Hambacher Forst leidet laut Greenpeace-Studie unter Tagebau

Hitze und Trockenheit : Tagebau verschlechtert laut Studie die Situation des Hambacher Forsts „eklatant“

Die Wälder in Deutschland leiden unter Trockenheit. Der Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlegebiet ganz besonders – warnt Greenpeace. Der Energiekonzern RWE sieht das anders.

Der Hambacher Forst leidet einer Studie im Auftrag von Greenpeace zufolge schwer unter den Folgen von Hitze und Trockenheit. Der benachbarte Braunkohle-Tagebau verschlechtere die Situation des umkämpften Waldes im rheinischen Braunkohlerevier „eklatant“, schreiben Experten der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung.

Die Tagebaue und vor allem der Tagebau Hambach seien im Sommer „die Hitzepole der Region“, heißt es in der Studie. Wenn der Hambacher Forst erhalten werden solle, müsse dringend etwas für die Kühlung der umgebenden Landschaft getan werden. „Hierzu gehören der sofortige Stopp des weiteren Abbaggerns des Tagebaus Hambach, die Rekultivierung und Wiederbewaldung von (ehemaligen) Straßen und auch des Kiestagebaus sowie an den Wald angrenzender Agrarflächen“, schreiben die drei Autoren.

Konkret empfehlen sie eine 500 Meter breite „thermische Pufferzone“, in der die Oberflächentemperatur durch Aufforstung um mehrere Grad gesenkt werden solle, möglichst mit einheimischen, schnell wachsenden Baumarten. In der Wachstumszeit sollten Hitze und Trockenheit abgefedert werden, indem die Bäume bewässert werden.

RWE betonte, beim Heranrücken des Tagebaus an den Wald halte man sich an die Vorgaben der zuständige Bergbehörde. Diese verlange einen Abstand von 50 Metern zwischen der Oberkante des Abbaus und dem Waldrand. So sei sichergestellt, dass weder der Wurzelbereich noch die Baumkronen Schaden nehmen könnten. Eine Forderung nach einem größeren Puffer zum Schutz des Waldes sei nicht nachvollziehbar.

Die Studie beschreibe „einige allgemeine Phänomene korrekt“. Sie belege aus RWE-Sicht aber nicht, dass es einem kausalen Zusammenhang von Temperaturunterschieden und Waldschäden gebe. Der Hambacher Forst leide „wie wohl alle Wälder in Deutschland“ unter der Trockenheit. Von Krankheiten seien vor allem nicht-heimische Baumarten wie Fichte und Ahorn betroffen. RWE setze deshalb bei der Bewirtschaftung von Waldflächen im Braunkohlegebiet auf Bäume aus der Region wie Stieleiche, Hainbuche oder Winterlinde.

Der Hambacher Forst hatte sich vor allem im vergangenen Jahr zum Symbol der Proteste für einen raschen Ausstieg aus dem Kohlestrom und der deutschen Klimaschutz-Bewegung entwickelt. Kritiker sind dagegen, dass RWE auf der Fläche des Waldgebiets Braunkohle abbaggern darf.

(dpa)
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