Aachen/Herzogenrath: Bombenbauer: Ein Jahr Haft auf Bewährung

Aachen/Herzogenrath: Bombenbauer: Ein Jahr Haft auf Bewährung

Da hat Jürgen K. aus Herzogenrath mehr Glück als Verstand gehabt, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Bomben bauende ehemalige Lokführer (51) wurde von der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht zu nur einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

Dies wegen des widerrechtlichen Umgangs mit sprengstofffähigem Material und wegen Widerstands gegen Polizeibeamte.

Bereits da fängt das Glück für das Leben von Jürgen K. an. Denn weil der in einer unglücklichen Beziehung gefangene Mann sich am 2. April dieses Jahres per SMS an die Ex-Freundin wandte und ihr drohte, sich „mit einem großen Rums“ in Form von selbst gebastelten Rohrbomben umbringen zu wollen, alarmierte jene die Polizei.

Und da stand dann schließlich nach erfolglosen Verhandlungen abends das Sondereinsatzkommando (SEK) im Zimmer. Die Beamten trafen auf einen Mann, der ihnen fuchtelnd entgegenkam und sie anschrie „erschießt mich doch“. Darauf verzichteten die SEK-Beamten zum Glück, setzten ihn aber mit einem Hüftschuss außer Gefecht.

Denn die Sache war in der Tat gefährlicher, als sich der Delinquent bis heute selber eingestehen will. So hatte K,. weiter Glück im Nachhinein, dass seine Selbstmordpläne zwei mal scheiterten und ein „finaler Suizidversuch“, wie das Gericht es formulierte, am Ende vom SEK verhindert wurde.

In der Urteilsbegründung zählte der Vorsitzende Richter Hans Günter Görgen Stück für Stück auf, welche Mengen von entzündlichen und sprenstofffähigen Materialien der Mann in seiner Dachwohnung angehäuft hatte, um mit seiner Selbstmorddrohung und dem in unseren Breiten doch ungewöhnlichen Aufwand für eine Selbsttötung seine Ex-Freundin habe beeindrucken wollen.

„Wir glauben nicht“, so der Richter, „dass er an diesem Abend sich selber und die Wohnung in die Luft sprengen wollte.“ Das Gericht glaube eher, dass er die vier mit Sprengstoff gefüllten Rohrbomben mitnehmen und sich in seinem Auto „auf einem Feld“ in die Luft sprengen wollte.

K. hatte sich im Internet kundig gemacht und neben einem Kilogramm Schwarzpulver mehrere Mischungen an Sprengstoffen hergestellt. Und auch die notwendigen Zünder hatte er über eine langen Zeitraum akribisch zusammengebastelt.

Die psychiatrische Sachverständige Konstanze Jankowski hatte in ihren Gutachten festgestellt, dass der paranoid veranlagte Angeklagte sich zum Tatzeitpunkt in einer psychischen Ausnahmesituation befunden habe.

Der Verlust des Arbeitsplatzes, das Abstellen des Stromes am Tattag und die bohrende Erkenntnis, dass er seine Ex-Freundin nicht wiederbekommen könne hätten ihn in diese Gemütsverfassung gebracht. Die unmittelbaren Drohungen habe er dann im Zustand verminderter Schuldfähigkeit, weil er auch unter Alkohol und Drogeneinwirkung stand, begangen.

Jetzt allerdings sei er wieder hergestellt, sagte die Sachverständige, so dass die Strafe vom Gericht unter strengen Auflagen einer Verhaltenstherapie zur Bewährung ausgesetzt wurde. Staatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts sah das im Plädoyer ähnlich, hatte aber eine Gesamtstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung gefordert. Die erste Auflage, die der 51-Jährige erfüllen muss ist, sich bei seinen Eltern zu melden. Von dort aus soll er sein neues Leben in Angriff nehmen.