Hambacher Forst: „Eule“ bleibt in Untersuchungshaft

Hambacher Forst : „Eule“ bleibt in Untersuchungshaft

Derzeit ist „Eule“ ist die einzig Inhaftierte des Landes NRW, deren Identität den Behörden unbekannt ist. Die junge Frau war vor drei Wochen vor dem Amtsgericht Kerpen zu einer Jugendstrafe von neun Monaten wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Richter Peter Königsfeld machte bei ihr „schädliche Neigungen“ aus und ging davon aus, „dass weitere Straftaten zu erwarten sind“. Eule, bei der Justiz als „UP 8“ - unbekannte Person, geführt, hatte während des Verfahrens weder Angaben zu ihren Personalien noch zu den Tatvorwürfen gemacht.

Die Frau, die laut ärztlichem Gutachten zu „79,8 Prozent älter als 21 Jahre alt ist“, sitzt bereits seit dem 26. September letzten Jahres, als im Hambacher Forst die Baumhäuser abgerissen wurden, in Untersuchungshaft. Bei der Räumung war es zu den Vorfällen gekommen.

Während der Haftzeit ist ein weiteres Verfahren dazu gekommen, die Frau soll einen Justizbeamten verletzt haben. Deswegen wurde sie von der JVA Iserlohn zurück nach Köln verlegt.

Der Richter hatte in dem Prozess abgefangene Briefe von „Eule“ vorgelesen, in denen sie sich darüber noch lustig machte.

Königsfeld musste sich gerade auch mit einer Beschwerde von „Eules“ Anwalt wegen der „fortdauernden Haft“ beschäftigen. Er sah keinen Anlass, den Haftbefehl aufzuheben aus Gründen, die er auch in seinem Urteil aufgeführt habe. „Eules“ Akten sind nun auf dem Weg zum Landgericht in Köln. Sowohl ihr Verteidiger als auch die Staatsanwaltschaft, die ein Jahr Freiheitsstrafe gefordert hatte, legten Berufung ein. Nun muss die nächste Instanz entscheiden, ob sie den Haftbefehl aufhebt. Bei Jugendstrafen kann die Haftstrafe, sobald sie zur Hälfte verbüßt ist, zur Bewährung ausgesetzt werden. Bei „Eule“ ist ein solcher Antrag auf vorzeitige Haftentlassung derzeit nicht möglich, da ihr Urteil noch keine Rechtskraft besitzt.

Verfahren gegen Samantha H.

Am Landgericht in Köln beginnt am 26. März auch das Berufungsverfahren gegen die australische Waldbesetzerin Samantha H. Sie war vergangenen Sommer ebenso wie „Eule“ am Amtsgericht Kerpen zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Sie wurde wegen gemeinschaftlicher versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt, da sie einer Gruppe angehörte, aus der heraus Molotowcocktails auf Polizisten geworfen worden waren.

Samantha H. hatte auch selbst Molotowcocktails in Richtung der Polizei geworfen. Weil die von ihr geworfenen Brandbomben die Polizisten aber weit verfehlten, erkannte Richter Königsfeld nicht auf versuchte gefährliche Körperverletzung. Deswegen legte auch die Aachener Staatsanwaltschaft damals Berufung ein. Weitere Verhandlungstermine sind der 10. und 24. April.

Ob sich Samantha H. überhaupt in Deutschland befindet, ist dem Gericht und der Aachener Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Ihr Verteidiger Frank Hatlé aus Köln ließ eine Anfrage unserer Zeitung, ob sich seine Mandantin dem Verfahren in Köln stellen werde, bis Montagnachmittag unbeantwortet.

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