„Augenmerk auf die falschen Problemfelder“: Branche und Umweltministerin gegen Böller-Verbot

„Augenmerk auf die falschen Problemfelder“ : Branche und Umweltministerin gegen Böller-Verbot

In fünf Monaten ist Silvester - und wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, soll dann nicht mehr geknallt werden. Auch ein CDU-Bürgermeister unterstützt die Forderung. Andere sind wenig begeistert. Auch die Stadt Aachen wäre von dem Verbot betroffen.

Die Forderung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach einem Silvesterfeuerwerks-Verbot in deutschen Innenstädten stößt in der Feuerwerksbranche auf Ablehnung. „Die DUH lenkt ihr Augenmerk auf die falschen Problemfelder“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie, Klaus Gotzen. Feinstaub aus Feuerwerken sei weniger schädlich als der im Straßenverkehr anfallende. Außerdem übertreibe die Umweltorganisation das Ausmaß des Problems.

Wenig Begeisterung löste der Vorschlag auch bei NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) aus: „Ich persönlich bin selbst zwar keine große Freundin von Feuerwerken, halte ein vollständiges Verbot aber für übertrieben“, sagte Heinen-Esser dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch). Die Feinstaubbelastung durch Feuerwerke wirke „sowohl in der räumlichen als auch zeitlichen Ausdehnung meist sehr punktuell“. Zudem könnten die Kommunen schon heute entscheiden, wo und wann Feuerwerke zugelassen würden.

Die Deutsche Umwelthilfe hat in 31 Städten ein Verbot privater Silvesterböllerei beantragt - als Maßnahme zur Luftreinhaltung. Es gehe vor allem um belastete Innenstadtbereiche. In NRW richten sich die Anträge an Köln, Hagen, Essen, Dortmund, Düsseldorf, Oberhausen, Bielefeld, Wuppertal, Gelsenkirchen und Aachen. Das Schreiben der Deutschen Umwelthilfe trudelt in diesen Tagen in den Rathäusern der Städte ein. Für eine Antwort sei es noch zu früh, hieß es aus vielen Stadtverwaltungen, man müsse den Antrag prüfen.

Der Bürgermeister von Siegburg, Franz Huhn (CDU), forderte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) unterdessen dazu auf, Städten die Möglichkeit zu einem Verbot von Silvesterfeuerwerk an die Hand zu geben. Zurzeit sei es nur möglich, das Abbrennen von Feuerwerk in der Nähe brandgefährlicher Anlagen oder in bestimmten dicht besiedelten Gebieten einzuschränken, schrieb Huhn in einem am Mittwoch von der Stadt veröffentlichten Brief an Seehofer. Er vertrat die Ansicht: „Feuerwerke setzen viel Feinstaub frei und sind damit letztendlich ein Vergiften der Luft, das nicht mehr zeitgemäß ist.“

In weiteren Schreiben forderte Huhn die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) und den Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan auf, künftig auf die Feuerwerke „Kölner Lichter“ beziehungsweise „Rhein in Flammen“ und „Pützchens Markt“ zu verzichten. „Wir verzichten schon seit dem letzten Jahr auf das Feuerwerk zum Abschluss unseres Siegburger Stadtfestes“, schrieb der Bürgermeister.

Der Veranstalter der „Kölner Lichter“, Werner Nolden, zeigt sich offen dafür, über Alternativen wie Lasershows oder Drohnen nachzudenken. Für sein privates Jahresende steht für ihn fest: „Zu Silvester brennen meine Kinder weiter ihre Wunderkerzen ab - das gehört einfach dazu.“

(dpa)