Grubenspaziergang Hambacher Tagebau: Braunkohle-Gegner stoppen kurzzeitig die Kohlebagger

Grubenspaziergang Hambacher Tagebau : Braunkohle-Gegner stoppen kurzzeitig die Kohlebagger

Braunkohle-Gegner haben am Sonntag kurzzeitig den Abbau im Hambacher Tagebau gestoppt. Nach Angaben der Polizei in Aachen waren am Morgen mehr als 30 Menschen in das Tagebauloch eingedrungen.

Gute eine Woche nachdem Rodungsstopp ist eine Gruppe von Klima-Aktivisten in Tierkostümen und mit bunten Transparenten in den Tagebau Hambach eingedrungen. Mit ihrer Aktion wollen sie die Kohlebagger zum Stillstand bringen.Außerdem wollen sie mit der Demonstration zeigen, dass trotz des Rodungsstops die Forderung nach einer fossilfreien Energiegewinnung nicht eingelöst wird. Die Aktivisten machen deutlich, dass es ihnen um mehr geht, als nur den Wald: „Der Hambi geht weiter.“, erklärt der Aktivist Mike, „RWE, der graue Dinosaurier der deutschen Energiegewinnung, strauchelt.“

„Wir brauchen politische Entscheidungen, die die Gesellschaft in eine fossilfreie Energiegewinnung führen. Es muss endlich Verantwortung übernommen werden für die globalen Katastrophen, die unser massiver Energiekonsum zur Folge hat.“ erläutert Aktivistin Louisa Michels die Forderungen der Grubenspaziergängern.

Zudem stellen sie ihre Aktion gleichzeitig in größere wirtschaftliche Zusammenhänge: „Mir geht es bei dieser Aktion auch darum, die größeren Verbindungen aufzuzeigen. Das bedeutet einerseits für Klimagerechtigkeit einzustehen, und andererseits ist für mich völlig klar, dass wir keine tragfähigen Lösungen in der Energieversorgung finden, solange unser kapitalistisches Wirtschaftssystem uns zu Wachstum und Ausbeutung endlicher Ressourcen zwingt.“, so die Klima-Aktivistin Freya.

Aus Sicherheitsgründen sei der Betrieb etwa eine Stunde lang eingestellt worden, sagte ein Polizeisprecher. Etwa ein Drittel der Aktivisten habe das Gelände dann von sich aus verlassen. Die übrigen seien von der Polizei herausgeführt worden und hätten eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs bekommen.

Die Aktion schließt an wochenlange Proteste an. Bereits am letzten Wochenende versammelten sich 50.000 Menschen zu einer Großdemonstration am Hambacher Wald.

Seit Samstag halten sich am Rande des Braunkohletagebaus auch Aktivisten in drei leerstehenden Häusern auf. Die von ihren Bewohnern bereits geräumten und inzwischen dem Energiekonzern RWE gehörenden Gebäude sollen künftig dem Tagebau weichen. Die Häuser befinden sich im Kerpener Stadtteil Manheim. Die Protestgruppe hängte ein beschriftetes Stofftuch an das Garagentor eines gelb getünchten Hauses. „Manheim lebt. Hambi bleibt“, stand darauf.

RWE sprach am Sonntag in einer Mitteilung von vier besetzten Häusern und erklärte: „Die widerrechtliche Besetzung ... werden wir nicht dulden“. Alle damit in Zusammenhang stehenden Straftaten würden zur Anzeige gebracht.

(red/dpa)
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