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Bonner Hauptbahnhof nach erneuter Bombendrohung gesperrt

Bonner Bahnhof dreimal gesperrt : Polizei veröffentlicht Mitschnitt des Drohanrufs

Zwei Anrufe mit Drohungen und dann auch noch herrenloses Gepäck: Die Polizei hat den Bonner Hauptbahnhof innerhalb weniger Tage gleich dreimal sperren müssen - mit massiven Auswirkungen auf den Verkehr. Mittlerweile ist man gewillt, neue Wege zu beschreiten.

Der Bonner Hauptbahnhof ist am Mittwoch zum dritten Mal innerhalb weniger Tage komplett gesperrt und geräumt worden. Grund war diesmal herrenloses Gepäck, das an einem Gleis gefunden wurde und keinem Besitzer zugeordnet werden konnte. Nach rund zweieinhalb Stunden konnte die Sperrung wieder aufgehoben werden. Bei den zwei Koffern und einem Farbeimer habe es sich um Gepäck mit „ganz banalen Gegenständen“ eines Mannes gehandelt, sagte ein Polizeisprecher - Lebensmittel, Bekleidung, Elektrogeräte. Der Besitzer habe sich während des Einsatzes bei den Beamten gemeldet.

Mit dem Polizeieinsatz, an dem auch Sprengstoffspürhunde und Entschärfer beteiligt waren, setzte sich eine Serie der vergangenen Tage fort. Bereits am Sonntag und am Dienstag war der Bahnhof stundenlang gesperrt worden - in diesen Fällen hatte es Drohanrufe gegeben. Beide Male wurde später Entwarnung gegeben.

Am Dienstagabend war der Bonner Hauptbahnhof für rund vier Stunden gesperrt worden. Der Zugverkehr wurde am frühen Abend eingestellt, der Bahnhof geräumt, wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte. Gegen 22.35 Uhr gab es dann Entwarnung: „Es wurde glücklicherweise nichts gefunden“, sagte der Sprecher. Der Bahnhof wurde wieder freigegeben.

Die Bombendrohung sei gegen 18.30 Uhr bei der Polizei eingegangen. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, wurden während der Sperrung die Züge zwischen Köln und Koblenz umgeleitet und verspäteten sich dadurch um bis zu 30 Minuten. Sie hielten nicht in Bonn Hbf, Remagen und Andernach. Ersatzhalte in Bonn-Beuel wurden eingerichtet.

Erst am Sonntag war nach einer telefonischen Bombendrohung der Bahnhof vorsorglich gesperrt worden – ab dem Nachmittag bis zum frühen Abend. Einsatzkräfte hätten das Gebäude durchsucht, aber keine verdächtigen Gegenstände gefunden, sagte ein Sprecher der Bonner Polizei.

Mitschnitts des Drohanrufes

Um die telefonischen Bombendrohungen aufzuklären, wählten die Ermittler unterdessen ein ungewöhnliches Mittel. Sie veröffentlichten einen Mitschnitt des Anrufs, der zur zweiten Sperrung des Bahnhofs am Dienstagabend geführt hatte. Dieses Vorgehen sei „absolut“ ungewöhnlich, sagte Sprecher Robert Scholten. „Für uns ist es das erste Mal.“ Auf der Aufnahme ist unter anderem zu hören, wie eine Stimme sagt: „Und diesmal ist es kein Spaß.“

Die Polizei hofft, dass Zeugen anhand des Mitschnitts die Stimme des Anrufers erkennen oder Beobachtungen melden. Nach Erkenntnissen der Beamten wurden beide Drohanrufe von Telefonzellen in der Innenstadt abgesetzt - Orte, an denen sich viele Bonner aufhalten. „Da ist richtig was los“, sagte Scholten. Die Aufnahme sei daher auch gezielt lokalen Medien zur Verfügung gestellt worden.

Die Polizei begründet ihre Maßnahme mit Gefahrenabwehr. „Wir wollen vermeiden, alle zwei oder drei Tage den Hauptbahnhof sperren zu müssen“, sagte Scholten. Es gebe gewisse Anhaltspunkte, dass beide Anrufe von derselben Person getätigt worden seien. Die Stimme klinge nicht unähnlich. Ein Verdächtiger sei auch bereits überprüft worden - er habe sich aber als unschuldig herausgestellt.

Auf den oder die unbekannten Anrufer können hohe Kosten zukommen. Die Polizei sprach von einer fünfstelligen Summe, allein für ihren Einsatz.

(dpa)