Hambacher Forst: Haben Aktivisten im Wald gerodet?

Illegale Rodungen im Hambacher Forst : Verdächtiger aus der Waldbesetzerszene

Mitte März stellte die Polizei frisch gerodete Flächen im Hambacher Forst fest. Es tauchten Rechtfertigungsschreiben der Aktivisten im Internet auf, nun ist ein erster Verdächtiger ermittelt.

Die Aachener Polizei hat einen ersten Verdächtigen ermittelt, der an der illegalen Rodung von etwa 50 Bäumen im Hambacher Forst beteiligt gewesen sein könnte. Das geht aus einem Bericht von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vor, der unserer Zeitung vorliegt. Wie die Aachener Staatsanwaltschaft am Dienstag bestätigte, handele es sich um einen polizeibekannten 41 Jahre alten Mann, der eindeutige Bezüge zur Aktivistenszene im Hambacher Forst habe.

Am 13. März hatte die Polizei bei einer Waldbegehung festgestellt, dass an vier verschiedenen Stellen im Hambacher Forst etwa 50 Bäume gefällt worden waren, die am 9. Januar noch gestanden hatten. An einigen der etwa 55 neu errichteten Baumhäusern im Forst hatte die Polizei frisch geschlagene Baumstämme ausgemacht, so dass sie davon ausging, den oder die Täter unter den linksextremen Waldbesetzern suchen zu müssen, die die gefällten Bäume zum Bau von Baumhäusern benutzt haben könnten. RWE erklärte Mitte März gegenüber unserer Zeitung, dass die Waldbesetzer schon früher immer wieder Bäume im Hambacher Forst geschlagen hatten.

Nach ungewohnt deutlicher Kritik insbesondere des Umweltschutzverbandes BUND an den Waldbesetzern waren im Internet Rechtfertigungsschreiben aus der Aktivistenszene aufgetaucht, denen zufolge die gefällten Bäume krank gewesen seien. Einer schrieb auf Twitter, man habe die von Schädlingen befallenen Bäume „von ihrem Leid erlöst“. Der für den Waldeigentümer RWE arbeitende Revierförster wies diese Darstellung zurück, die Bäume seien gesund gewesen. Der BUND hatte zudem auf den Wert von Totholz für den Hambacher Forst hingewiesen.

Nach dem Bericht des Innenministers hatte der verdächtige 41-Jährige im Internet erklärt: „Es werden Bäume von uns gefällt (...).“ Der Mann sei allerdings noch nicht vernommen worden, wie Staatsanwalt Jost Schützeberg gestern erklärte. Ermittelt werde wegen des Verdachts der Sachbeschädigung.

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