicht mehr in Kohlekraftwerke : „Ein guter Tag für den Klimaschutz“

Nach der Ankündigung des Energiekonzerns RWE vom Freitag, sich aus der Braunkohle zurückzuziehen und künftig nur noch auf erneuerbare Energien zu setzen, zeigen sich Umweltschützer zufrieden – und stellen neue Forderungen.

Der Energiekonzern RWE hat die Planung für ein neues Braunkohlekraftwerk in Niederaußem eingestellt. Wie das Unternehmen am Vormittag mitteilte, werde der Fokus von RWE künftig auf der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien liegen. „Folgerichtig wird das Unternehmen nicht mehr in neue Kohlekraftwerke investieren“, hieß es in einer Mitteilung.

Umweltschützer jubeln und fordern

Angesichts des wachsenden Anteils von erneuerbaren Energien am Strommix in Deutschland, der im Moment bei etwa 40 Prozent liegt, sei RWE davon überzeugt, dass bestehende Kohlekraftwerke noch als Reserve-Kapazität benötigt werden, „auch wenn ihr Anteil immer weiter zurückgehen wird“. Doch um die Versorgung für einen Industriestandort wie Deutschland dauerhaft zu gewährleisten, seien neue, CO2-arme Kraftwerke und Speicher notwendig, erklärte das Unternehmen.

Die Bergbaugewerkschaft IG BCE glaubt nicht, dass die am Freitag verkündete Entscheidung Auswirkungen auf die bei RWE beschäftigten Bergleute haben wird. Der Alsdorfer Bezirksvorsitzende Manfred Maresch erklärte, er gehe fest davon aus, dass „RWE mit Erhaltungsinvestitionen den Weiterbetrieb der bestehenden Kraftwerke sichert, so lange sie gebraucht werden“. Die von der Kohlekommission skizzierte Zeitachse für den Weiterbetrieb der Kraftwerke werde RWE sicherstellen.

Für die Umweltschützer hatte sich die RWE-Mitteilung zwar seit längerem abgezeichnet, doch die offizielle Verkündung „ist natürlich ein Signal“, sagte der Geschäftsleiter der Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Dirk Jansen, der seit den 80er Jahren gegen die Braunkohleverstromung im Rheinischen Revier kämpft. Allerdings erwartet er von RWE „weitere Schritte“. Um glaubwürdig in eine grüne Zukunft starten zu können, müsse RWE nun den Erhalt des Hambacher Forsts verkündet, erklärte Jansen. Er sprach von einem „guten Tag für den Klimaschutz“.

Ein Kraftwerksprojekt in Niederaußem wird gestoppt. Foto: dpa/Oliver Berg

Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher der Kerpener Initiative Buirer für Buir, Andreas Büttgen. Er forderte, RWE solle nun auch konsequent sein und schnellstmöglich ganz aus der Braunkohle aussteigen. Doch dass es tatsächlich auch so kommen könnte, deutete sich am Freitag noch nicht an. RWE hatte es gegenüber unserer Zeitung vergangenes Jahr ausgeschlossen, Kraftwerke vor der geplanten Stilllegung zu schließen, Tagebaue freiwillig zu verkleinern oder ganz aufzugeben. Ein Unternehmenssprecher bekräftigte am Freitag, dass diese Aussage weiterhin Bestand habe.

Stattdessen werde RWE „in erneuerbare Energien, Speichertechnologien und CO2-arme Technologien wie etwa Gasanlagen investieren, wenn die Marktbedingungen dies erlauben“. Die nun eingestellten Planungen zum Vorhaben in Niederaußem seien lange Zeit eine Option gewesen, „um bestehende Kraftwerke durch eine neue Anlage mit höheren Wirkungsgraden zu ersetzen“. Seine Realisierung habe ohnehin unter dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit gestanden, „die in den vergangenen Jahren nicht gegeben war“.

Nachdem Anfang des Jahres die Empfehlungen der Kohlekommission bekannt geworden waren, die die Bundesregierung bis Ende des Jahres in Gesetze gefasst haben will, war klar, dass das Ende der Braunkohleförderung im Rheinischen Revier sehr viel schneller kommen wird als bis dahin geplant. Demnach sollen bereits 2023 die ersten Kraftwerkskapazitäten im Rheinischen Revier RWE abgeschaltet werden.

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