Aachen/Düren: Bluttaten: Brüderpaar verurteilt

Aachen/Düren: Bluttaten: Brüderpaar verurteilt

Die vormaligen Opfer wurden zu Tätern: Das Dürener Brüderpaar Sener und Taner S. (29/35) ist am Freitag vom Aachener Schwurgericht zu je dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Anders als von der Staatsanwaltschaft beantragt wurden das Brüderpaar nicht wegen versuchten Mordes an dem heute 41-jährigen Opfer verurteil, sondern wegen gefährlicher schwerer Körperverletzung und versuchten Totschlags.

Die Strafzumessung wurde vom Gericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl wegen der besonderen Umstände, durch die es zur Tat am Heiligabend 2010 gegen 17 Uhr nahe einer Tankstelle in Düren gekommen war, mehrfach gemildert. Die Brüder S. waren eher zufällig an diesem Tag auf ihr Opfer gestoßen und hatten es zunächst mit einem Schlagstock traktiert. Dann schoss der ältere Bruder mit einer Pistole zwei Mal auf den am Boden liegen Mann, ein Schuss durchschlug den Oberschenkel, ein anderer das Becken. Das Opfer überlebte durch eine Notoperation. Die Brüder lagen seit dem Sommer 2010 im Streit mit dem Opfer, dem Schwager einer türkischen Frau, die trotz ihrer fortbestehenden Ehe mit dem jüngeren Bruder ein Verhältnis eingegangen war.

„Aus einem übersteigerten Gedanken an die Familienehre”, bewertete das Gericht die Ursprungstat, habe das spätere Opfer Anfang September 2010 die beiden Brüder tätlich angegriffen und zum teil schwer verletzt. Der Schwager hatte der Frau den Umgang mit Sener S. verboten, das Paar hielt sich aber nicht an die Auflage des selbst ernannten Familienoberhauptes.

„Das spätere Opfer”, bewertete das Gericht die behördliche Vorgehensweise, „ist damals aus unerfindlichen Gründen von der Untersuchungshaft verschont geblieben.” So war der 41-Jährige noch auf freiem Fuß, als die beiden Brüder an dem kalten Wintertag auf ihn stießen, als er gerade einem Bekannten dabei half, einen im Schnee feststeckenden Pkw aus einer Parklücke zu schieben. Sie hätten dann spontan „mit einem Anteil von Rachegedanken” die Tat verübt, so das Gericht.