Ein Jahr nach tödlichem Sturz: Eltern von Blogger kritisieren NRW-Regierung für Vorgehen im Hambacher Forst

Ein Jahr nach tödlichem Sturz : Eltern von Blogger kritisieren NRW-Regierung für Vorgehen im Hambacher Forst

Am 19. September 2018 stürzte ein junger Blogger aus NRW im Hambacher Forst in den Tod. Ein Jahr später erheben die Eltern des Verunglückten weiterhin schwere Vorwürfe gegen den NRW-Innenminister.

Auf einem grünen Plakat ist das gezeichnete Bild eines jungen Mannes mit langen Haaren, Bart und Brille zu sehen. Daneben auf dem Waldboden liegt ein Strauß aus Sonnenblumen. Das Foto zeigt den Unglücksort, an dem vor genau einem Jahr, am 19. September 2018, der Blogger Steffen M. während der Räumung im Hambacher Forst bei einem Sturz gestorben war.

Der 27-Jährige aus NRW war als Dokumentarfilmer im Hambacher Forst gewesen, um die Ereignisse rund um die Räumung des Waldes für sein Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln festzuhalten. Das Leben der Aktivisten dokumentierte er für einen Youtube-Kanal.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Aachen war er allerdings nicht gesichert, als er eine beschädigte Holzbrücke zwischen den Baumhäusern betrat. „Er wollte von dort die Räumung eines anderen Baumhauses filmen“, hatte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft damals gesagt. Von dort aus stürzte er aus 15 Metern Höhe in den Tod. Ein Rettungssanitäter und ein Notarzt konnten nicht mehr helfen, Steffen M. erlag seinen tödlichen Verletzungen.

Zum einjährigen Todestag ihres Sohnes weisen die Eltern von M. auf ihren offenen Brief hin, den sie am 28. November 2018, rund zwei Monate nach dem tödlichen Unglück, an die Staatskanzlei Düsseldorf adressiert hatten. „Die Inhalte unseres Briefes sind hochaktuell“, heißt es darin. „Das zeigt sich in den neuesten Entwicklungen der Erkenntnisse der Landespolitik NRW bezüglich der Geschehnisse im Hambacher Wald.“

Die Klima-Aktivisten demonstrieren im Hambacher Forst gegen die Rodung des Waldes, die aufgrund von Braunkohle-Gewinnung geplant war. „Steffen sympathisierte mit den Zielen der Baumhausbewohner*innen, teilte er doch deren Einstellung eines ressourcenschonenden Lebens“, heißt es in dem Brief.

Zum Unfallhergang schreiben die Eltern des toten Bloggers: „Er stieg als versierter Kletterer auf eines der Baumhäuser, um von dort störungsfrei das Geschehen zu filmen. Um bessere Sicht auf die Räumung eines Nachbarbaumhauses zu bekommen, wollte er eine Hängebrücke überqueren, dabei stürzte er in die Tiefe und erlag seinen schweren Verletzungen.“ Die Pressearbeit im Wald sei durch „polizeiliche Absperrungen behindert“ worden.

Aufgrund des Unfallhergangs zeigen die Eltern kein Verständnis dafür, dass der Leichnam ihres Sohnes obduziert wurde. „Das Wissen um diese in unseren Augen völlig überflüssige und rechtswidrige Störung der Totenruhe belastet uns sehr“, schreiben sie. Die Obduktion habe außerdem dazu geführt, dass die Familie erst mehrere Tage nach dem tödlichen Unfall Abschied nehmen konnte. „Der Schmerz und die Trauer für uns Angehörige sind unermesslich.“

In dem offenen Brief kritisieren die Eltern vor allem die NRW-Landesregierung für ihre Rolle bei der Diskussion um die Räumung des Hambacher Forstes: „Unerträglich empfinden wir die für uns aus der Luft gegriffen Schuldzuweisungen des Innenministers Reul, dass die Erbauer*innen der Hängebrücke Schuld an Steffens Tod seien.“

Die Eltern werfen NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) eine Instrumentalisierung des Todes von Steffen M. vor, „um gegen die Baumhausbewohner*innen zu hetzen“.

(mba)